Das Internationale Klavierwochenende lockte zum 20. Mal mit attraktivem Programm nach Holzgerlingen. Konstantin Zvyagin spielte als Rarität vier Stücke aus Robert Schumanns „Manfred“.
Die Bezeichnung Kammer ist eigentlich irreführend. Die Musik für eine kleine Besetzung wurde früher häufig in großbürgerlichen Salons oder entsprechenden adligen Schlössern aufgeführt – keinesfalls in Kammern. Beim 20. Internationalen Klavierwochenende in Holzgerlingen war es die gar nicht so kleine Stadthalle, die den Rahmen abgab für Kammermusik par excellence.
Anja Breuer, Klavier, und Bettina Kriegbaum, Geige, bezauberten zur Eröffnung mit der Wiedergabe von Bachs A-Dur-Sonate und Brahms d-Moll-Sonate. Technisch souverän realisierten sie die poetischen Verflechtungen der beiden Instrumente, ließen die Klänge ineinander mit warmem Timbre verschmelzen und verhalfen den jeweils solistischen Passagen zu strahlender Präsenz.
Ein zutiefst romantischer Geisterstoff
Aufschlussreich war auch die Begegnung mit Konstantin Zvyagin. Der in Moskau ausgebildete Pianist hatte als Rarität vier Stücke aus Robert Schumanns Schauspielmusik „Manfred“ mitgebracht, die er selbst für Soloklavier bearbeitet hat. Es erklangen die Ouvertüre, die Geister, die Alpenfee und Astarte, die verstorbene Geliebte von Manfred.
Dieser zutiefst romantische Geisterstoff spielt in den Schweizer Bergen und beruht auf dem Gedicht von Lord Byron. Tschaikowsky komponierte eine Manfred-Sinfonie und der Maler Gustave Doré schuf eine bildnerische Grafikserie. Niemand geringerer als Franz Liszt dirigierte die Uraufführung des szenischen Werkes von Schumann 1852 im Weimarer Hoftheater. Zvyagin erwies sich als Interpret mit betont brillantem Klavierklang, konnte aber auch die düstere Atmosphäre dieses dramatischen Geisterstoffes beschwören. Die Darstellung musikalischer Emotionen hat wenig mit dem Herzen des Interpreten zu tun, sondern mit einer ausgearbeiteten Anschlagstechnik, mit der die verschiedenen Klänge modelliert werden.
Es ist für uns ein Erfolg, dass dieses Klavierwochenende jetzt schon 20 Jahre besteht.“
Senta Pflieger, Organisatorin
Das konnte man gut nachvollziehen bei den beiden Werken, die sich die sizilianische Pianistin Maria Pia Vetro herausgesucht hatte. Bei Schumanns „Papillons“ überzeugte sie mit spritzigem Temperament und mit gezielt eingesetzten Tempoverzögerungen, was zu einer quasi sprechenden Darstellung führte. Schumanns frühe Komposition schildert das Durcheinanderflattern auf einem turbulenten Faschingsball nach Jean Paul.
Zweiter Konzerttag mit Senta Pflieger und Christoph Ewers
Ein anderes Kaliber war dann Franz Liszts Paraphrase über Themen aus Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“. Wie auch in anderen Opernparaphrasen Liszts geht es hier darum, die Elemente einer Liebe und deren dramatische Gegensätze in attraktive Klänge zu gießen. Die Pianistin erwies sich als großartige Virtuosin und musikantische Interpretin, die viele Stimmungsfacetten aus dem Flügel heraus gestaltete. Jetzt gab es zum ersten Mal einige zaghafte Bravorufen aus dem Publikum.
Am zweiten Tag gab es von Bach das Allegro aus dem d-Moll-Klavierkonzert und Mozarts A-Dur-Klavierkonzert. Souveräne Interpreten waren Senta Pflieger und Christoph Ewers sowie das Streichquartett der Tübinger Musikschule. Wie am Samstag endete das Konzert mit einem Solorecital. Der Koreaner Yun Shin Choi interpretierte stimmungsreich Brahms‘ Klavierstücke op. 118 und die fulminante siebte Klaviersonate von Sergei Prokofjew. Die Organisatorin Senta Pflieger sagte: „Mit dem Niveau und dem Publikumszuspruch bin ich sehr zufrieden, es ist für uns ein Erfolg, dass dieses Klavierwochenende jetzt schon 20 Jahre besteht.“