Clemens von Arnim in den Geschäftsräumen der Gärtringer Firma Louis Renner, die seit mehr als 130 Jahren Klavier- und Flügelmechaniken herstellt. Foto: Renner

Der Flügel- und Klavierbauer Steinway & Sons hat die Firma Renner in Gärtringen übernommen. Das Traditionsunternehmen will das Geschäft am Stammsitz in Gärtringen und in Meuselwitz bei Leipzig ausbauen – und holt dafür Projekte aus Asien zurück.

Gärtringen - Wenn in Konzertsälen dieser Welt Pianomusik erklingt, hat oft Louis Renner aus Gärtringen seine Finger im Spiel. Die Firma stellt seit mehr als 130 Jahren Klavier- und Flügelmechaniken her und ist nach Angaben von Geschäftsführer Clemens von Arnim weltweit führend. Früher produzierte der nach Unternehmensgründer Louis Renner benannte Betrieb noch Hammerköpfe und Spezialteile in Stuttgart. Anfangs mit einer Handvoll Fachleuten unweit des Zentrums in der Heusteigstraße, später dann im Stuttgarter Westen in der Fritz-Reuter-Straße. 2001 zog Renner nach Gärtringen im Kreis Böblingen, um sich zu vergrößern und siedelte sich unweit der S-Bahnstation an. Die alte Fabrik in Stuttgart wurde ein paar Jahre später größtenteils in Lofts umgewandelt, der Rest abgerissen und dort inzwischen ein Wohnhaus errichtet.

Mit fast 200 Mitarbeitern am Firmensitz in Gärtringen und am Standort Meuselwitz bei Leipzig erwirtschaftete Renner im vergangenen Jahr einen Umsatz von 15 Millionen Euro, zum Gewinn macht Clemens von Arnim keine Angaben. Er sagt jedoch: „Wir sind einer der wenigen Betriebe in der Branche, die überhaupt einen Gewinn erzielen.“ Zu den Kunden zählen Klavierfabriken wie Wilhelm Schimmel (Braunschweig), Steinway & Sons (Hamburg/New York), Fazioli (Sacile, nahe Venedig) und Bösendorfer (Wien).

Steinway & Sons zählt zu den Aushängeschildern in der Flügel- und Klavierbauerbranche

Doch warum kam es nun zum Verkauf an den Flügel- und Klavierbauer Steinway & Sons? „Wir mussten die Nachfolge regeln“, sagt Clemens von Arnim. Er ist 62 Jahre alt, seine Schwester Bettina von Armin-Reuter 65. Die beiden besaßen vor der Übernahme jeweils 50 Prozent an der Firma und wollten „dass sie in gute Hände übergeben wird und die Arbeitsplätze erhalten bleiben“. Und da Steinway & Sons schon seit mehr als 100 Jahren zu den größten Kunden des Zulieferers gehört und ebenfalls eine lange Tradition hat, fiel die Wahl auf das Hamburger Unternehmen. Auch der größte Klavierhersteller der Welt, die Pearl River Piano Group aus China, zu der inzwischen auch der Klavierbauer Schimmel aus Braunschweig gehört, hatte Interesse an Louis Renner, doch Clemens von Arnim waren die Jobs wichtig. „Uns war wichtig, dass unsere Mitarbeiter nicht nur eine Beschäftigungsgarantie von vier Jahren zugesichert wurde“, sagt er. „Ausschlaggebend war die Zusage, dass Steinway & Sons beide Standorte ausbauen will und dafür sogar zwei Projekte aus Asien in die Firma holt.“ Clemens von Arnim wird weiterhin mit der kaufmännischen Geschäftsführerin Sabine Manal das Unternehmen führen.

Steinway & Sons zählt zu den Aushängeschildern in der Flügel- und Klavierbauerbranche. Das 1853 gegründete Unternehmen betreibt weltweit zwei Fabriken. Neben der Produktion in der Hansestadt fertigt Steinway & Sons auch in New York, dem Firmensitz des Unternehmens, Instrumente. Knapp 500 der insgesamt 1000 Beschäftigten arbeiten in Hamburg. Zu Umsatz und Gewinn macht Steinway & Sons keine Angaben.

Neun von zehn Berufs- und Hobbypianisten entscheiden sich für ein Instrument von Steinway& Sons entscheiden, wie eine Firmensprecherin der Hamburger Niederlassung erklärt. „Wir versuchen, den Klavierbau zu bewahren“, sagt sie. „Es ist für uns von Bedeutung,wichtige Bestandteile, die wir brauchen, zu sichern.“ Deshalb habe das Unternehmen 1999 mit der Firma Klug aus Remscheid den größten europäischen Hersteller von Klaviaturen und mit der O.S. Kelly Company aus Ohio den größten US-amerikanischen Hersteller von Gussplatten übernommen.

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