Klaus von Klitzing So tickt der Nobelpreisträger

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Der Stuttgarter Physiker Klaus von Klitzing ist auch mit 75 noch viel beschäftigt. Sogar der Vatikan interessiert sich für die Arbeit des Nobelpreisträgers.

Stuttgart - Auf den Tischen liegen Papiere, Bücher und Fachzeitschriften. Computermonitore zeigen Formeln und Kurven. An den Wänden und in den Vitrinen sind Auszeichnungen und Urkunden zu sehen. Wer Klaus von Klitzings Büro beim Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart-Büsnau betritt, spürt sofort: Hier arbeitet ein kreativer Geist.

Auch mit 75 hat Klaus von Klitzing noch viel zu tun. So ist der Physik-Nobelpreisträger des Jahres 1985 kommende Woche zu Gast bei der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in Rom. Dort referiert er über ein Thema, das ihn schon etliche Jahre beschäftigt: die Reform des internationalen Einheitensystems, die als wohl wichtigsten Punkt die Neudefinition des Kilogramms umfasst. Von dort geht es dann weiter zur 26. Generalkonferenz für Maß und Gewicht in Versailles, wo von Klitzing den Eröffnungsvortrag hält.

Zahlreiche Vortragsanfragen

Und dann sind da noch die vielen anderen Vortragsanfragen – zum Beispiel von Schulen, wo von Klitzing junge Leute für Naturwissenschaften begeistern will. Seit mehr als zehn Jahren verleiht er jedes Jahr den Klaus-von-Klitzing-Preis für besonders engagierte Lehrer in naturwissenschaftlichen Fächern. Von Klitzing, der 1943 in Schroda im heutigen Polen geboren wurde und 1945 mit seiner Familie nach Deutschland kam, redet schnell und druckreif. Dabei gibt er sich große Mühe, komplizierte quantenphysikalische Zusammenhänge so zu verpacken, dass Nichtphysiker zumindest ansatzweise verstehen, worum es geht. Formeln braucht von Klitzing dazu nicht. Wenn er Schülern den von ihm entdeckten Quanten-Hall-Effekt erklärt, sagt er: „Ihr habt gelernt, dass der Widerstand eines Drahtes von seiner Länge abhängt. Es gibt aber auch einen Widerstand, der naturgegeben ist – genauso wie die Lichtgeschwindigkeit.“

In der Forschung dürfe man nicht immer gleich nach der Anwendung fragen, sagt der Physiker, der seine preisgekrönte Entdeckung auch dem Zufall verdankt. Besser sei es, „zunächst Wissen zu erwerben und dann erst zu fragen, wofür wir es einsetzen können“. Wichtig seien auch Freiräume für Kreativität. Wie viele Physiker arbeitet auch von Klitzing gerne nachts: „Da wird man nicht so oft abgelenkt.“ Die Formeln zum Quanten-Hall-Effekt hat er am 5. Februar 1980 um zwei Uhr morgens in Grenoble aufgeschrieben. Die Rückmeldung zur Rohfassung des aktuellen Interviews trifft um 2.27 Uhr früh per E-Mail ein.

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