Klaus Gerrit Friese im Interview „Ein Schatz wird gehoben“

Von Nikolai B. Forstbauer 

Klaus Gerrit Friese mit Baumeister-Bild Foto: Galerie Friese
Klaus Gerrit Friese mit Baumeister-Bild Foto: Galerie Friese

Klaus Gerrit Friese begründet in den „Stuttgarter Nachrichten“, warum die Schau der Papierarbeiten von Willi Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart wichtig ist

Stuttgart - Der Berliner Galerist Klaus Gerrit Friese über die Schau von Willi Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart:

Herr Friese, Sie haben vor einem Jahr Ihre neue Galerie in Berlin mit einer Baumeister -Ausstellung eröffnet – warum?
Das war immer die Intention: Mit einer programmatischen Ausstellung in Berlin zu eröffnen. Berlin ist, wenn man so will, sehr zeitgenössisch, die Zahl der Galerien, die sich den Weg über eine größere Zeitspanne Kunst zutrauen, ist verhältnis­mäßig klein. Das ist also mein Platz in der großen Stadt, und wie konnte ich das klarer machen als mit einer Ausstellung von Willi Baumeister? Der steht auf beste Weise für so vieles in der Kunst: für die Avantgarde mit historischem ­Bewusstsein, für die Bedeutung der ­Reflexion, die der sprachlichen Formulierung bedarf, für den kenntnishaften Umgang mit den Malmitteln, der den Werken Dauer und Präsenz verleiht. Mit dieser Schau hat die Galerie in Berlin sofort ihren Standpunkt verdeutlicht, das wurde sofort an- und wahr­genommen.
Das Kunstmuseum Stuttgart lenkt den Blick nun von diesem Freitag an auf die Zeichnungen. Welche Bedeutung hat das aus Ihrer Sicht für die Werk-Rezeption?
Baumeister hat die Zeichnungen als seinen Humus betrachtet, ein interessantes Wort, das mir in zweierlei Hinsicht deutbar erscheint. Zum einen waren sie ein ­Experimentallabor für die Arbeiten auf Holz und Leinwand, zum anderen aber entfalten sie wie einer alchemistischen Küche entsprungen ungeheure Wirkung: Die Zeichnung steht ein für das Ganze der Kunst, für ihre Möglichkeiten der Neuformulierung und Weiterentwicklung. Das kann man an Einzelblättern und Zyklen symptomatisch erleben wie bei nicht ­so vielen Künstlern.
Wie beobachtet der Kunstmarkt solche Spezialpräsentationen? Baumeister-Bilder erlebten zuletzt ja heftige Preisausschläge nach oben.
Stuttgart hat ja im vergangenen Jahr als Denkraum über die Zukunft der Museen Furore gemacht. Das hier ist so simpel wie möglicherweise programmatisch eine Antwort auf all die drängenden – scheinbar drängenden? – Fragen zur Bedeutung von Museen: Der Schatz im und am Haus wird mit einer leichten Anstrengung sorgfältig gehoben und sichtbar gemacht. Wie der Kunstmarkt darauf reagiert, ist schwer vorherzusehen, zu wünschen wäre es ihm, dass er es würdigt.
An diesem Freitag um 19 Uhr wird im Kunstmuseum Stuttgart die Ausstellung „Auf Papier . . Arbeiten von Willi Baumeister“ eröffnet. Mehr unter www.kunstmsueum-stuttgart.de – mehr zur Galerie Friese: www.galeriefriese.de

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