Schluss mit lustig! Der „Joko & Klaas“-Entertainer Klaas Heufer-Umlauf spielt in der Frank-Schätzing-Verfilmung „Der Schwarm“ einen Tauchroboter-Experten und macht sich Sorgen um die Zukunft dieses Planeten.
Ist das noch Science-Fiction? Und wer ist hier das Monster? Das europäische Serien-Großprojekt „Der Schwarm“ aktualisiert Frank Schätzings Ökobesteller aus dem Jahr 2004. Dieser erzählte davon, wie sich die Natur gegen die Rücksichtslosigkeit der Menschen wehrt. „Der Schwarm“ eröffnet an diesem Sonntag den Serien-Wettbewerb auf der Berlinale und ist im März im ZDF zu sehen. Wir haben in Berlin den Entertainer Klaas Heufer-Umlauf getroffen, der neben Leonie Benesch und Oliver Masucci in „Der Schwarm“ zu sehen ist.
Herr Heufer-Umlauf, Sie waren schon Friseur, sind Sänger, Entertainer, Schauspieler, Moderator und vieles mehr. Es scheint nichts zu geben, das Sie nicht können. Wären Sie auch ein guter Tauchroboter-Experte?
In der Realität sicher nicht. Das ist ein großer Unterschied zu den Dingen, die ich sonst mache. Jetzt mal vielleicht abgesehen vom Friseurberuf sind das Dinge, bei denen man nicht wirklich irgendwas können muss. Bei einem Tiefseeexperiment oder einer Expedition muss man mal wirklich was können. Da kommt man nur mit Labern nicht mehr weiter. Und das ist dann außerhalb meines Zuständigkeitsbereichs.
Das heißt aber, Sie trauen sich alles zu, bei dem man mit Quatschen irgendwie so durchkommt?
Zumindest habe ich die Erfahrung gemacht.
Und zumindest sind Sie gut darin, einen Tauchroboter-Experten zu spielen. Wie würden Sie Luther Roscovitz in „Der Schwarm“ beschreiben?
Er stellt die Figur des Skeptikers dar. Wenn ungewöhnliche Dinge geschehen, gibt es immer irgendwelche Männer, die glauben zu wissen, wie alles läuft, und die sich da nichts erzählen lassen wollen – schon gar nicht von Frauen, die vielleicht einen ganz anderen Blick auf die Welt haben. Roscovitz ist ein bisschen so ein Typ, und ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass er eines Besseren belehrt wird.
In „Der Schwarm“ geht es auch darum, wie rücksichtslos wir mit der Welt umgehen, in der wir leben – ein sehr aktuelles Thema, obwohl Frank Schätzings Roman aus dem Jahr 2004 stammt.
Ich habe das Buch damals, als es rauskam, als klassische Urlaubslektüre gelesen. Die Drehbücher haben die Geschichte noch ein bisschen mehr an unsere heutige Gegenwart angepasst. Es gibt den Teil, der viel mit unserer Realität zu tun hat, und den, der weiterhin rein fiktional ist. Aber was hier erzählt wird, ist ganz, ganz nah dran an dem, was passieren könnte oder was tatsächlich passiert.
Der Showrunner Frank Doelger bezeichnet „Der Schwarm“ als Monsterfilm, in dem die Menschen das Monster sind.
Über Tausende Jahre hinweg gab es ja eine Art Einigkeit und Gleichgewicht zwischen all den verschiedenen Bewohnern dieses Planeten. Im vorindustriellen Zeitalter waren die Menschen noch gar nicht in der Lage, ein solches Ungleichgewicht herzustellen, wie es heute besteht. Jetzt ist das anders. Vielleicht konnte man zunächst noch behaupten, dass wir die Welt nicht in voller Absicht zerstören, da es noch nicht unbedingt absehbar war, welche klimatischen Veränderungen wir bewirken. Doch inzwischen gibt es ausreichend Informationen darüber, sodass man schon von einem gewissen Vorsatz ausgehen kann.
Und besteht noch Hoffnung für uns und für die Erde?
Ja, wenn wir uns an das Pariser Klimaabkommen halten. Wenn man allerdings alle jetzt schon geschlossenen Verträge zwischen der Regierung und Energiekonzernen tatsächlich umsetzt, dann ist das nicht zu schaffen. Es besteht Hoffnung, aber die müsste mit Einsicht einhergehen.
Sind deshalb all die warnenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Helden von heute?
Die Helden müssen am Ende wir alle selbst sein. Die Wissenschaftler sind nur die Menschen, die einem sagen, dass da vorne gleich ein Abgrund kommt. Ob man dann weiterläuft, entscheidet man selbst.
Mit solchen Kehrtwenden tut sich die Politik ja auch immer etwas schwer.
Das Prinzip der Demokratie enthält das Problem, dass man auf die Zustimmung von Menschen angewiesen ist, die vielleicht nicht unbedingt einen so tiefen Einblick auf herannahende Probleme haben, wie das die meisten Politikerinnen und Politiker haben sollten. Diese haben durch ihr Amt einen gewissen Wissensvorsprung und eine große Verantwortung, auch Entscheidungen zu treffen, die bei den Wählerinnen und Wählern im ersten Moment wenig Akzeptanz finden, aber perspektivisch wichtig sind. Das kostet einen dann auch mal Wählerstimmen. Wer eine Katastrophe rechtzeitig verhindert, von der die meisten noch gar nicht ahnen, dass sie bevorsteht, dem fliegen leider nicht immer gleich die Herzen zu.
Wenn die Politik nicht will, muss das Entertainment ran. Bei „Joko & Klaas“ nutzen Sie – ähnlich wie Jan Böhmermann – Ihre Sendezeit immer wieder auch für wichtige, unbequeme Themen. Sind solche Unterhaltungsformate eine gute Möglichkeit, um die Menschen aufzurütteln?
Ich glaube, es ist immer gut, wenn wichtige Informationen, die uns alle betreffen, in der Mitte des Lebens besprochen werden – und das heißt eben auch in Unterhaltungsshows, in die man sich eigentlich flüchtet, um sich vom Weltgeschehen oder von der Gegenwart abzunabeln. Ich finde es gut, wenn man sich da als Unterhaltungskünstler profiliert und auch mal versucht, eine neue Haltung zu implementieren. Worauf ich aber keine Lust habe, ist, in erster Linie eine Haltung zu verbreiten und zu gucken: Wie kann ich die in etwas Unterhaltsamem verstecken? Ich glaube, das ist der falsche Weg. Also man muss auch schon wissen, wo man hingehört. Aber wenn man die Aufmerksamkeit hat, finde ich es auch irgendwie unanständig, die jetzt gar nicht zu nutzen.
Klaas Heufer-Umlauf und die Eventserie „Der Schwarm“
Person
Der Moderator, Entertainer, Schauspieler, Produzent und Sänger Klaas Heufer-Umlauf (39) ist vor allem durch TV-Formate bekannt, die er mit Joko Winterscheidt umgesetzt hat – wie „Circus HalliGalli“ oder „Joko & Klaas gegen ProSieben“.
Serie
An „Der Schwarm“ waren viele europäische Sender beteiligt. Am Sonntag, 19. Februar, eröffnet der achtteilige Thriller die Serien-Reihe der Berlinale, ab 22. Februar ist er in der ZDF-Mediathek verfügbar, und ab 6. März wird er im ZDF ausgestrahlt.