Mutter Nicole Oster muss die Betreuung ihrer Kinder anders organisieren Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Da kein Ende des bundesweiten Kitastreiks in Sicht ist, müssen Eltern in Stuttgart improvisieren. In einer städtischen Kindertagesstätte in Vaihingen zeigen die Eltern allerdings auch Verständnis für den Ausstand der Erzieherinnen und Erzieher.

Stuttgart - Am Dienstagabend bekräftigte ein Sprecher der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), dass der Arbeitskampf der Erzieherinnen so lange weitergeht, bis sich die Arbeitgeber im Tarifkonflikt bewegen. Damit strapaziert der unbefristete Kitastreik weiterhin die Nerven vieler Eltern. In einer städtischen Kindertagesstätte in Vaihingen zeigen die Eltern allerdings auch Verständnis für den Ausstand der Erzieherinnen und Erzieher. Sie haben sich auf ganz unterschiedliche Art mit der Situation arrangiert.

„Wir haben das Glück, dass unsere Kita einen Tag in der Woche trotzdem Kinder aufnimmt, weil nicht alle Erzieherinnen in der Gewerkschaft sind“, sagt Nicole Oster. Die beiden Söhne der 39 Jahre alten Mutter, Paul und Jacob, gehen in die Kita in der Robert-Koch-Straße. „Vorteilhaft ist außerdem, dass ich als Hautärztin nur Teilzeit arbeite und mir so Zeit für die Betreuung bleibt“, sagt Oster.

Im Freundeskreis unterstützen sich die Eltern gegenseitig. Oder geben die Kinder zu den Großmüttern. „Mal nimmt ein befreundetes Paar unsere beiden auf, mal kommen andere Kinder zu uns nach Hause.“

Was ihr allerdings missfällt: „Wenn andere Kinder nun in unsere Notfall-Kita kommen, ist es für die Kleinen sehr schwierig, eine Beziehung zu den fremden Erzieherinnen aufzubauen.“ Ganz grundsätzlich aber, betont die Stuttgarterin, hätten sie und ihr Mann – der selbstständig arbeitet – Verständnis für den unbefristeten Ausstand. „Ich beobachte aber auch, dass immer mehr Eltern von dem Streik frustriert sind“, sagt Oster. Und sie stelle sich vor allem eine Frage: „Wie soll man die Anerkennung eines ganzen Berufsstandes innerhalb nur einer Tarifrunde nachhaltig steigern?“

Ähnlich sieht es eine andere Mutter, die ihren Sohn in der Kita in der Robert-Koch-Straße hat. Kristina Höfflinger: „Wir haben sehr viel Glück, dass wir unseren Sohn Bela bei der Großmutter unterbringen“, sagt die 39-Jährige, die ebenfalls in Vaihingen wohnt. Gäbe es die Option nicht, dass die Großmutter den Vierjährigen betreut, hätte der Streik wohl die komplette Urlaubsplanung der Familie Höfflinger durcheinandergewirbelt: „Wir planen eine Griechenland-Reise. Und wenn wir uns noch Urlaubstage für die Betreuung zu Hause hätten nehmen müssen, wären die Ferien wohl ins Wasser gefallen“, sagt Höfflinger. Viele andere Eltern seien stärker betroffen, beobachtet sie.

Laut Verdi streiken zurzeit rund 1600 Sozialberufler in Stuttgart. Von den insgesamt 184 Kindertagesstätten in der Stadt bieten 15 einen sogenannten Notdienst an, wie in der Robert-Koch-Straße in Vaihingen. Die Betreuung dort übernehmen Mitarbeiter des Jugendamts, Nichtstreikende und Auszubildende.

Dass die Erzieherinnen rund zehn Prozent mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen fordern, versteht die Mutter Simone Letsch aus Rohr. „Die Erzieherinnen sind gut ausgebildet und machen einen vorbildlichen Job. Diese Arbeit sollte uns mehr wert sein“, sagt die 40-Jährige. Sie hoffe, dass mit einer besseren Bezahlung künftig mehr Männer in dem Beruf arbeiten. „Für die Kinder kann es doch nur gut sein, wenn sie von Frauen und eben von Männern betreut werden.“ Und die Großmutter nicht weiter einspringen muss.

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