Die Schließung einer Kindertagesstätte in Schorndorf wegen Rattenbefalls hat für Aufsehen gesorgt. Doch auch in anderen Orten im Rems-Murr-Kreis kämpft man gegen eine Ausbreitung der ungeliebten Tiere. Was können Bürger tun?
Nach der Schließung einer Kindertagesstätte in Schorndorf wegen Rattenbefalls ist die Betreuung der Kinder von kommendem Montag an wieder gesichert. Das Spatzennest könne übergangsweise Räumlichkeiten einer Tagespflegegruppe im Teilort Schornbach nutzen, teilt die Stadt mit.
Stadt reagiert sofort mit Schließung
Bei einer gebäudetechnischen Untersuchung war Mitte der Woche festgestellt worden, dass sich in der Schorndorfer Kindertagesstätte offenkundig unliebsame Nager eingenistet haben, auch das Jugendzentrum Hammerschlag, das im gleichen Gebäude untergebracht ist, ist betroffen. Weil bei der Begehung nicht nur ein Tier, sondern ebenfalls Kotspuren in den Gruppenräumen entdeckt worden waren, zog die Stadt sofort Konsequenzen.
Während für die Nutzer nun Übergangslösungen gefunden sind – das Jugendzentrum Hammerschlag wird im Jugendhaus Altlache einziehen –, ist das genaue Ausmaß des Befalls noch nicht klar. Der Kammerjäger habe Fallen und Köder ausgelegt, man warte auf Rückmeldung, heißt es auf Nachfrage vonseiten der Stadt. Und dessen Einschätzung sei auch entscheidend dafür, abschätzen zu können, wann Kinder und Jugendliche wieder einziehen könnten. Eines aber steht für die Stadt fest: „Die Schließungen sind vorübergehend.“
Dass eine Kinderbetreuungseinrichtung wegen Rattenbefalls ihren Betrieb einstellen musste, ist im Rems-Murr-Kreis zwar bisher beispiellos, aber andere Kommunen räumen auch in den Kitas zumindest „vereinzelten geringen Handlungsbedarf“ ein, wie etwa Weinstadt. Die Kommune sei indes in Sachen Nager mehr oder weniger im Dauereinsatz. Die Stadtentwässerung gehe gegen die Tiere in den Kanälen mit Ködern vor, die alle drei Monate kontrolliert würden, so eine Stadtsprecherin. Für Privatpersonen bestehe eine Meldepflicht. Wer auf seinem Grundstück einen Rattenbefall feststelle, sei gefordert, die Stadt zu informieren, damit diese die Schächte der betroffenen Gegend kontrollieren und mit Gift bestücken könne. Falls sich Ratten auf einem Grundstück aufhielten, sei ein Schädlingsbekämpfer zu kontaktieren.
Trotz Bekämpfung nimmt die Population nicht ab
Auch in Fellbach geht man gegen Ratten vor. Doch „obwohl vermehrt Schädlingsbekämpfer im Einsatz sind und in den Abwasserkanälen mittlerweile ganzjährig Köderboxen aufgestellt werden, nimmt die Population nicht ab“, heißt es aus dem Rathaus. Ähnliches wird auch aus Waiblingen berichtet, „obwohl der Schädlingsbekämpfer quasi im Dauereinsatz ist“, wie eine Stadtsprecherin sagt. Weil aber auch das Verhalten jedes Einzelnen mitentscheidend für Ausbreitung oder Eindämmung der Population sei, setze man neben der Rattenbekämpfung auch auf Aufklärung, in Backnang zusätzlich auch auf regelmäßige Kontrollen der Abfallgefäße und die Verteilung roter Karten, wenn der Zustand der Gefäße Ratten anlocke und keine Reinigung erfolge.
Folgende Tipps und Hinweise haben wir aus Antworten auf Anfragen an die Großen Kreisstädte zusammengestellt:
Wer muss sich kümmern?
Bei Rattenbefall auf einem privaten Grundstück sind die Eigentümer verpflichtet, für Abhilfe zu sorgen.
Was zieht die Tiere an?
Alle Arten von Futter, Ratten sind da nicht sehr wählerisch. Tierbesitzer sollten das Futter ihrer Lieblinge unerreichbar für Ratten in dichtschließenden Behältnissen aufbewahren. Sonst besteht die Gefahr, dass diese sich unter Hundezwingern, Hühnergehegen oder Pferdestallungen einnisten. Auch das Füttern von Vögeln, Katzen, Igeln und Wildtieren begünstigt den Rattenbefall. Das Füttern von Tauben, Enten und Schwänen auf öffentlichen Straßen und Gehwegen sowie in Grün- und Freizeitanlagen ist ohnehin in den meisten Kommunen verboten.
Worauf sollte man bei der Gartengestaltung achten?
Niedrig wachsende Bodendecker werden von Ratten gern als Schutz angenommen. Wenn auch noch Speisereste entsorgt werden, finden die Tiere oft genug Nahrung bei gleichzeitig guter Deckung unter den Bodendeckern. In Risikobereichen, etwa neben Müllbehältern, sollte deshalb auf Bodendecker verzichtet werden. Auch organische Düngemittel an Hecken ziehen Ratten an.
Wo nisten sich Ratten gern ein?
Häufig siedeln sich Ratten in Biotonnen und Kompostern an. Sie nagen sich von unten durch den Kunststoffboden und graben sich dann nach oben, um so an die weggeworfenen Speisereste zu gelangen. Sinnvoll sind rattensichere Kompostbehälter oder eine Absicherung im Boden mit feinmaschigem Draht. Gekochte Essensreste und tierische Abfälle (Knochen, Fleisch, Eier) ziehen durch ihren Geruch Nagetiere an und gehören nicht auf den Kompost.
Wie können Tiere ins Haus gelangen?
Ratten finden den Weg ins häusliche Umfeld vor allem durch Gebäudeschäden. In den Wintermonaten sollte man Türen und Gitter konsequent geschlossen halten und unvergitterte Kellerfenster nicht offenstehen lassen. Speisereste und sonstige Küchenabfälle sollten nicht über die Toilette entsorgt werden. Sie bieten den Ratten in der Kanalisation eine gute Nahrungsbasis. Die Tiere klettern aus der Kanalisation in die Abwasserrohre der Häuser und gelangen so im schlimmsten Fall in die Wohnungen.