Am Kita-Prozess des Jugendamtes hatte es zuletzt Kritik gegeben. Unter anderem fühlten sich Eltern und Gemeinderäte nicht ausreichend beteiligt und informiert. Die SPD-Fraktion beantragt nun einen Gemeinderatsbeschluss dazu.
Mehr Einbindung der Eltern und Kita-Fachkräfte sowie eine Erhebung des Betreuungsumfanges, den Familien brauchen – das fordert die SPD-Fraktion unter anderem in einem Antrag zu dem von der Stadt gestarteten Kita-Prozess. Das Jugendamt solle dem Gemeinderat einen „Grundsatzbeschluss vorlegen“, in dem es die kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen darlegt, mit denen die Versorgung von Kindern mit Kitaplätzen verbessert werden soll.
Das Jugendamt hatte im Herbst 2023 einen so genannten „Kita-Prozess“ gestartet. Ziel ist es, die Öffnungszeiten in den Kitas verlässlicher zu machen und aus dem bestehenden Angebot trotz Personalmangels für mehr Kinder einen Platz zu schaffen. Derzeit haben tausende Kinder in Stuttgart keinen Krippen- oder Kindergartenplatz.
Ganztagsquote von 60 Prozent
Um das zu ändern, will die Stadt das derzeit flächendeckende Ganztagsangebot von täglich acht Stunden und mehr teilweise in so genannte VÖ-Plätze mit sechs bis sieben Stunden Betreuungszeit umwandeln. Ziel ist eine Ganztagsquote von 60 Prozent in Krippen- und Kindergarten-Gruppen. In einem Kita-Forum hatte die Verwaltung im Februar unter anderem Eltern und freie Träger informiert. Auch im Jugendhilfeausschuss war der Prozess immer wieder Thema.
Dort hatte es in der Mai-Sitzung Kritik von Seiten der Grünen, SPD und Linksbündnis gegeben. Unter anderem kritisierten deren Vertreterinnen und Vertreter, Eltern seien nicht ausreichend informiert und einbezogen worden bislang. Auch fehle eine solide Datengrundlage, wie viele Familien tatsächlich keinen Ganztagsplatz brauchten. Die Rätinnen und Räte fühlten sich nicht gut genug über Planungen und Stand der Dinge informiert. Einer Änderung der Kita-Satzung, mit der unter anderem ein 7-Stunden-Betreuungsmodell möglich geworden wäre, lehnten sie deshalb ab.
SPD will Elternbeteiligung
Mit einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderates zum Kita-Prozess will die SPD nun mehr Transparenz und politische Legitimation schaffen. „Statt Kommunikationsversuche ist echte Partizipation aller beteiligten Gruppen auf Augenhöhe zum Gelingen zwingend notwendig. Eine aktive Beteiligung von Eltern und pädagogischen Fachkräften, aber auch des Gemeinderats, ist dabei von großer Bedeutung, um bedarfsgerechte Lösungen zu entwickeln und eine breite Akzeptanz der Maßnahmen sicherzustellen,“ so die SPD-Fraktionsvorsitzende Jasmin Meergans.
Außerdem empfiehlt die SPD zehn Maßnahmen: Unter anderem soll das Jugendamt ein Konzept erstellen, wie im Anschluss an die Kita-Öffnungszeiten beispielsweise Vereine oder andere Träger weitere Betreuung für die Familien anbieten können, die dies brauchen. Fachkräfte sollen zudem von nichtpädagogischen Aufgaben entlastet werden. Außerdem wünscht sich die Fraktion auch bei VÖ-Öffnungszeiten „ein Mittagessen und die Möglichkeit zum Mittagsschlaf“.