Die Oberbürgermeisterin reagiert auf die Kritik der vergangenen Wochen an der Reduzierung der Betreuungszeiten. Die Schließung kleinerer Kitas erfolge „nicht von heute auf morgen“.
Die von der Stadt angekündigten Reduzierungen in der Kinderbetreuung und in der Kindergartenbedarfsplanung haben der Verwaltung so manche geharnischte Reaktion, gerade in den sozialen Netzwerken, eingebracht. Hintergrund sind die auch vom Gemeinderat in den beiden Sparpaketen gebilligten Beschränkungen ab dem Kindergartenjahr 2026/27.
Dies betrifft etwa die reduzierte Ganztagsbetreuung wie auch die „mögliche Schließung kleiner Kita-Standorte“, betroffen wären etwa Einrichtungen „mit erheblichem Sanierungsbedarf“.
Kita-Schließung als „zutiefst menschlicher Eingriff“
Solche Einschränkungen oder gar Schließungen, erklärten hernach mehrere Mütter und Väter, empfänden sie als „widersprüchlich und wie einen Schlag ins Gesicht“. Denn: „Wer Betreuung abbaut und sie zugleich teurer macht, darf sich nicht wundern, wenn Eltern sich im Stich gelassen fühlen.“
Im Stadtparlament wiederum betonte CDU-Fraktionschef Franz Plappert bereits im Dezember: „Die Schließung einer Kita ist nicht nur ein wirtschaftlicher Vorgang, sondern ein zutiefst menschlicher Eingriff, es geht um unsere Kinder.“ SPD-Fraktionschef Andreas Möhlmann sagte zu den Reduzierungen bei den Kitas: „Diese Maßnahmen sind zwar schmerzhaft, aber sie sind kein Kahlschlag.“
In ihrer Haushaltsrede verteidigte die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull nun einmal mehr die städtische Strategie bei der Kinderbetreuung. Überschrift: „Kinderbetreuung: Hoher Standard – behutsame Anpassungen.“
Die vorgesehene Anpassung der Bedarfsplanung in den Betreuungseinrichtungen ist laut Zull „ein Punkt, der viele Familien beunruhigt“. Man müsse jedoch auch deutlich sagen: „In Fellbach gibt es keine Wartelisten – jede Familie bekommt nach kurzer Zeit einen Betreuungsplatz. Und das soll auch so bleiben.“
Zulls Urteil über Fellbach: „Die Qualität der Kinderbetreuungseinrichtungen ist hoch, die Trägerauswahl vielfältig. Die Betreuungszeiten waren und sind im Vergleich zu anderen Städten weiterhin großzügig.“
Doch die Stadt Fellbach müsse eben auf die seit 2023 zurückgehenden Geburtenzahlen reagieren. „Da wir die Betreuungsstruktur in den vergangenen Jahren stark ausgebaut haben, um den Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ohne Wartezeiten und ohne ,Platzsuche’ zu ermöglichen, haben wir bereits jetzt erste freie Kapazitäten.“
Es stünden Gespräche an, insbesondere mit jenen Einrichtungen und Trägern, deren Gebäude hochsanierungsbedürftig seien und die auf der anderen Seite nur wenige Plätze anbieten. Zull: „Können diese Einrichtungen geschlossen werden? Natürlich stehen solche Fragen im Raum. Aber sie werden gemeinsam mit den Einrichtungen und den Eltern diskutiert.“
Die OB versichert jedenfalls: „Es ist nicht vorgesehen, Einrichtungen von heute auf morgen zu schließen, sondern geordnet auslaufen zu lassen – und natürlich nur dann, wenn ausreichende Kapazitäten in der Nähe zur Verfügung stehen.“
Beruf und Familie zu vereinbaren, stelle Eltern, Arbeitgeber und Träger der Betreuungseinrichtungen vor organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Zull: „Wir schaffen das nur gemeinsam. Die gute Betreuungsstruktur in Fellbach ist uns sehr wichtig.“ Dies sei auch im Haushalt klar erkennbar: „Wir stellen hier jährlich rund 25 Millionen Euro zur Verfügung.“
Zuschuss bei 27 Millionen Euro – Rekordwert!
Fellbachs Erster Bürgermeister Johannes Berner ergänzte, dass trotz der bereits beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen der Zuschuss „einen Rekordwert von fast 27 Millionen Euro“ erreiche. Genau wie in vielen anderen Großen Kreisstädten der Region habe sich dieser Wert innerhalb eines Jahrzehnts in etwa verdoppelt.
Wenn die im Konsolidierungspaket I beschlossenen Maßnahmen „in Vollausprägung einen Umfang von 1,5 bis 2 Millionen Euro pro Jahr erreichen werden“, dann wird das nach Berners Angaben allenfalls dazu beitragen, den weiteren Anstieg etwas zu verlangsamen.