Das Leitungsteam Beate Häßner-Baumann (links) und Daniela Denneler freut sich, dass der erweiterte Betrieb im Oswaldkindergarten im Januar losgehen konnte. Foto: Marta Popowska

Nach langer Planung und Umbau: Zehn neue Plätze für unter Dreijährige bietet der evangelische Oswaldkindergarten in Weilimdorf an. Die Betreuung für unter Dreijährige bleibt nach wie vor eine Herausforderung für die Stadt.

Weilimdorf - Fröhliche Gesichter gab es bei der Belegschaft des evangelischen Oswaldkindergartens am vergangenen Donnerstag in Weilimdorf. Nach langer Planung, Umbau und anschließender Erziehersuche konnte der erweiterte Betrieb im Januar endlich aufgenommen werden. Zehn neue Plätze für unter Dreijährige stehen zur Verfügung, zur Freude der wartenden Eltern. Blickt man auf die Gesamtsituation in der Stadt, ist dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn selbst wenn neue Kitaplätze geschaffen wurden, fehlt oft noch lange das entsprechende Personal.

„Der Umbau wurde bereits in den vergangenen Sommerferien gemacht. Wir wollten eigentlich schon im Herbst starten“, sagt die Leiterin Beate Häßner-Baumann. Doch es fehlte die Fachkraft. Da half es auch nicht, dass der Umbau abgenommen wurde, eine Betriebserlaubnis gibt es erst, wenn auch das Personal da ist. Eines von vielen Dilemmas. Das weiß auch Heinrich Korn. Der stellvertretende Leiter des Jugendamts sagt, dass in Stuttgart aktuell die Versorgungsquote für unter Dreijährige 44,9 Prozent betrage. „Damit fehlen 2588 Plätze“, verdeutlicht er und fügt hinzu: „Wenn wir alle Maßnahmen, die wir in der Röhre haben, umsetzen könnten, würden nur 824 Plätze fehlen.“

So verhindere der Platzmangel in dicht bebauten Stadtteilen, das so viel gebaut würde, wie nötig, um den Rechtsanspruch der Eltern gerecht zu werden. „Und selbst wenn alles gebaut würde, fehlen Erzieher“, betont Korn. Die kommen nicht ausreichend, obwohl die Stadt 100 Euro über dem Tarif bezahle. Den städtischen Trägern fehlen bis zu 350 Angestellte, das federt man auch nicht mit den aus dem Ausland angeworbenen Fachkräfte ab. Zumal viele in Stuttgart keine Wohnung fänden. Für Korn eine Katze-beißt-sich-in-den-Schwanz-Situation.

Umbau im laufenden Betrieb

Und so wundert es auch nicht, dass Eltern vor dem Computer lauern, sobald sich auf dem Kitamarkt was tut. „Schon in der ersten Woche, als die Plätze über das städtische Portal freigeschaltet wurden, kamen 15 neue Bedarfsmeldungen“, sagt die Erzieherin Daniela Denneler. Sie und ihre Kolleginnen im Oswaldkindergarten bekämen hautnah mit, wie sehr die Eltern unter Stress stünden. Denn so erfreulich die hohe Beschäftigungsquote in Stuttgart auch ist, so bringt sie mit sich, dass vor allem Frauen deutlich früher wieder in den Job zurück müssen oder wollen. Die könnten laut Denneler oft nicht noch ein halbes Jahr ausharren und dann auch noch die Eingewöhnung des Kindes abwarten.

So hat der Umbau im Ostwaldkindergarten, den etwas mehr als 50 Kinder besuchen, auch im laufenden Betrieb stattgefunden. Laut der Leiterin Beate Häßner-Baumann wäre eine Schließung nicht denkbar gewesen. Daher habe es auch einen langen Vorlauf gegeben. Zwar ist die Einrichtung gerade einmal zehn Jahre alt, doch galt es nicht nur zwei Räume für die unter Dreijährigen neu einzurichten. Einige musste man am gesamten Haus umbauen, wie etwa die Sicherheitsabstände der Geländer verringern und Türen mit Fingerschutz versehen. Alles in allem lagen die Kosten bei rund 70 000 Euro.

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