Hier setzen die Architekten auf nachhaltige Rohstoffe wie Holz. Foto: Ruoff Architekten

Der Wurzelkindergarten wird erweitert und soll künftig doppelt so vielen Kindern einen Betreuungsplatz bieten. Und die Stadt sieht weiteren Entwicklungsbedarf, nicht nur in Sachen Neubauten, sondern auch bei der Gewinnung von Fachpersonal.

Bis jetzt konnten im Wurzelkindergarten 40 Kinder zwischen drei und sechs Jahren betreut werden. In Zukunft soll es 80 Plätze geben, darunter auch welche für Kinder unter drei Jahren. Zusätzlich zu den Gruppenräumen ist unter anderem ein Bewegungsraum geplant. Von einer Erweiterung könne man bei dem Vorhaben fast nicht mehr sprechen, sagt Steinenbronns Bürgermeister Ronny Habakuk. „Von der Größenordnung hat das schon die Dimension eines Kinderhauses.“ Der Neubau, der die Gemeinde geschätzt 2,4 Millionen Euro kosten wird, werde fast dreimal so groß. Das gehe auch nur, weil das Gelände an der Goldäckerstraße viel Freifläche drumherum habe. Der bestehende Gebäudeteil werde zudem energetisch saniert, das Haus bekommt eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach.

 

Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigt

Spatenstich für den Neubau war am Montagabend. Dass dies so schnell möglich war, freut den Bürgermeister. Ende September 2021 hätte der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für die Erweiterung gefasst und die Planungsarbeiten an das Architektenbüro Friedrich Ruoff Architekten BDA in Böblingen vergeben, noch im selben Jahr sei der Bauantrag eingereicht worden. Und nun, kein Jahr nach dem Gemeinderatsbeschluss, also der Spatenstich. „Damit reagieren wir auf die steigende Nachfrage nach Betreuungsplätzen“, sagt Habakuk. Bislang gebe es keine Nachmittagsbetreuung im Wurzelkindergarten, das soll sich mit dem Ausbau ändern. „Gerade für Eltern, die voll erwerbstätig sind, ist das ein wichtiges Angebot.“

Der Bau von Kindergärten sei eine Pflichtaufgabe der Kommunen, sagt Habakuk. „Der Bedarf wächst stetig.“ In den kommenden Jahren werden in Steinenbronn neue Wohngebiete realisiert, Habakuk spricht von bis zu 120 Wohneinheiten. Und kommen junge Familien, brauchen diese wiederum Betreuungsplätze für ihre Kinder. Deswegen ist es mit der Vergrößerung des Wurzelkindergartens auch nicht getan. Allerdings sollen die anderen drei gemeindeeigenen und der kirchliche Kindergarten nicht erweitert werden, sondern lediglich saniert. Es könnten aber auf Gemeindeflächen neue Kindergärten entstehen. „Wir wollen zeitnah in die Planung für weitere Einrichtungen gehen“, sagt der Bürgermeister.

Allerdings ist es nur mit Räumen nicht getan, das weiß auch Habakuk. Wie andere Kommunen auch sei es in Steinenbronn eine Herausforderung, Fach- und Nachwuchskräfte zu finden und zu halten. „Wir haben zurzeit eine Vakanz von ein bis zwei Stellen pro Kindergarten.“ Noch schaffe die Kommune es, die Lücken zu kompensieren, mit Umverteilungen von Personal oder dem Einsatz von Zeitarbeitskräften. „Wir sind aber an der Grenze. Große Abgänge können wir uns nicht leisten“, sagt Habakuk. Die Gemeinde versuche Mittel und Wege zu finden, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Ein Neubau wie am Wurzelkindergarten könne da schon ein gutes Argument sein, sagt Habaku. Finanziell habe sich in den vergangenen Jahren bereits einiges getan, um den Job zum Beispiel eines Erziehers attraktiver zu machen. „Es geht jetzt darum, das intensiv weiterzutreiben.“

Andere Projekte bleiben erst einmal liegen

Nicht nur Kindergärten hat der Bürgermeister auf seiner Agenda. Es stehen weitere Projekte an, unter anderem Sanierungen wie die der maroden Straße Sonnenhalde, aber auch Neubauten zum Beispiel für die Feuerwehr. Die Auftragsbücher seien voll, sagt Habakuk. Die finanziellen Mittel für alles, was ansteht, hat Steinenbronn aber nicht. Wird ein Projekt angegangen, muss ein anderes erst einmal warten. Zunächst einmal sei nun die Kinderbetreuung dringlich, auch das Thema Unterbringung von Geflüchteten beschäftigt den Bürgermeister aktuell. Der Feuerwehr-Neubau musste deswegen „leider zurückgestellt werden“, sagt Habakuk, „aber ich mache mir auch da schon viele Gedanken darüber“. Er hoffe, im kommenden Jahr etwas Konkretes zu diesem Thema sagen zu können.