Die Stadtdekane Christian Hermes (li.) und Sören Schwesig Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Kirchen prangern ein Problem bei der Bekämpfung des Kita-Fachkräftemangels an: Teilnehmer praxisintegrierter Ausbildung werden auf Stellenschlüssel angerechnet.

Stuttgart - Mit Spannung war auf der Sitzung des evangelischen Kirchenkreisausschusses im Hospitalhof der Bericht von Kirchenpfleger Hermann Beck zum Thema Fachkräftemangels in den Kindertageseinrichtungen erwartet worden. Zu der Finanzierungspraxis, die im städtischen Doppelhaushalt 2018/2019 festgelegt ist, hatten sich bereits der katholische Stadtdekan Christian Hermes und sein evangelischer Kollege Søren Schwesig in einem Brief an Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) kritisch geäußert. Nun legte Beck mit Fakten hinsichtlich des Fachkräftemangels nach. Der Kirchenpfleger forderte eine Verbesserung der Finanzierung der praxisintegrierten Ausbildung (PiA).

3000 Kinder stehen auf der Warteliste

Zum Hintergrund: In Stuttgart ist der Fachkräftemangel nach wie vor hoch. Trotz einer höheren Ausbildungsquote können nicht alle offenen Stellen qualifiziert besetzt werden. Das bedeutet: Rund 520 vorhandene Plätze können nicht belegt werden. Mehr als 3000 Kinder stehen auf der Warteliste. „Um die offenen Stellen mit genügend qualifizierten Fachkräften besetzen zu können, sind kurz- und mittelfristige Maßnahmen möglich und nötig“, sagte Beck im Hospitalhof, „es könnten in Stuttgart deutlich mehr Ausbildungsstellen angeboten werden, wenn die Bedingungen dafür geschaffen werden würden.“ Diese Rückmeldung habe er auch der von dem Leitungspersonal der 120 Kitas mit mehr als 5000 Plätzen in Stuttgart bekommen. „Voraussetzung dafür sind jedoch, konzertierte Aktionen aller Träger in Stuttgart. Es macht keinen Sinn, dass der eine Träger in Stuttgart dem anderen Träger Fachkräfte abwirbt“, betonte Beck.

Auch die praxisintegrierte Ausbildungsform PiA sehen die Kita-Leiterinnen als einen Schritt in die richtige Richtung. Das Problem sei aber die bestehende Förderrichtlinie der Stadt, bei der die PiA mit 0,25 Stellenanteilen auf die Einrichtung angerechnet wird. Das führe laut Beck dazu, dass beispielsweise in einer zweigruppigen Einrichtung eine der vier Fachkräfte nur zu 80 Prozent angestellt werden kann, da die PiA einen Teil des zur Verfügung stehenden Stellenschlüssels beansprucht. „Das ist für eine qualifizierten pädagogischen Alltag nur schwer umsetzbar“, sagt Hermann Beck und ergänzt: „Wenn die PiAs unabhängig vom Fachpersonalschlüssel der Einrichtungen bezuschusst werden und nicht auf den Stellenschlüssel der Einrichtung angerechnet werden würden, könnten deutlich mehr Fachkräfte ausgebildet werden.“

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