Allein der große Firmenname reicht heutzutage nicht mehr aus, gutes Personal an sich zu binden. Porsche setzt auf Zusatzleistungen, die über finanzielle Anreize hinausgehen.
Tesla hat ein Problem. Unter Hochdruck sucht der E-Auto-Hersteller Personal für seine „Gigafactory Berlin Brandenburg“. Branchenberichten zufolge sind an der Produktionsstätte in Grünheide derzeit von 12 000 Stellen quer durch alle Bereiche 2000 nicht besetzt. Obwohl die zuständige Agentur für Arbeit in Frankfurt (Oder) seit der Fabrikeröffnung vor gut einem Jahr dem US-Unternehmen bereits Arbeitssuchende im großen Stil vermittelt hat, fehlt es an Fachkräften. Offenbar auch, weil Mitarbeiter häufig schon nach kurzer Zeit Tesla den Rücken kehren. Was so gar nicht zum Selbstverständnis von Firmengründer Elon Musk passt. Sieht er es doch als Auszeichnung an, Teil seines Projekts sein zu dürfen. Im Gegenzug wird erwartet, sich aufopferungsvoll in den Dienst seiner Sache zu stellen, Überstunden inklusive.
Der Fall Tesla macht deutlich – die Strahlkraft eines großen Namens allein reicht nicht mehr, um Mitarbeiter an sich zu binden – jedenfalls nicht in Deutschland. In Zeiten des Fachkräftemangels können sich gut ausgebildete junge Leute ihren Arbeitgeber teilweise ganz genau aussuchen. Was viele Unternehmen in einen Wettstreit um die besten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen treten lässt. Deshalb gilt es die eigene Attraktivität zu steigern. Eine immer größere Bedeutung bekommen in diesem Zusammenhang die Zusatzleistungen für Angestellte, wie sie beispielsweise auch der Autobauer Porsche „mit Überzeugung“ anbietet.
Wie ernst in Stuttgart-Zuffenhausen das Thema „Benefits“ genommen wird, zeigt sich allein schon daran, dass es in neun Bereiche aufgeteilt ist: Vergütung, Altersversorgung, Mitarbeiterverpflegung, Mobilität, Gesundheitsförderung, Beruf und Familie, Arbeitszeitmodelle, Vergünstigungen, Kauf- und Leasingprogramme.
Angebote für verschiedene Lebensphasen
Konnte Porsche beim Personal früher allein mit Bonuszahlungen (9050 Euro für 2022) und finanziellen Vergünstigungen im nahe liegenden Spektrum rund ums Auto entscheidend punkten, rücken heute immer stärker auch andere Entgegenkommen in den Fokus. „Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Porsche zu gewinnen und auch langfristig zu binden, bedarf es heute mehr als frische Butterbrezeln im Büro. Neben einem großartigen Team und spannenden Aufgaben bieten wir eine Vielzahl an Benefits – für unterschiedliche Lebensphasen und Bedürfnisse“, sagt Andreas Haffner, Vorstand Personal- und Sozialwesen bei der Porsche AG. Dazu gehört etwa, dass vom Unternehmen sowohl der Platz in der Kita als auch die Unterbringung von pflegebedürftigen Angehörigen organisiert wird.
Für über die Hälfte aller Angestellten spielen flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Job und Familie mittlerweile fast schon die wichtigsten Punkte bei der Bewertung des Arbeitgebers. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Creditplus Bank in Auftrag gegebene aktuelle Umfrage. Diesem Wunsch entspricht Porsche etwa mit dem Angebot, im Tandem eine Führungsposition in Teilzeit zu übernehmen. „Jobsharing bringt Karriere und Familie in Einklang“, sagt die für das Thema zuständige Porsche-Sprecherin Lena Rachor.
Das Betriebsklima und seine große Bedeutung
Über allem steht für die Mitarbeiter aber das Betriebsklima, wie alle Studien zur Arbeitsplatzzufriedenheit einheitlich belegen. Darauf zielt Porsche unter anderem mit einem Mentorenprogramm ab, das sich an neue Mitarbeiter richtet. Diese bekommen auf Wunsch zehn Monate lang eine erfahrene Führungskraft zur Seite gestellt, die dem Neuling den Einstieg erleichtern sowie die Entwicklung einer Nachwuchskraft unterstützen soll. „Davon profitieren aber beide Seiten“, sagt Lena Rachor, „die Mentoren führen immer wieder an, das dieser Perspektivwechsel für sie sehr hilfreich sei.“ Im letzten Jahr zählte Porsche 240 dieser besonderen Zweierteams.
Gerade bei den unter 40-Jährigen ist ein klare Tendenz abzulesen. Sie definieren sich nicht mehr in einem solchen Maß über ihren Job wie die Generationen zuvor. Die Selbstverwirklichung findet für sie vor allem nach Feierabend statt. In einer veränderten Arbeitswelt bleibt dagegen der Wunsch nach Wertschätzung unverändert groß. Den zeigt der Arbeitgeber heute auch mit Hilfe von Zusatzleistungen. Diese Benefits würden nach einer von Hewlett Packard in Auftrag gegebenen Studie 69 Prozent der Befragten auf der Suche nach einer neuen Anstellung „stark berücksichtigen“. Dabei geht es gar nicht allein um den persönlichen Vorteil, wie Lena Rachor festgestellt hat. „Auffallend häufig wird bei uns ein Portal genutzt, das Kolleginnen und Kollegen schnell und unbürokratisch darüber informiert, wie und wo sie sich in einem Ehrenamt sozial engagieren können.“
Das Unternehmen
Geschichte
Die Dr. Ing. h. c. F. Porsche Aktiengesellschaft ist aus einem 1931 von Ferdinand Porsche gegründeten Konstruktionsbüro in der Kronenstraße in Stuttgart-Mitte entstanden. 1945 wurde daraus eine Automobilfabrik, die sich auf den Bau von Sportwagen spezialisierte.
Gegenwart
Heute zählt das Unternehmen rund 37 000 Mitarbeiter und neben dem Stammsitz in Zuffenhausen fünf weitere Standorte: Weissach (Entwicklung), Ludwigsburg (Internationales Geschäft), Leipzig (Produktion), Sachsenheim (Ersatzteillogistik), Bietigheim-Bissingen (Finanzdienstleistungen). Der Umsatz 2022 betrug 37,6 Milliarden Euro. Vorstandschef ist Oliver Blume, Wolfgang Porsche steht dem Aufsichtsrat vor. sto