Weil Erzieherinnen Mangelware sind, bekommt nicht jedes Kind einen Platz in der Kita Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

200 Erzieherinnenstellen können aus Personalmangel nicht besetzt werden. Die Mehrheit der Stadträte fordert bessere Bezahlung der Azubis und der Anleiterinnen, um mehr Interessenten nach Stuttgart zu locken.

Stuttgart - Die Politiker wollen den Tarif plus, den finanziellen Anreiz für Erzieherinnen, beibehalten, die Verwaltung hält dagegen. Bevor am kommenden Mittwoch der Verwaltungsausschuss einen Beschluss fassen wird, haben die Fraktionen von Grünen, SPD, FDP und die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus mit einem gemeinsamen Antrag einen Pflock eingerammt: Zusammen bilden sie die Mehrheit im Gremium und werden deshalb die 100-Euro-Zulage „im Jahr 2017 in voller Höhe“ durchsetzen können, und zwar auch für alle neu eingestellten Erzieherinnen in 2017.

„Was wir ab 2018 tun, müssen wir mit der Verwaltung beraten, und das geht nur in den Beratungen zum Doppelhaushalt“, sagt Vittorio Lazaridis (Grüne), auf dessen Initiative der Antrag zustande gekommen ist.

Die CDU-Fraktion hatte Mitte Dezember Ähnliches gefordert, die Stadt hatte die Fortführung des Tarif plus abgelehnt mit dem Argument, dass die Erzieherinnen in den vergangenen Tarifrunden bereits bessergestellt worden seien. Sie will im Verwaltungsausschuss einen eigenen Vorschlag einbringen. Über den Inhalt wollte sich Jugendamtschefin Susanne Heynen am Freitag nicht äußern, weil sich der Vorschlag noch in der Abstimmung befinde.

Probates Mittel gegen Personalmangel

Die Fraktionen hoffen, dass die Zulage Tarif plus mehr Erzieherinnen nach Stuttgart führen könnte, zumal derzeit 200 Stellen nicht besetzt sind. Nachdem die Zulage erstmals bezahlt worden war, hatte sich laut Bürgermeisterin Isabel Fezer die Zahl der Bewerber verdoppelt, die Fluktuation sei deutlich zurückgegangen. Einen ähnlichen Effekt hat die Praxisorientierte Ausbildung der Erzieherinnen (Pia), bei der die Azubis vom ersten Jahr an in Kitas mitarbeiten und eine Ausbildungsvergütung bekommen. 550 Bewerber gab es für die 60 städtischen Pia-Plätze im vergangenen Jahr, zuvor waren es sogar 680. Mehr als 80 Prozent der Absolventen blieben anschließend ihrem Ausbildungsbetrieb treu.

Um den Ausbau der Pia-Stellen zu beschleunigen, fordern die Stadträte fraktionsübergreifend nun eine Prämie in Höhe von monatlich 100 Euro, den die kirchlichen und freien Träger pro Pia-Auszubildende bekommen sollen – vorausgesetzt, sie erhöhen ihr Pia-Platzangebot um mindestens 30 Prozent. „Alle zusammen können wir die Zahl der Pia-Plätze von derzeit 189 in den nächsten drei Jahren möglicherweise um rund 90 erhöhen“, sagt Jörg Schulze-Gronemeyer, der Sprecher der freien Träger. Die beiden großen Amtskirchen wollen rund 14 Plätze mehr anbieten.

Mit der Prämie können die Träger die Freistellungen der Anleiterinnen finanzieren, die zur intensiveren Betreuung und Begleitung der Pias in den Kitas nötig sind. In der theoretischen Ausbildung werde es trotz Stellenausbaus keinen Engpass geben: „Ich habe beim Regierungspräsidium und bei Fachschulen nachgefragt, die haben Kapazität“, sagt Vittorio Lazaridis.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: