Erstmals zeigt das Stuttgarter Jugendamt, in welchen Kitas Ganztagsplätze in Sechs-Stunden-Angebote umgewandelt werden – und wie viele neue Plätze dadurch entstehen.
An den Stuttgarter Kita-Prozess knüpfen sich große Erwartungen: Die Stadt will Plätze für die rund 3000 derzeit unversorgten Kinder zwischen null und sechs Jahren schaffen, und die Betreuungszeiten, die momentan immer wieder verkürzt werden müssen, für Familien verlässlicher machen. Deshalb plant das Jugendamt, in seinen Einrichtungen die Zahl der Ganztagsplätze zu reduzieren und mehr so genannte VÖ-Plätze mit sechs oder sieben Stunden Betreuung zu schaffen.
In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses legte die Verwaltung nun erstmals Zahlen zur Abstimmung vor, die zeigen, wie viele Ganztagsplätze ab 2025 in Angebote mit sechs Stunden Betreuung umgewandelt werden sollen – und wie viele neue Plätze so in einem ersten Schritt entstehen können.
Rund ein Drittel wird in VÖ-Plätze umgewandelt
Insgesamt sind es in den städtischen Kitas rund 1100 bisher als Ganztag geplante Plätze im Krippenbereich (null bis drei Jahre) sowie knapp 2000 Plätze im Kindergartenbereich, die nun teils in Sechs-Stunden-Plätze umgewandelt werden sollen. Im Krippenbereich werden aus knapp einem Drittel VÖ-Plätze, im Kindergartenbereich aus 40 Prozent.
Sie finden sich in Kitas in Weilimdorf, Stammheim, Feuerbach, Zuffenhausen, Hedelfingen, Sillenbuch, West, Botnang, Nord, Vaihingen, Ost, Münster, Mühlhausen, Bad Cannstatt. Angeboten werden die kürzeren Betreuungszeiten in so genannten Mischgruppen, in die Kinder mit Ganztags- und VÖ-Plätzen gemeinsam gehen. Die Stadt erhofft sich von der Umstellung auch eine Entspannung der Personalsituation: In Gruppen mit kürzeren Betreuungszeiten könnten mehr Teilzeitkräfte eingesetzt werden, nachmittags Gruppen zusammengelegt und für die Fachkräfte ein verlässlicherer Dienstplan gestaltet werden, in dem auch Zeit für Vor- und Nachbereitung bleibe.
Weil sich teilweise auch freie Träger diesem Prozess angeschlossen haben – und in ihren Einrichtungen Betreuungszeiten verändern –, sollen so unterm Strich 92 neue Plätze für Kinder bis drei Jahre und 288 Plätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren in Stuttgart geschaffen werden. Weitere sollen in den kommenden Jahren folgen. Zur Einordnung: Derzeit weist die Statistik knapp 8800 Plätze für Kinder bis drei Jahre und rund 19 100 Plätze für ältere Kinder aus.
In ihren Statements unterstützten die Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Fraktionen im Ausschuss diese Planungen der Stadt und stimmten einstimmig zu. Das sei der „richtige Schritt“, sagte etwa Isabelle-Florentine Weichselgartner (CDU) und Fabian Reger (Grüne) freute sich über die neuen Kapazitäten. Allerdings wünscht er sich – wie auch Cornelius Hummel (FDP) – einen Bericht des Jugendamtes, ob durch die Angebotsveränderungen das Ziel erreicht wird, die Betreuungszeiten stabiler und damit verlässlicher zu gestalten. Die Frage könne sie erst in etwa einem Jahre beantworten, meinte Jugendamtsleiterin Katrin Schulze, wenn sich das VÖ-Angebot etabliert habe.
Eltern sagen: „Bitte bleibt beim Ganztag!“
Einige Räte – etwa Manja Reinholdt (Linke) – machten deutlich, dass das Ganztagsangebot kein Auslaufmodell werden dürfe, weil es viele Familien dringend bräuchten. Ob die Angebotsveränderungen generell mit den Bedürfnissen der Eltern übereinstimmten, stellte Klaus Käpplinger, der für die Evangelische Gesellschaft (Eva) im Ausschuss spricht, zur Diskussion. „Bei uns rufen Eltern an und sagen: ,Bitte bleibt in euren Kitas beim Ganztag!’“, erzählte der Eva-Vorstand. Wie groß der Bedarf an Ganztagsplätzen ist, und inwieweit dieser gedeckt werden kann – dazu erhoffe sich das Jugendamt mehr Informationen durch das neue Elternkonto, sagte Katrin Schulze. Dort können Eltern seit Sommer 2024 digital ihren Platzbedarf anmelden.
Dass der Bedarf an Plätzen in der Stadt nach wie vor hoch ist, verdeutlichte die Diskussion um die Ausbau-Statistik, die die Verwaltung ebenfalls im Ausschuss präsentierte. Rein rechnerisch sieht es zwar gut aus – so stehen für fast 100 Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren und bald 60 Prozent aller Null- bis Dreijährigen Plätze zur Verfügung –, allerdings können viele der Angebote nicht belegt werden, weil das Personal in den Einrichtungen fehlt. Rund 2900 der Plätze bestehen deshalb bislang nur auf dem Papier.