Die Kinder, die derzeit noch die Kita an der Körschstraße besuchen, werden demnächst ihre Rucksäcke packen, um an die Osumstraße umzuziehen. Foto: dpa

Unglaublich, aber wahr: Das Jugendamt Stuttgart hat Eltern geschrieben, dass der Körschkindergarten in Stuttgart-Plieningen zum 1. April dichtgemacht wird. Grund sei der Personalnotstand. Die Empörung im Stadtbezirk ist entsprechend.

Plieningen - Wütend, sprachlos, total durch den Wind, so beschreibt die Mutter Christina Heinkel die Stimmung unter der Elternschaft, nachdem die Stadt jüngst diese Post verschickt hat. Das Schreiben des Jugendamts kündigt an, was bisher nur als Gerücht an der Kita kursierte: Die Kinder, die im Moment den Körschkindergarten besuchen, werden vom 1. April an in der Kindertagesstätte an der Osumstraße betreut, heißt es in dem Schreiben des Jugendamts. „Ihre Kinder finden dort alles vor, was für eine gute pädagogische Betreuung Grundlage ist“, steht dort weiter.

Die Elternvertreterin Christina Heinkel sieht das ganz anders als die Stadt. Die Kinder hätten sich trotz Personalmangels im Körschkindergarten sehr wohlgefühlt. Das liege vor allem an den Springerkräften, die im Moment die Lücken an der Kita füllen. „Die machen einen tollen Job. Aber vom 1. April an werden sie nicht mehr für die Kinder da sein. Unsere Kinder werden aus allem herausgerissen wie Tiere, die einfach so auf eine neue Weide getrieben werden“, meint die empörte Mutter.

Erzieher fehlen in der Kita in Stuttgart-Plieningen

Hintergrund der Entscheidung der Stadt ist die Personalsituation der Plieninger Kindertagesstätte. Zwei Erzieherinnen fehlen seit geraumer Zeit und werden durch die beiden Springerkräfte ersetzt. Außerdem ist auch die Leiterin seit geraumer Zeit wegen Krankheit nicht im Dienst.

Die Eltern fürchten bereits seit einer Weile, dass die Schließung der Kita bevorsteht. Bereits 2016 seien aufgrund des fehlenden Personals keine neuen Kinder am Körschkindergarten aufgenommen worden, sagt Heinkel. 44 Plätze seien deshalb im Moment an der Kita vakant, fügt Heinkel hinzu. In Gesprächen mit der Stadt sei von der Seite der Eltern dafür geworben worden, die Springerkräfte dauerhaft an der Kita zu belassen. Dazu seien die beiden Erzieherinnen auch bereit gewesen, sagt Heinkel. „Uns wurde gesagt, dass die Springerkräfte, die im Moment aushelfen, nicht dauerhaft bleiben könnten. Dabei kann doch in einem normalen Betrieb jeder, der kein Springer mehr sein will, in eine feste Position wechseln“, meint sie.

Die Zukunft von zwölf Kindern ist ungewiss

Die Unterbringung an der Osumstraße ist dem Schreiben des Jugendamts zufolge bis Ende August anberaumt. Danach würden von den 17 Kindern an der Kita fünf eingeschult, sagt Heinkel. „Was aus den übrigen zwölf Kindern wird, wissen wir derzeit nicht“, sagt sie. Die Eltern könnten sich auch darauf einstellen, ihre Kinder mit dem Bus oder Auto in die vom Körschkindergarten circa drei Kilometer entfernte Kita an der Osumstraße zu bringen. Das Jugendamt spricht in seinem Elternbrief von einem höheren „Organisationsaufwand“, dessen sich die Behörde bewusst sei.

Besonders schwerwiegend für die Eltern sei aber aus Sicht der Elternvertreterin Heinkel, dass die Kitagruppe bereits zum zweiten Mal umziehen muss. 2015 musste die Kindertagesstätte saniert werden, nachdem Schimmelsporen gefunden worden sind. Die Mutter Christina Heinkel kritisiert, dass die Stadt nun ähnlich vorgehe wie damals und die besorgten Eltern nur scheibchenweise informiere.

Für kommenden Mittwoch, 1. März, ist eine Informationsveranstaltung an der Kita geplant. „Jetzt hat es uns also doch erwischt“, sagt die stellvertretende Bezirksvorsteherin Stephanie Reinhold. Sie vertritt derzeit Andrea Lindel, die im Urlaub ist. Reinhold hat ein Gespräch mit dem Jugendamt geführt, nachdem Eltern sie über das Schreiben des Jugendamts informiert haben. Das Jugendamt habe ihr dabei versichert, dass geprüft werden soll, wie neue Erzieher für die Plieninger Kita gewonnen werden können. „Sie wollen noch einmal an der Personaltrommel rühren.“ Sollte dies von Erfolg gekrönt sein, könnte die Schließung der Kita nur vorübergehend sein, meint Reinhold.

Lokalpolitiker sind solidarisch mit den Eltern

Der CDU-Bezirksbeirat Michael Wörner von der CDU hatte als Reaktion auf die Besorgnis der Eltern den Betreuungsstadtrat seiner Fraktion Carl-Christian Vetter gebeten, sich bei Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer nach dem Stand der Dinge zu informieren. Am selben Tag, an dem das Jugendamt Post an die Plieninger Eltern verschickte, erhielt Wörner von Vetter die Auskunft, dass das Jugendamt eine Elternversammlung anberaume. „Von einer Schließung hat aber niemand zu ihm gesprochen. Das ist schon lustig, dass am selben Tag solche Briefe verschickt werden“, sagt Wörner. Der CDU-Bezirksbeirat verspricht den Eltern genau wie Walter Schnee von den Grünen nun Solidarität. „Es ist keine Frage, dass der Bezirksbeirat hinter den Eltern steht“, meint Michael Wörner. Der Grünen-Bezirksbeirat Schnee betont gleichfalls seine Unterstützung. „Wir setzen uns für mehr Kindergartenplätze in Plieningen ein. Natürlich sind wir da gegen weniger Kindergartenplätze im Bezirk“, sagt er.

Schnee spart auch nicht mit Kritik an seiner eigenen Partei. In der ganzen Stadt gebe es Defizite beim Ausbau der Kindergartenplätze. „Das sage ich, obwohl wir Grüne mitregieren“, meint er.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: