Wider den Unkenrufen: Christliche Kultur kommt auch bei Muslimen an Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Eine evangelische Kita im Osten sucht den Dialog zwischen Religionen: Hier singen Muslime, Buddhisten, Hinduisten und Christen gemeinsam traditionelle Weihnachtslieder wie „Kling Glöckchen kling“ und „Lasst uns froh und munter sein“.

Stuttgart - 64 Kinder besuchen den Stöckach-Kindergarten im Stuttgarter Osten. Obwohl die evangelische Kirche der Träger ist, sind dort über 21 Nationalitäten und viele verschiedene Religionen vertreten. Bei nur knapp jedem sechsten Kinder wird an Heilig Abend ein geschmückter Tannenbaum im Wohnzimmer stehen. Sie feiern nicht die Geburt des Jesu-Kindes.

Bei der gemeinsamen Feier am Donnerstagnachmittag spielt das aber keine Rolle. Das Fest wird auch nicht etwa Jahresabschlussfeier, sondern ganz einfach Weihnachtsfeier genannt. Muslime, Buddhisten, Hinduisten und Christen singen gemeinsam traditionelle Weihnachtslieder wie „Kling Glöckchen kling“ und „Lasst uns froh und munter sein“.

Und die Eltern haben ihre Kinder für das Fest extra chic gemacht. Ganz laut und mit großen Augen sagen diese Gedichte auf, die sie zusammen mit Leiterin Petra Wolff in der Adventszeit geübt haben. Auch die Weihnachtsgeschichte wird den Kindern in diesen Wochen erzählt. Dass dieses christliche Fest so stark thematisiert wird, ist für die Eltern kein Problem. Viele von ihnen schicken ihre Kinder mit Absicht in einen evangelischen Kindergarten, da dort eine stärkere Auseinandersetzung mit der Religion stattfindet. „Zur Weihnachtszeit erklären wir den Kindern, wieso die Christen Weihnachten feiern und welche Bräuche dazugehören“, erzählt Wolff. Gemeinsam mit den Müttern wurden Adventskränze und Adventskalender gebastelt. Dabei spielt es für sie keine Rolle, dass sie zu Hause nicht feiern. „Für hier mache ich das gern“, lautet die Antwort vieler Mütter.

Gerade die großen Feste machen eine Annäherung an andere Religionen leicht, „da viele der Werte, wie Familie und Freunde, identisch sind“, sagt Wolff. In seinen Seminaren versucht der Religionspädagoge Hans-Jörg Hinnecke, die Erzieherinnen auf den Umgang mit anderen Religionen zu sensibilisieren. Dabei sei es wichtig, dass die christlichen Traditionen bewusst gelebt werden. „Wenn wir unsere Feste mit Freude begehen, signalisieren wir auch anderen Religionen, dass sie ihre Feiertage feiern können“, sagt er.

Während die Kinder nach dem Adventssingen auf dem Innenhof des Kindergartens umhertoben, stehen die Eltern bei Glühwein, Punsch und Tee zusammen. Das Beisammensein gefällt auch Hülya Dastan-Reeb. „Den Kindern macht es einfach wahnsinnig Spaß. Es ist toll, dass so viele verschiedene Religionen zusammen singen und feiern“, sagt sie. Ihr ist es wichtig, dass ihr Sohn Can die Traditionen kennt und an ihnen teilnimmt.

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