Das Bangen um die Zukunft der Kita an der Körschstraße treibt Plieninger Eltern auf die Barrikaden. Foto: Julia Bosch

Ein Vertreter des Jugendamts hat im Bezirksbeirat zur für den 1. April anberaumten Schließung des Kindergartens an der Körschstraße in Plieningen Stellung genommen. Die Bezirksbeiräte ermöglichten den Eltern, an der Diskussion teilzunehmen. Die hielten sich mit Vorwürfen nicht zurück.

Plieningen - Der vom CDU-Bezirksbeirat Michael Wörner geäußerte Vorwurf der Bürgerunfreundlichkeit setzte die üblichen Regeln bei einer Bezirksbeiratssitzung außer Kraft. Diese sehen eigentlich vor, dass die Bürger in den ersten fünf Minuten der Sitzung ihre Anliegen vortragen können. Danach gehört die Bühne üblicherweise den Bezirksbeiräten. Doch Michael Wörner wollte eine solche Rollenverteilung diesmal nicht akzeptieren.

Auf den Besucherrängen saßen Eltern, die unter anderem damit drohten, ihre Kinder im Bezirksrathaus abzugeben oder im Büro von Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer. Denn vom 1. April an können sie ihren Nachwuchs nicht mehr in den Kindergarten an der Körschstraße bringen. Erst vor wenigen Wochen teilte die Stadt ihnen mit, dass die Kinder von April bis September an der Osumstraße betreut werden sollen, weil die Kita an der Körschtraße geschlossen werde.

Der Vertreter die Stadt wollte die Ängste zerstreuen

Vorne am Tisch hatte Hans-Ulrich Simon, Leiter der Abteilung Kindertagesbetreuung beim Jugendamt, Platz genommen. Er hatte die Aufgabe, die Entscheidung der Stadt zu erklären und wurde so zum Adressat für eine Elternwut, die in den ersten fünf Minuten für die Bürger lediglich ihre Aufwärmphase erlebte. Die Bezirksbeiräte, die im Hufeisen um den Vertreter der Stadt herum platziert waren, sprangen den Eltern mit eigener Kritik bei. Sie setzten per Handzeichen nach dem Vorpreschen Wörners durch, dass die Eltern Simon nach seinem Redebeitrag weiter befragen konnten.

Der Vertreter der Stadt gab sich gleichwohl Mühe, die Ängste der Eltern zu zerstreuen. So versicherte er, dass das Jugendamt alles dafür tun werde, dass der Kindergarten an der Körschstraße von September an wieder eröffnet werden kann. Simon stellte zwar klar, dass Abriss und Neubau des in die Jahre gekommenen Gebäudes unvermeidbar seien. Allerdings könne die Kita im jetzigen Zustand noch eine Weile betrieben werden.

Der Fachkräftemangel ist ein Problem

Ob der Körschkindergarten tatsächlich im September wieder eröffnet, hänge davon ab, ob die Stadt Personal finde, das ihn betreiben kann, stellte der Leiter der Abteilung Kindertagesbetreuung klar. „Wir haben schon zwei Bewerbungen“, meinte er.

Seine Ausführungen über den vom ihm als dramatisch beschriebenen Fachkräftemangel ließen das aber so klingen, als glaube er nicht daran, dass das nötige Personal für die Wiedereröffnung im September wirklich gefunden werden könne. Simon zählte auf, was die Stadt alles tue, um Fachkräfte für Erzieherjobs zu gewinnen. Im Ausland werde geworben oder auch umgeschult. Zudem seien die Gehälter erhöht worden. „2400 Euro sind jetzt kein schlechtes Gehalt“, meinte Simon. Trotzdem bleibe die Lage in Stuttgart extrem angespannt.

Bei einer der Bewerbungen für den Körschkindergarten handele es sich außerdem um eine Springkraft. „Wenn wir die an der Körschstraße belassen, reißen wir woanders wieder eine Lücke“, sagt Simon. Die Schilderungen des Vertreters des Jugendamts konterten die Bezirksbeiräte mit Kritik. „Sie haben zu spät ausgeschrieben. Plieningen ist außerdem attraktiv genug, dass sie nicht sagen können, da kommt keiner her“, sagte Michael Wörner von der CDU. Der SPD-Bezirksbeirat Ulrich Berger wies darauf hin, dass es in der Vergangenheit Gründe gegeben haben muss, warum einige Erzieherinnen im Körschkindergarten das Handtuch geworfen haben. Er spielt dabei auf die von den Eltern vorgebrachte Kritik an der inzwischen erkrankten Leiterin des Körschkindergartens an. „Ich will wissen, was ihre Personalabteilung macht. Die Erzieherinnen sind ja davongelaufen“, sagte Berger. Der Vertreter des Jugendamts bat um Verständnis dafür, dass er sich zu Personalangelegenheiten nicht äußern werde. „Wir finden aber eine Lösung“, versicherte er.

Eine Mutter droht mit Klage

Die Vertreter einigten sich schließlich auf einen gemeinsamen Antrag, der die Rücknahme der Schließung für die Kita fordert. Die Eltern im Podium gaben derweil zu verstehen, dass sie den Druck auf die Stadt aufrechterhalten wollen. Eine Mutter forderte den Vertreter der Stadt auf, einen Lösungsvorschlag zu unterbreiten, sonst werde sie ihren Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz vor Gericht erstreiten.

Hans-Ulrich Simon äußerte Verständnis für die Mutter. Das Problem liege beim Bund, der mit dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz die Verantwortung auf die Kommunen abwälze. „Für eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Kitaplätze zu sorgen, ist eine strukturelle Überforderung“ sagte er. Das Werben um Verständnis schien Simon aber nur persönlichen Kredit einzubringen. „Es ist mutig, dass Sie überhaupt gekommen sind“, sagte eine Mutter.

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