Die Kommunen drehen an der Gebührenschraube, manche sogar sehr stark. Was das für Familien bedeutet.
Bis zu 874 Euro mehr im Jahr zahlt eine vierköpfige Familie nach den jüngsten kommunalen Gebührenerhöhungen in der Region Stuttgart. Städte wie Stuttgart oder Weissach kämpfen mit wegbrechenden Steuereinnahmen und reduzieren Leistungen oder erhöhen Gebühren. Die Folge sind höhere Ausgaben für die Einwohner.
Wir haben für eine vierköpfige Familie errechnet, wie viel mehr sie in Stuttgart und der Region draufzahlen muss. Sie hat ein Kind in der Kita und eines im Kindergarten, dazu einen Hund und verbraucht 150 000 Liter Wasser im Jahr – laut Umwelthilfe der Jahresschnitt. Die Eltern verdienen zusammen dem Landesschnitt entsprechend rund 85 000 Euro brutto im Jahr. Betrachtet werden Gemeinden, die mindestens zwei der Kostenpunkte Kinderbetreuung, Grundsteuer, Müllabfuhr, Wasserversorgung und Hundehaltung erhöht haben.
Stuttgart
In der Landeshauptstadt steigen die Gebühren für Trinkwasser und Abwasser (Schmutzwasser) erhöht. Trinkwasser kostet fünf Cent je Kubikmeter mehr, Abwasser 18 Cent. Inklusive der Grundgebühr fallen damit für Trink- und Abwasser 35,31 Euro mehr an als noch im Jahr zuvor. Und auch die Müllgebühr wird 6,60 Euro im Jahr teurer.
Von September an werden auch Kita und Kindergarten teurer. Für die Vollzeitplätze (40 h Betreuung) fallen inklusive Gebührenerhöhung 2026 insgesamt 5740,29 Euro an – das sind 196,28 Euro mehr als im Vorjahr. Enthalten sind der Zuschlag für Kleinkinder unter drei Jahren sowie die Essenskosten. Weil zwei Kinder betreut werden, erhält die Familie einen Rabatt.
Damit zahlt die vierköpfige Stuttgarter Beispielfamilie in Summe 238,2 Euro mehr als noch 2025. Die folgende Grafik zeigt die einzelnen Posten:
Weil die Familie zusätzlich einen Hund hält, zahlt sie verglichen mit 2025 weitere 36 Euro drauf: Die Steuer für Hunde steigt um von 108 auf 144 Euro. Kampfhunde sind nun sogar vier Mal so teuer. Sie kosten 816 statt 214 Euro im Jahr.
Kreis Böblingen
In Weissach, wo Porsche zuhause ist, wurden die Abfallbeseitigung und die Kinderbetreuung teurer. Eine vierköpfige Familie zahlt künftig laut Auskunft der Abfallwirtschaft 2026 insgesamt 13 Euro mehr für die Müllabfuhr. Die Kinderbetreuung zweier Kinder, eines davon in der Kita, eines im Kindergarten (bis zu 35 Stunden und ohne Verpflegungspauschale, da erst ab höherem Umfang fällig), kostet nach der erneuten Erhöhung vergangenen September dieses Jahr 326 Euro mehr. In Summe zahlt die Weissacher Beispielfamilie dieses Jahr 339 Euro mehr als noch 2025. Auch hier wurde berücksichtigt, dass Familien mit steigender Kinderzahl weniger für die Betreuung des einzelnen Kinds bezahlen.
Noch im November hatte der Weissacher Bürgermeister Jens Millow erklärt, die Gemeinde „wird nicht arm“, auch wenn die von Porsche kommenden Gewerbesteuereinnahmen sinken. Die höheren Betreuungsgebühren begründet er mit gestiegenen Kosten für Personal, Energie und zum Bauen. Sie hätten nichts mit den Gewerbesteuereinnahmen zu tun, sondern dienten einer gerechten Kostenverteilung: Den größten Teil trage die Allgemeinheit, Familien mit geringem Einkommen würden entlastet, wer gut verdiene, stärker. Ob 2026 erneut erhöht wird, sei ungewiss. Der Gemeinderat habe jedoch beschlossen, künftig jährlich zu prüfen, ob eine Anpassung nötig sei – orientiert an den Empfehlungen des Dachverbandes.
In Schönaich stieg neben der Abfallgebühr (13 Euro) die Hundesteuer (von 120 auf 160 Euro). Hier zahlt unsere Beispielfamilie, wenn sie außerdem einen Hund hat, 53 Euro mehr als im Vorjahr.
Rems-Murr-Kreis
Besonders drastisch ist die Teuerung in Fellbach. Dort wurden die Gebühren für die Müllabfuhr sowie die Kinderbetreuung erhöht. Für ihren Abfall zahlt die Beispielfamilie 31 Euro mehr. Ein Kindergartenkind kostet 270 Euro mehr, ein Kitakind 573 Euro mehr. Nur ein Jahr nach der letzten Erhöhung steigen zudem auch die Verpflegungskosten zum September 2026 erneut an. Auch hier wurde in beiden Fällen von einer Betreuungszeit von bis zu 35 Wochenstunden ausgegangen, den Geschwisterrabatt und das Mittagessen miteinberechnet. Somit zahlt die Beispielfamilie im neuen Jahr aufgrund der Gebührenerhöhungen 874 Euro mehr.
Amtsleiter Stephan Gugeller-Schmieg erklärt den Anstieg der Gebühren vor allem mit gestiegenen Personal- und Betriebskosten. Der Gemeinderat beschloss, die Gebühren alle zwei Jahre anzupassen, wenn die Gesamtkosten steigen. „Aufgrund steigender Löhne und Kosten wird eine Anpassung auch in den kommenden Jahren nötig, wenn die Landesförderung nicht steigt.
In Korb steigen die vom Kreis festgelegten Abfallgebühren (wie in Fellbach plus 31 Euro) und der von der Kommune berechnete Trinkwasserpreis (plus 12 Euro). In Summe zahlt die Beispielfamilie in Korb damit 43 Euro mehr als im Vorjahr.
Kreis Ludwigsburg
In Möglingen wurde der Hebesatz der Grundsteuer B für private Wohngrundstücke von 260 auf 295 erhöht. Die durchschnittliche Grundsteuer auf einen Quadratmeter Grund steigt damit auf 1,85 Euro veranschlagt. Lebt die Familie in einem Haus auf einem typischen 500-Quadratmeter-Grundstück, steigt die Steuer dafür um 110 Euro (von 815 auf 925 Euro). Weil die Grundsteuer auf Mieter umgelegt werden kann, trifft die Familie die Erhöhung sehr wahrscheinlich auch, wenn sie nicht Eigentümerin des Gebäudes ist. Neben der Grundsteuer wurde auch Trink- und Abwasser teurer sowie der Familienhund: Fürs Wasser zahlt die Beispielfamilie sechs Euro drauf, fürs Abwasser 43,5 Euro und der Hund wird 30 Euro teurer. In Summe kommen auf die Familie 189,5 Euro mehr zu als noch im Vorjahr.
Hemmingen hat ebenso den Hebesatz der Grundsteuer B für private Wohngrundstücke erhöht, von 187 auf 210. Die durchschnittliche Grundsteuer auf einen Quadratmeter Grund steigt damit auf 1,16 Euro. Für das typischen 500-Quadratmeter-Grundstück steigt die Steuer dafür um 75 Euro (von 580 auf 655 Euro). Auch die Hundesteuer wurde in Hemmingen erhöht, von 100 auf 120 Euro (Kampfhunde: von 120 auf 720 Euro). Unsere Beispielfamilie zahlt somit 95 Euro mehr als im Vorjahr.
Auch in Marbach am Neckar und Steinheim an der Murr haben die Gemeinderäte für eine höhere Grundsteuer gestimmt. In Marbach werden für 500 Quadratmeter 65 Euro mehr jährlich fällig (von 675 Euro auf 740 Euro), in Steinheim sind es 55 Euro mehr (von 510 Euro auf 565 Euro).
In Marbach stiegen zudem die Preise für Trink- und Abwasser, was für die Beispielfamilie 21 Euro (Trinkwasser) beziehungsweise 61,50 Euro (Schmutzwasser) Mehrkosten bedeutet. Alles zusammengerechnet kostet das Leben in Marbach nun 147,50 Euro mehr.
In Steinheim ist zudem die Hundehaltung 2026 teurer als im Vorjahr (132 statt 120 Euro, Kampfhunde: 900 statt 150 Euro). Lebt die Familie in Steinheim, ist das Leben für sie dieses Jahr also 67 Euro teurer.
Kreis Esslingen
Auch in Esslingen hat der Gemeinderat beschlossen, den Hebesatz für Grundsteuer B anzuheben. Statt bislang 245 Prozent werden nun 280 Prozent eingezogen – was für ein 500-Quadratmeter-Grundstück durchschnittlich 125 Euro ausmacht. Zudem ist das Abwasser 30 Euro teurer geworden. So zahlt die vierköpfige Beispielfamilie 2026 insgesamt 155 Euro mehr als 2025.
In Filderstadt werden fürs Schmutzwasser jährlich 62 Euro mehr (von 361 Euro auf 423 Euro) fällig, Hunde kosten 144 statt 120 Euro (Kampfhunde kosten weiterhin 780 Euro). Die Mehrkosten für unsere Beispielfamilie: 86 Euro.
Und Entlastung ist vorerst nicht in Sicht. Viele Kommunen bereiten bereits für 2027 weitere Gebührenerhöhungen vor oder haben sie bereits beschlossen – darunter die Kita- und Kindergartengebühren in Stuttgart, die Grundsteuer in Steinheim. Angesichts der angespannten Haushaltslage und weiter schwacher Einnahmen dürfte der finanzielle Druck auf Familien damit anhalten.
Anmerkung: In einer früheren Version fehlte der Zusatz, dass sich die Mehrbelastung durch die Kita- und Kindergartengebühren auch in Fellbach auf eine Betreuungszeit von bis zu 35 Stunden beziehen und das Mittagessen sowie der Geschwisterrabatt hierbei einberechnet wurde. Außerdem wurde hinzugefügt, dass bei den Betreuungsgebühren vom baden-württembergischen Landesschnitt in Höhe von rund 85 000 Euro brutto jährlich ausgegangen wurde.
Berechnung der Teuerungen
Aspekte
Bei der Auswahl der berücksichtigten Gebührenerhöhungen haben wir uns an unserer Berichterstattung sowie den Gebührenverzeichnissen von Städten und Gemeinden orientiert. Unsere Auflistung muss dabei keine vollständige Sammlung höherer Gebühren sein, sondern ist vielmehr eine Auswahl – zumal wir uns auf Kommunen fokussiert haben, in denen mehrere Gebühren in 2026 teurer wurden.
Grundsteuer
Wie wir berechnet haben, wie viel der Quadratmeter Grundsteuer kostet, haben wir in einem im Text verlinkten Artikel erklärt. Um die Teuerungen für diesen Beitrag vergleichen zu können, sind wir von einer durchschnittlichen Grundstücksfläche von 500 Quadratmetern ausgegangen und haben diese mit der Grundsteuer multipliziert.