Die Bonifatius-Kirche an der Zuckerbergstraße wird mittlerweile von der Assyrischen Gemeinde genutzt. Foto: Julia Bayer

Serie Himmelwärts: Der Turm der 1935 erbauten Sankt-Bonifatius-Kirche hat im Zweiten Weltkrieg den Bomben weitgehend standgehalten, während das Kirchenschiff gänzlich zerstört wurde.

Bad Cannstatt - Am Fuß des Turms der Sankt-Bonifatius-Kirche hat Herbert Singer als Junge über dem Boden geschwebt. Jedoch nicht, weil sich in Steinhaldenfeld einst ein waschechtes Wunder zugetragen hat. Als Ministrant läutete Herbert Singer, der bis vor Kurzem 40 Jahre lang im Kirchengemeinderat von Sankt Bonifatius saß, die Glocken noch von Hand. Wenn die Buben die Glocken nach dem Läuten abbremsten, hängten sie sich immer mit vollem Gewicht ans Seil und ließen sich in die Höhe ziehen. Es erwuchs ein richtiger Wettbewerb daraus, wer es am höchsten schaffte, erzählt Singer.

Außer dem Schabernack der Ministranten gibt es noch viel mehr Geschichten über den Turm, der 1935 mit der Kirche errichtet wurde, als immer mehr Menschen nach Steinhaldenfeld zogen. Nur wenige Jahre nach der Fertigstellung trafen die Bomben des Zweiten Weltkriegs die Sankt-Bonifatius-Kirche. Wie durch ein Wunder überstand der Turm den Fliegerangriff im April 1943 beinahe unbeschadet, während das Kirchenschiff fast komplett einstürzte. Lediglich die Glocken fielen hinab, 1955 wurden zwei neue eingebaut. Vor wenigen Jahren hat Sankt Bonifatius seine Gemeindearbeit komplett in die Sankt-Thomas-Kirche an der Falchstraße verlegt. Seit 2014 nutzt die Assyrische Gemeinde das Gotteshaus an der Zuckerbergstraße. Die Glocken aber läuten noch immer – und erinnern Herbert Singer an seine Zeit als Ministrant.

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