Das Labor ist vor drei Jahren auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden. Foto: Britt Moulien

Vor zehn Jahren ist an der Klinik Kirchheim ein Herzkathederlabor eingerichtet worden. Seither hat das Team um Chefarzt Martin Beyer rund 15 000 Patienten behandelt.

Kirchheim - Im Herzkathederlabor der Klinik Kirchheim werden pro Jahr 1700 Patienten behandelt – rund 40 Prozent von ihnen wegen eines akuten Herzinfarkts. Als Erfolgsgeschichte bezeichnet denn auch Norbert Nadler, der Leiter des Klinikums Kirchheim-Nürtingen, die vor zehn Jahren installierte Einrichtung.

Wenn irgendwo mitten in der Nacht zwischen Neidlingen unterm Reußenstein, Erkenbrechtsweiler auf der Alb oder Wolfschlugen auf den Fildern die herbei gerufenen Rettungsassistenten einen Patienten mit entsprechenden Symptomen auf die Trage betten, klingelt schon das Telefon bei Chefarzt Martin Beyer oder seinen diensthabenden Kollegen. „Häufig sind wir schon vor dem Patienten im Krankenhaus und können den Eingriff vorbereiten“, sagt der Privatdozent, der die Klinik für Innere Medizin, Herz-und Kreislauferkrankungen nun ebenfalls seit zehn Jahren leitet.

Rund um die Uhr einsatzbereit

Dank der 24-Stunde-Rufbereitschaft können die Herzspezialisten in Kirchheim – neben Martin Beyer und dem Leitenden Oberarzt Torsten Beck gehören zwei weitere Oberärzte dem Team an – rund um die Uhr Katheder legen, um Verengungen von Herzkranzgefäßen aufzuspüren, sie bei Bedarf aufzuweiten oder die schon verkalkten Pfropfen heraus zu fräsen. Wird der Herzmuskel nicht mehr versorgt, sterben die nicht mehr durchbluteten Bereiche ab. Schnelligkeit, so Beyer, kann Leben retten. Trotz des relativ großen Einzugsgebiets des Herzkathederlabors – Patienten werden aus dem gesamten Altkreis Nürtingen nach Kirchheim gefahren – sorgt die funktionierende Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten für kurze Reaktionszeiten. „Das Hauptproblem bei Verzögerungen ist der Patient, der keine Hilfe ruft“, sagt Beyer.

Vor zehn Jahren, so erinnert sich Klinikchef Nadler, habe er ordentlich schlucken müssen, als der aus Tübingen verpflichtete Beyer die Forderung aufgestellt habe, „wenn schon Herzkathederlabor, dann richtig“. Richtig, das hat in diesem Fall geheißen: Zu der einen Million Euro für das Gerät und den Operationssaal musste Nadler noch einmal ordentlich Geld in die Hand nehmen, um die personelle Ausstattung sicherzustellen. „Ein Herzkathederlabor macht nur Sinn, wenn es rund um die Uhr arbeitet“, sagt Beyer. Um das in der Anfangszeit zu gewährleisten, hätten er und ein Kollege sich im Schichtbetrieb abgewechselt.

Über das Handgelenk zum Herzen

Seitdem hat sich nicht nur die personelle Ausstattung verbessert. Musste früher der Katheder über die Leiste in Richtung Herzen eingeführt werden, dient inzwischen die Handgelenksarterie als Eingangspforte – die Miniaturisierung macht’s möglich. „Am Arm lässt sich die Blutung danach schneller stoppen. Der Patient kann eigentlich gleich wieder nach Hause gehen“, sagt Beyer. Nicht immer muss ein Katheder eingeführt und das entsprechende jodhaltige Kontrastmittel eingebracht werden. „Wir arbeiten auch mit einem eineinhalb Millimeter großen Ultraschallkopf, der den Zustand der Gefäßwände deutlich darzustellen vermag“, sagt Torsten Beck. Mit einem Diamantbohrkopf gleichen Ausmaßes lassen sich die Ablagerungen anschließend treffsicher herausfräsen. Im Jahr 2015 ist das Labor noch einmal grundlegend erneuert worden. Seitdem liefert das Gerät noch detailgenauere Bilder, bei einer um 70 Prozent reduzierten Strahlenbelastung.

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