Vor allem im Winter sind Hallenbäder bei Schwimmvereinen und Schulen hoch im Kurs. Foto: dpa/Sina Schuldt

Die Stadt Kirchheim will ihr künftiges Hallenbad zusammen mit sieben Nachbargemeinden betreiben. Der Zusammenschluss könnte ein Modell für andere Gemeinden werden. Die Nachfrage wäre da.

In Plochingen ist das Thema Hallenbad seit kurzem wieder in der Diskussion. In Kirchheim wurde der Grundsatzbeschluss für den Neubau eines städtischen Bades schon im Jahr 2012 gefasst – spätestens 2030 soll es öffnen. Angestrebt wird ein „interkommunales Hallenbad“, ein Konstrukt, mit dem die Stadt und sieben Nachbargemeinden zumindest in der Region Stuttgart neue Wege gehen. Schon jetzt beteiligt sich Kirchheim am Dettinger Aquafit, was man als eine Art Vorstufe zur größeren Zusammenarbeit sehen kann.

 

Ein Freibad gibt es zwar bereits in Kirchheim, aber ein Hallenbad schon seit 2011 nicht mehr. Damals hatte das städtische Bad ähnlich wie das Plochinger einen großen Sanierungsbedarf und wurde geschlossen. Mittlerweile ist das Areal an der Friedrichstraße komplett mit einem neuen Viertel überbaut, dem Hallenbadquartier. Bereits 2012 fasste der Gemeinderat den Beschluss für ein neues Hallenbad im Bereich des Kirchheimer Freibades. Einstweilen wichen die Schulklassen und Vereine ins Aquafit im benachbarten Dettingen aus.

Bisher gemeinsame Sache mit Dettingen

Diese Lösung war zunächst befristet bis 2016 und wurde dann, da ein eigenes Kirchheimer Bad nicht in Sicht war, verlängert bis 2030. So lange sollte das Dettinger Bad ursprünglich gar nicht betrieben werden. Die Gemeinde Dettingen und die Stadt Kirchheim haben dann aber von 2017 bis 2020 abschnittsweise rund zwei Millionen Euro investiert, um diese Lebensdauer zu gewährleisten, wie der Dettinger Kämmerer Jörg Neubauer sagt. Kirchheim habe 70 Prozent der Investitionskosten getragen, Dettingen 30 Prozent. Die laufenden Kosten würden entsprechend der Nutzung „spitz abgerechnet“, was ein ähnliches Verhältnis ergebe.

So oder so: Das Bad sei „von morgens spätestens 7.30 Uhr bis abends 22 Uhr toujours belegt“, sagt Neubauer. Neben Grundschulen und weiterführenden Schulen aus Kirchheim, Dettingen und Bissingen werde es auch von beruflichen Schulen, dem pädagogischen Fachseminar und der Verbundschule genutzt, außerdem von verschiedenen Vereinen. Für öffentliche Badezeiten bleibt da in der Wintersaison nicht viel übrig: Zwei Mal eineinhalb Stunden Frühschwimmen und das Wochenende. Im Sommer sind die Öffnungszeiten länger, weil die Schwimmer aus Kirchheim dann das Freibad nutzen. „Wenn man ein Bad hat, dann kriegt man es auch voll“, davon ist der Dettinger Kämmerer überzeugt. Das Aquafit soll weiter genutzt werden, bis das Kirchheimer Hallenbad fertig ist. Dann werde es geschlossen, so Neubauer. Die Gemeinde Dettingen kaufe dann Schwimmstunden von Kirchheim ein.

Einige offizielle Ratsbeschlüsse stehen noch aus

Dettingen zählt also nicht zu den Kooperationspartnern. Es seien aber voraussichtlich sieben andere Umlandgemeinden im Boot, sagt Robert Berndt, der Pressesprecher der Stadt Kirchheim. Bei einigen stehen allerdings noch die offiziellen Ratsbeschlüsse aus. Die Gemeinden wollen das Bad sowohl gemeinsam bauen als auch gemeinsam betreiben und die Kosten „möglichst gerecht abbilden“, so Berndt. Im vergangenen halben Jahr wurde bei den Beteiligten der Bedarf ermittelt: „Das ist die große Herausforderung, das alles unter einen Hut zu bringen.“ Erst nach dieser Erhebung fällt die Entscheidung über die Ausstattung des Hallenbades – wie viele Becken, wie viele Bahnen, welche Wasserfläche und welche Attraktionen?

Mitreden wird bei diesen Fragen ein Projektausschuss mit Vertretern und Vertreterinnen des Kirchheimer Gemeinderats, der lokalen Schwimmvereine, der DLRG, der Tauchgruppe Teck sowie Jugendlichen aus dem Beteiligungsformat „BePart!“. Der Ausschuss war zusammen mit Oberbürgermeister Pascal Bader im vergangenen Dezember zu Besuch beim interkommunalen Bad im bayrischen Geretsried. Das könne durchaus ein Modell für Kirchheim sein, meint Bader, der das Projekt vorantreibt. Der Beschluss und die ersten Planungen fielen zwar noch in die Zeit seiner Vorgängerin Angelika Matt-Heidecker, aber Bader ist ein klarer Befürworter des Hallenbads – und hat damit auch ein Wahlversprechen einzulösen.

Der Weg zum neuen Hallenbad

Grundlage
Im Jahr 2012 fällt der Grundsatzbeschluss für ein Hallenbad auf dem recht großen Areal des Freibads. Im Juli 2021 bestätigt der Gemeinderat bestätigt den Standort. Eine Bedarfsanalyse wird erstellt, um auf dieser Grundlage die Standards für das künftige Bad festzulegen. Die Verwaltung soll ein Konzept für die Umsetzung vorlegen. Es wird ein Projektausschuss Hallenbad gegründet.

Weitere Planung
Die Umlandkommunen, die sich an dem Bad beteiligen wollen, ermitteln den Bedarf ihrer Vereine und Schulen. Ein Planungsbüro soll das Ergebnis und eine Marktanalyse zusammenführen und einen Vorschlag für das Bad erarbeiten. Dabei geht es um Größe und Ausstattung ebenso wie um Betriebsweise und Personalbedarf.

Künftige Schritte
Die Stadtverwaltung soll dem Gemeinderat Ende 2024 einen Umsetzungsvorschlag machen. Die Kosten können bislang nur grob geschätzt werden, da der Standard noch nicht definiert ist. Derzeit geht man von rund 25 Millionen Euro aus. Ein interkommunaler Vertrag wird entworfen, der die Investitionskosten auf die beteiligten Kommunen umlegt. Es sollen Fördermittel beantragt werden.