Die S-Bahnverlängerung nach Kirchheim ist im Dezember 2009 mit einem großen Bahnhof gefeiert worden. Jetzt fordern Politiker wegen der großen Nachfrage eine Nachbesserung der Taktzeiten. Foto: Horst Rudel/Horst Rudel

Die Grünen-Abgeordneten im Landkreis Esslingen, Matthias Gastel (Bundestag) und Andreas Schwarz (Landtag) fordern den Verband Region Stuttgart auf, den Viertelstundentakt auf den S-Bahnstrecken nach Filderstadt und Kirchheim zügig einzuführen.

Kirchheim/Filderstadt - Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Das ist das Motto, nach dem der Grünen-Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Nürtingen, Matthias Gastel, und sein Kirchheimer Landtagskollege Andreas Schwarz auf das Tempo beim Ausbau des Nahverkehrs drücken. Statt regungslos auf das letzte Schienenstück von Stuttgart 21 und damit den Sankt Nimmerleinstag zu starren, statt tatenlos der Verwirklichung der S-Bahn-Verbindung von den Fildern ins Neckartal zu harren, fordern die beiden Politiker vom zuständigen Verband Region Stuttgart (VRS) schnelle Lösungen für die S-Bahn auf den bestehenden Gleisen.

„Wir müssen die Kapazitäten der Außenäste der S 1 nach Kirchheim und der S 2 nach Filderstadt sowie die Verbindung nach Nürtingen dem steigenden Bedarf anpassen“, sagt Andreas Schwarz. Konkret sollen die Haltestellen auf allen drei Strecken bis zum Fahrplanwechsel 2022 im Viertelstundentakt angefahren werden – nach Kirchheim und Filderstadt ausschließlich mit der S-Bahn, nach Nürtingen im Wechsel von S-Bahn und Regionalverkehr.

Alle Signale stehen auf Grün

Sowohl im politischen Raum, als auch im gesellschaftlichen Umfeld werde der Schienenverkehr nach Einschätzung der Abgeordneten derzeit von kräftigem Rückenwind vorangetrieben. Zudem würden über die Fördertöpfe auf Bundes- und Landesebene eine Reihe von finanziellen Signalen auf Grün stehen. „Wann, wenn nicht jetzt, können wir die S-Bahn in der Region voranbringen“, so die rhetorische Frage von Matthias Gastel. Es spreche nichts dagegen, den Zug zügig aufs Gleis zu setzen. „Die S 2 nach Filderstadt fährt seit ihrer Einweihung im Halbstundentakt. Das geht an der Nachfrage völlig vorbei“, sagt Gastel unter Hinweis auf die 45 000 Einwohner der Stadt und auf das um ein Vielfaches größere Einzugsgebiet auf den Fildern.

Ähnlich argumentiert Andreas Schwarz am Beispiel Kirchheims. „Die Einsteigerzahlen auf der 2009 in Betrieb gegangenen Verlängerung der S-Bahn von Plochingen nach Kirchheim sind wochentags um 59 Prozent gestiegen“, zitiert der Abgeordnete aus einer im Jahr 2014 erstellten Statistik. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich Kirchheim städtebaulich entwickle, sei ein Ende der Fahnenstange noch lange nicht in Sicht. Weit mehr als 1000 zusätzliche Wohnungen seien in der 40 000 Einwohner zählenden Teckstadt derzeit im Bau – die meisten davon im unmittelbaren Einzugsbereich der S-Bahn. Mit einem zweiten Gleis für den Begegnungsverkehr bei Ötlingen und einer Anpassung in Kirchheim ließe sich der bestehenden Halbstundentakt ohne große Probleme zu einem Viertelstundentakt verdichten.

Züge sind schon bestellt

Die notwendigen Kapazitäten dürften bis zum Jahr 2022 zur Verfügung stehen, nachdem der VRS als 58 neue S-Bahn-Züge bestellt hat. Die ebenfalls dann in Betrieb gehende neue digitalen Leit- und Sicherungstechnik ETCS könnte den auf der S 2 geplanten Querungsverkehr ebenso optimieren, wie die Schließzeiten für die Autofahrer an den vier S 1-Bahnschranken in Wendlingen.

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