Die Bohrmaschinen fräsen sich durch das Karstgestein der Alb. Foto: 7aktuell.de/Daniel Jüptner

Die Tunnel von Stuttgart 21 werden von Maschinen gebohrt, die weibliche Vornamen tragen.

Kirchheim - Nicht nur Wanda bohrt sich durchs Gebirge, sondern auch Sibylle, so heißen die Bohrmaschen, die gerade die Stuttgart 21-Tunnels im Albvorland fräsen, als ob es da nicht Höhlen genug gäbe. Aber es ist ein schöner Zug, dabei Frauennamen zu vergeben. Das hilft, die tonnenschweren Hightech-Teile ins Herz zu schließen und macht Stuttgart 21 vielleicht doch ein wenig weniger monströs und versöhnt uns, wenn es einst mit großem Brimbohrium eingeweiht wird. Sibylle, die an das Sibyllenloch in der Teck erinnert, und Wanda, die an einen sich ewig umwendenden Bohrer denken lässt. Kinogängern kommt vielleicht auch der eine oder andere Fisch in den Sinn, der sich einst im Jurameer tummelte.

Meine Bohrmaschine heißt einfach Bosch. Nicht sehr poetisch, aber sie bohrt sehr zuverlässig kreisrunde Löcher und verfügt sogar über einen Schlagbohrmechanismus, der so manche Lampe an ihren Platz gebracht hat, wo sie heute noch hängt. Mein Zahnarzt, dem ich neulich den Rest meiner Barschaft überwies, würde sicher nie auf die Idee kommen, seine Bohrer nach Frauennamen zu benennen. Aber würde dann die Bohrerei nicht viel menschlicher und familiärer werden, wenn man wüßte, dass einem die rotierende Rotraud auf den Nerv geht oder die bohrende Barbara?

Schon lange begleitet mich ein 14 Millimeter Widia-Bohrer, wie Diamant und unvergänglich ist er. Vielleicht sollte ich manchem Bohrer in meiner Sammlung auch ein Frauennamen vergeben, verdient hätten sie es mit ihrem schneidenden Witz, ihrem spanenden Lachen. Wenn wir gemeinsam dicke Bretter bohrten, würde ich an ihren stählernen Willen denken und an ihre eiserne Treue. Na ja, und unvermittelt brachen sie ab. Ein etwas entfernter Verwandter in der Familie der Bohrer hatte keinen weiblichen, sondern einen männlichen Vornamen. Das war der Däne Niels Bohr. Der hieß Niels.

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