In den vergangenen beiden Jahren hat das Streetfood-Festival jeweils rund 15 000 Besucher nach Kirchheim gelockt. Foto: Thomas Jones

Die Fans des Streetfood-Festivals müssen vom Rollschuhplatz in der Kirchheimer Innenstadt auf die Hahnweide in der Peripherie ausweichen. Ein ruhebedürftiger Anwohner hatte mit Klage gedroht. Das löste im Internet Wut und Empörung aus.

Kirchheim - Die Verlegung des Kirchheimer Streetfood-Festivals vom Rollschuhplatz in der Innenstadt auf die vor den Stadttoren liegende Hahnweide hat einigen Wirbel verursacht. Ein lärmgeplagter Anwohner, der sich auf die sogenannte Freizeitlärmrichtlinie beruft, hatte mit einer Klage gedroht, sollte zusätzlich zu anderen Events wie etwa dem Weindorf diese fünftägige Veranstaltung vom 17. bis zum 21. Mai vor seiner Haustüre stattfinden – wo sie sich allerdings schon in den vergangenen zwei Jahren als Besuchermagnet erwiesen hatte. Die Stadt wollte sich einen langwierigen Prozess mit geringer Aussicht auf Erfolg jedoch nicht antun und verweigerte dem Streetfood-Festival die Genehmigung auf dem zentralen Rollschuhplatz. Mit dieser Entscheidung haben sich die Verwaltung und der sie auslösende Anwohner in erster Linie auf der Internetplattform Facebook Kritik, Wut und Empörung eingehandelt. Dort wurde vor allem moniert, junges Publikum werde aus der Stadtmitte vergrault.

Junge Leute braucht die Stadt

Die Diskussion im Netz hatte Andreas Kenner, der SPD-Landtagsabgeordnete und Kirchheimer Stadtrat, angestoßen. Er habe die Entscheidung „sehr bedauert“, werde doch eine Veranstaltung für junge Leute im Alter zwischen 20 und 30 Jahren aus dem Zentrum verbannt – „das Publikum, das man in der Innenstadt braucht“. Kenner befürchtet, Kirchheim entwickle sich zu einer Seniorenstadt. Für älteres Publikum gebe es zahlreiche Veranstaltungen. Das sei auch gut so, „aber wir müssen auch einen Gegenpol für junge Menschen schaffen“. In Sachen Jugendkultur sei Kirchheim „schon immer anderen voraus gewesen“, sagt Kenner und plädiert dafür, diese Tradition aufrecht zu erhalten. Manche beneideten die Teckstadt um deren Veranstaltungen, „aber man kann sie auch kaputt machen“, warnt der Politiker mit Blick auf das nach draußen verlegte Streetfood-Festival. Sein Wunsch wäre es gewesen, die Stadt hätte noch einmal das Gespräch mit den Beschwerdeführern gesucht, anstatt gleich eine Verlegung anzuordnen. Denn von den Menschen, die während der fünf Tage nun die Hahnweide besuchten „kommt keiner nach Kirchheim rein“, prophezeit Kenner.

Was die Kirchheimer Oberbürgermeisterin dazu sagt:

Die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker (SPD) versteht beide Seiten: sowohl den Ärger über die Verbannung vom Rollschuhplatz als auch jenen ruhebedürftiger Anwohner. Nach der Freizeitlärmrichtlinie würden für den Rollschuhplatz 18 Festtage jährlich als verträglich erachtet. Davon würden schon 17 durch das Weindorf beansprucht. Insgesamt seien in diesem Jahr in der Innenstadt schon jetzt an 24 Tagen Veranstaltungen geplant. „Es gibt diese Richtlinie und deshalb haben die Anwohner auch einen Anspruch darauf, dass sie eingehalten wird“, sagt Matt-Heidecker.

Eine Klage habe die Verwaltung nicht riskieren wollen, erklärt die Rathauschefin. Zumal laut bestehender Urteile, „die oft auf den Individualschutz“ der Anwohner eingingen, mit einer Niederlage zu rechnen sei. Außerdem wäre dann wohl nicht nur der Rollschuhplatz, sondern die gesamte Innenstadt als Veranstaltungsort ins Visier genommen worden. „Und es ist auch die Aufgabe der Verwaltung, Traditionsveranstaltungen wie beispielsweise die Musiknacht und das Sommernachtskino zu schützen“, sagt die Oberbürgermeisterin. Außerdem habe sie nicht riskieren wollen, dass das Streetfood-Festival während des laufenden Betriebs per einstweiliger Verfügung womöglich abgebrochen werden muss.

Der Veranstalter gibt sich inzwischen besänftigt

Das wäre auch ganz und gar nicht im Sinne von Gunnar Stahlberg gewesen, der das Festival veranstaltet. Die Absage habe ihn Anfang März schon überraschend getroffen, sagt er: „Wenn wir das deutlich früher erfahren hätten, wäre es für uns leichter gewesen.“ So habe man unter Zeitdruck eine Lösung finden müssen. Doch die Alternative auf der Hahnweide „ist für uns völlig in Ordnung“, zeigt er sich inzwischen besänftigt. Und er habe auch für alle Seiten – für die Verwaltung und die Anwohner – Verständnis. Für die Überbrückung der Distanz zum neuen Veranstaltungsgelände hat Stahlberg offenbar eine Lösung gefunden: Vom 17. bis zum 24. Mai verkehrt zwischen der Stadt und den 25 Food-Trucks und Essensständen auf der Hahnweide zu jeder vollen und halben Stunde ein Bus-Shuttle.

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