Mehr als 150 Menschen kamen am Samstag in der Pauluskirche zusammen, um gemeinsam zu essen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Foto: Bernd Zeyer

Regelmäßig bietet die Evangelische Kirchengemeinde in der Pauluskirche einen Pausenschmaus an. Am Samstag war Landesbischof Frank Otfried July zu Gast, gekocht wurde von der islamischen Gemeinde Zuffenhausen.

Zuffenhausen - Essen und Trinken, so sagt man, halten Leib und Seele zusammen. Das gemeinsame Essen hat aber noch ganz andere Bedeutungen. So spielt es beispielsweise in der Bibel eine wichtige Rolle. Jesus nutzt das „Mahl“ öfters als Symbol in seinen Gleichnissen und Reden, zudem hat das Abendmahl in der christlichen Religion eine zentrale Bedeutung. Vor diesem Hintergrund veranstaltet die Evangelische Kirchengemeinde seit einigen Jahren regelmäßig in der Pauluskirche einen so genannten „Kirchenschmaus“. Bei dessen jüngster Ausgabe gab es am Samstag gleich zwei Besonderheiten: Zu Gast war Frank Otfried July, der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, und um das leibliche Wohl kümmerte sich die islamische Gemeinde Zuffenhausen.

„Zuffenhausen ist ein Teil meiner Jugend“, sagte July, der mit seiner Ehefrau Edeltraud in die Pauluskirche gekommen war, zu Beginn seiner Andacht. Ende der 1960er Jahre sei er mit seinen Eltern nach Freiberg gezogen, in jenen Tagen habe er auch das Zuffenhäuser Gotteshaus zum ersten Mal besucht. „Es ist gut, dass in diesen Zeiten ein solches Zeichen gesetzt wird“, sagte July in Bezug auf den Kirchenschmaus und betonte, wie wohl er sich in diesem Kreis fühle. Ein gemeinsames Essen sei nicht nur für den Magen gut, sondern auch für Werte wie Nachbarschaft und Freundschaft. Der Kirchenschmaus werde so zu einem Teil der christlichen Botschaft: „Hier ist Raum für uns alle, so verschieden wir auch sein mögen.“ Jesus habe mit einem Tabu der damaligen Gesellschaft gebrochen und sich mit allen Menschen an den Tisch gesetzt. Lobende Worte fand der Bischof für die Zusammenarbeit mit der islamischen Gemeinde. Man brauche gegenseitiges Vertrauen in einer Welt, in der es mehr und mehr Hass gebe. Friede und Gerechtigkeit müssten Leitwerte im Alltag werden. Yavuz Kazanc, der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes der islamischen Kulturzentren Baden-Württemberg, blickte in seiner Rede auf die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde zurück. „Das Projekt wächst und wächst“, sagte er. In den vergangenen sechs Jahren habe es viele spannende Dialoge gegeben, weder die Themen noch das Interesse der Beteiligten würden nachlassen. Der interkulturelle Dialog sei wichtig – und zwar auf Augenhöhe. Man trage eine gemeinsame Verantwortung gegenüber der Schöpfung. Im Bezug zur Flüchtlingsproblematik zeigte sich Kazanc besorgt über gewisse Tendenzen in der Bevölkerung, die seiner Meinung nach die Demokratie bedrohen. Dem müsse man entgegentreten und Zivilcourage zeigen.

Das gegenseitige Vertrauen soll wachsen

Auch Pfarrer Dieter Kümmel betonte, wie wichtig die Kooperation zwischen den verschiedenen Religionen sei und lobte die Bemühungen von Kazanc. „Vertrauen wachsen lassen“, so laute die Strategie zwischen den beiden Gemeinden.

Musikalisch umrahmt wurde der Kirchenschmaus von der türkischen Musikgruppe „Newa“, die mit Zither, Schilfrohrflöte und Trommel Melodien aus ihrer Heimat spielte. Dekanatskantor Alexander Kuhlo brachte sich an der Mühleisenorgel mit ein. Bevor schließlich das Essen serviert wurde, sprachen Bischof Frank Otfried July und Mucip Geyik, der Vorstandsvorsitzende des islamischen Gemeinde Zuffenhausen, jeweils ein Tischgebet.

Auf den Tisch kamen Börek, Bulgur, Fladenbrot, leckere Salate und auch ein süßer Nachtisch. „Solch ein Essen könnte ich mir selbst nicht machen und auch im Restaurant nie leisten“, sagte einer der Besucher. Der ältere Herr kommt regelmäßig zum Kirchenschmaus, trifft dort Bekannte, lernt aber auch neue Leute kennen. Zwar habe er mit der Religion nicht viel am Hut, aber: „Ohne den Kirchenschmaus würde mir etwas fehlen – nicht nur im Magen.“

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