Allein für den ersten Bauabschnitt der Sanierung der Bad Cannstatter Stadtkirche werden rund 340 000 Euro Spendengelder benötigt.
Die Banner, die seit einigen Wochen am Haupteingang der Stadtkirche und an den beiden Eingangsbereichen der Marktstraße hängen, sprechen eine deutliche Sprache: „Wir sanieren unsere Stadtkirche Bad Cannstatt – das geht nur mit Ihrer Spende.“ Denn nach einer ausgiebigen Untersuchung 2020 stand fest, dass das mehr als 550 Jahre alte Wahrzeichen Bad Cannstatts in vielen Bereichen für gut 2,4 Millionen Euro saniert werden muss. Ein Betrag, den die Stadtkirchengemeinde nie und nimmer alleine stemmen kann.
Damals wurden Schäden an Chor, Turm sowie Nord- und Ostfassade bei den Putz- und Natursteinflächen festgestellt. Gravierend sind vor allem die Schäden an den Steinen, denn es haben sich Risse gebildet. Teile sind sogar abgeplatzt oder abgebrochen. Außerdem gibt es Krustenbildung und Verschmutzung.
Auch bei den verputzen Flächen wurden Risse und im Sockelbereich sogar sogenannte Salzausblühungen durch aufsteigende Feuchtigkeit entdeckt. Darüber hinaus befindet sich in der nördlichen Dachfläche eine Schadstelle, die im Zuge der Sanierung behoben werden muss.
Nachdem die Kirchenverantwortlichen nach einer ersten Schätzung für die Sanierung noch rund 1,2 Millionen Euro kalkuliert hatten, hat sich die Summe schnell verdoppelt. Unter anderem wurden auch noch Schäden an der Westseite und am Hauptportal festgestellt. Deshalb wurde das Maßnahmenpaket in zwei Bauabschnitte unterteilt.
2,4 Millionen Euro – ein gewaltiger Betrag für eher klamme Kirchenkassen, weshalb mit dem nachträglichen Jubiläumsfest „550 + 1“ in diesem Sommer – im vergangenen Jahr wurde die Stadtkirche 550 Jahre alt – eine umfangreiche Spendenaktion gestartet wurde. Immerhin stand damals schon fest, dass das Landesdenkmalamt das Sanierungsprojekt mit 257 900 Euro bezuschussen wird. „Dieser Betrag fließt in den ersten Bauabschnitt“, sagt Kirchenpflegerin Martina Ordenewitz. Allein der schlage mit 1,8 Millionen Kosten zu Buche. Für den zweiten habe die evangelische Gesamtkirchengemeinde Bad Cannstatt bereits einen weiteren Zuschuss beim Landesdenkmalamt beantragt.
Rund 51 000 Euro bereits gesammelt
„Für den ersten Bauabschnitt benötigen wir unterm Strich rund 340 000 Euro Spendengelder“, verrät die Finanzexpertin. Aktuell habe man rund 51 000 Euro zusammen – fehlen also noch etwa 290 000 Euro, die in den kommenden Monaten gesammelt werden müssen. Für den zweiten Abschnitt werden dann noch einmal 330 000 Geldspenden benötigt. Doch für die Kirchenpflegerin wie auch für Stadtdekan Eckart Schultz-Berg ist der zweite Teil des Großprojekts noch Zukunftsmusik. Beide hoffen, dass die Angebote der Handwerker, die in den kommenden Wochen auf ihren Schreibtischen landen, finanziell nicht „durch die Decke schießen“ und ihre Kalkulationen durcheinanderwirbeln.
„Wir müssen weiter die Werbetrommel für die Sanierung der Stadtkirche rühren“, so der Stadtdekan. Gespannt sei er, ob Alexander Stölzle dabei seine Wette gewinnen kann. Der Stadtkirchenpfarrer wettet, dass bis zum 31. Dezember 2022 insgesamt 550+1 Spenderinnen und Spender bereits sind, mehr als 100 Euro für die Kirchensanierung beizusteuern. „Gewinne ich die Wette, so erhält jede Spenderin und jeder Spender ein Geschenk“, so Stölzle. Falls er verlieren sollte, lade die Stadtkirchengemeinde zu einer öffentlichen Suppenverköstigung ein.
Stadtkirchenpfarrer Stölzle wettet
Möglich machen das Sanierungsprojekt „Stadtkirche“ jedoch erst die 1,1 Millionen Euro, die die Landeskirche beisteuert, sowie der Kirchenkreis Stuttgart, der 160 000 Euro zuschießt. 330 000 Euro stehen aus den Rücklagen der Stadtkirchengemeinde und der Gesamtkirchengemeinde Bad Cannstatt zur Verfügung.