Wenn Bertram Layer in St. Georg am Schlagzeug sitzt, wird ’s rockig. Foto: Eva Funke

Schlagzeug und Orgel – passen die beiden Instrumente bei der Interpretation von Kirchen zusammen? „Unbedingt“, sagt der Schlagzeuger Bertram Layer. In St. Georg in Stuttgart-Nord gibt’s Kostproben davon.

S-Nord - Dunkler Anzug, Krawatte, Brille: Der promovierte Steuerberater Bertram Layer wirkt, wie ein Steuerberater wirken sollte: ausgesprochen seriös. Doch der 57-Jährige hat eine Leidenschaft, die sein Äußeres nicht vermuten lässt: Das ist sein Schlagzeug. In der katholischen Kirche St. Georg lässt er seine Drum­sticks virtuos auf große und kleine Trommel und Becken wirbeln.

Und noch eins erwartet man bei Bertram Layer nicht: dass sein Herz für Rockmusik schlägt. „Während meiner Schulzeit hab ich in einer Rockband gespielt. Später, im Studium, kam Jazz dazu“, sagt er und saß auch bei einer Aufführung des Musicals „Franz von Assisi“ am Schlagzeug. Damit, dass er jetzt in St. Georg Schlagzeug in der Reihe „Orgel plus“ spielt, hat er sich einen Wunsch zum 50. Geburtstag erfüllt. „Ich wollte schon immer mal in einem Gottesdienst die Orgel mit mein Schlagzeug ergänzen“, sagt er. Der Pfarrer erfüllte ihm seinen Wunsch. Und weil die Kombination Orgel plus Schlagzeug gut ankam, haut Layer bei den Gottesdiensten in St. Georg häufiger auf die Pauke – jetzt im Zusammenspiel mit der neuen Truhenorgel, die die Kirchengemeinde Anfang des Jahres angeschafft hat.

„Die Truhenorgel ist ideal für kleine Feiern wie Taufen in der Kapelle oder für Abendgottesdienste, bei denen sich die Gottesdienstbesucher um den Altar versammeln und die Reihe „Orgel plus“, stellt Layer fest und versichert, dass in der Orgel, die aussieht wie eine Truhe, alles drin ist, was eine Orgel so braucht. Allerdings gibt es weniger Register, und die Tastatur ist eingeschränkt. Eingesetzt wir die Orgel nicht nur in Kombination mit Layers Schlagzeug, sondern auch bei Konzerten mit Instrumenten wie Oboe, Bratsche oder Querflöte. „Das ergibt jedes Mal ein sehr schönes Zusammenspiel“, versichert Layer. An eine Panne beim ersten Silvesterkonzert in St. Georg kann sich der Hobbymusiker noch gut erinnern. Das Motto war „Bach statt Böller“ mit dem Stuttgarter Trio Glissando (Horn, Harfe, Posaune). „Mit rund 150 Besuchern war die Kirche voll – und dann fiel plötzlich der Strom aus. Also gab es das Konzert im Gemeindehaus.“

4000 Euro pro Jahr für Musik in der katholischen Kirche St. Georg

Finanziert wird die Kirchenmusik in St. Georg durch die Fördergemeinschaft „musica sacra“ St. Georg, der 2007 von Mitgliedern der Kirchengemeinde gegründet worden und dessen Vorsitzender Bertram Layer seit sieben Jahren ist. Die Fördergemeinschaft hat auch die 20 000 Euro für die Anschaffung der gebrauchten Truhenorgel über Spenden und Sponsoren zusammengetragen. Für die Kirchenmusik gibt es ein Budget von rund 4000 Euro pro Jahr. Davon werden unter anderem die Solisten bezahlt und Noten gekauft. Die Reihe „Orgel plus“ gibt es etwa jeden dritten Sonntag. Dazu kommen pro Jahr etwa ein halbes Dutzend Aufritte des Projekts „chor und band“ mit vor allem moderne Kirchenmusik. In der Band am Schlagzeug: Bertram Layer. Das Projekt „chor und band“, feiert in diesem Jahr übrigens 50. Geburtstag.

Layer ist überzeugt, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher auf Grund der musikalischen Beiträge in St. Georg nicht zurückgeht, wenn nicht sogar steigt. Für ihn selbst ist Kirchenmusik ein wichtiger Bestandteil des Gottesdiensts, weil sie den Zeit lässt, sich Gedanken über das in der Kirche gesprochene Wort zu machen und zu dessen Verständnis beiträgt.

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