Hausaufgabenbetreuung in Stuttgart Weilimdorf: Der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart sieht im demografischen Wandel eine Chance Foto: Peter Petsch

Evangelischer Kirchenkreis Stuttgart sieht im demografischen Wandel auch eine Chance.

Stuttgart - Seit 1950 ist die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland um 15 Jahre gestiegen, und rund 40 Prozent der jungen Senioren wollen sich ehrenamtlich engagieren. Vor diesem Hintergrund stand das Thema junge Senioren am Freitagabend im Mittelpunkt der Tagung der evangelischen Kirchenkreissynode im Hospitalhof. Das Parlament des evangelischen Kirchenkreises umfasst evangelische Kirchen­gemeinden in Stuttgart.

Mit dem Vortrag „Alter bewegt! Die Chancen des demografischen Wandels ­nutzen“ warben der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft für evangelische Senioren in Württemberg, Richard Haug, und Bettina Hertel, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft, für einen kirchenkreisweiten Arbeitskreis für Senioren. Dieser solle die bestehenden Angebote in den 66 Kirchengemeinden vernetzen.

„Die Zahl der jungen Senioren im Alter zwischen 60 und 75 Jahren nimmt zu. Viele davon wollen sich ehrenamtlich engagieren“, sagte Richard Haug. Von dieser Motivation profitierten die Kirchen jedoch nicht automatisch, denn die Kirchenverbundenheit von 60- bis 69-Jährigen sei laut Umfragen zwischen 1992 und 2012 von 60 auf 44 Prozent gesunken.

Netzwerk für Senioren: Wandergruppe, Französischkurs, Tanzgruppe

„Früher sagte man: Im Alter kommt der Psalter. Heute gilt eher: Die 68er werden 68“, sagte Richard Haug.­ ­Deshalb müsse die Kirche auf diese Altersgruppe zugehen, um die oft selbstbewussten ­Älteren für Ehrenämter zu gewinnen.

Beispiele, wie dieses Engagement aussehen könnte, gibt es im Kirchenkreis genug. In der Lukas- und Lutherhauskirchen­gemeinde im Stuttgarter Osten gibt es selbst organisierte Gruppen für Wandertouren und Ausflüge. „Sie sind Perlen in unserem Gemeindealltag“, sagt Pfarrer Gerd Häußler. Fitte Senioren kämen so mit der Gemeinde in Kontakt und engagierten sich in der Folge auch anderweitig im Gemeindeleben und im Stadtteil.

Demografischer Wandel als Gestaltungsaufgabe

In Tamm bei Ludwigsburg haben junge Rentner ein Netzwerk für Senioren gegründet. Es entstanden unter anderem eine neue Wandergruppe, ein Französischkurs und eine Tanzgruppe von Senioren für Senioren. In Ostfildern gibt es einen Verein, der kompetente, hilfsbereite Rentner mit hilfsbedürftigen Älteren zusammenbringt.

„Der demografische Wandel ist für Kirche und Gesellschaft eine Gestaltungsaufgabe, und die Beispiele zeigen, wie diese wahrgenommen werden kann“, sagte Bettina Hertel. Deshalb müsse man die Angebote für Senioren vernetzen.

Die Gründung eines eigenen, kirchenkreisweiten Arbeitskreises für das Seniorenthema lehnte die Synode jedoch ab. „Das Thema wird im Ausschuss für Diakonie wahrgenommen, man braucht kein neues Gremium“, sagte das Synodenmitglied Martin Lieb aus Möhringen.