Tisch und Bett müssen getrennt sein: So will es das katholische Kirchenrecht, wenn Geschiedene wieder heiraten. Foto: dpa

Wer als Katholik geschieden ist und wieder heiratet, darf nicht zum Abendmahl. Der Papst will dieser Ausgrenzung beenden. Kann er sich durchsetzen? Unser Kirchenblogger Markus Brauer hofft darauf.

Stuttgart - Wie geht die Kirche mit „Sündern“ um? Vergibt sie ihnen? Und wenn ja, zu welchem Preis? Sie müsste es eigentlich. Schließlich steht sie in der Nachfolge Jesu und ist zur Barmherzigkeit verpflichtet. Das meint auch Papst Franziskus.

Bei seiner ersten Generalaudienz nach der Sommerpause hat er erklärt: „Menschen, die einen neuen Bund nach dem Scheitern ihrer sakramentalen Ehe eingehen, sind mitnichten exkommuniziert und dürfen absolut nicht so behandelt werden.“

Der Umgang mit Geschiedenen, die danach wieder heiraten, ist ein äußerst heikles Thema in der Kirche. Das katholische Kirchenrecht ist eindeutig: Geschiedene Katholiken, die wieder heiraten, leben in Sünde und dürfen das Abendmahl nicht empfangen. Reformgruppen innerhalb der Kirche fordern seit langem mehr Offenheit ein.

Viele Betroffene erhoffen sich von der vatikanischen Familiensynode im Oktober, dass der Papst endlich ein Machtwort spricht und das Kommunion-Verbot lockert. Bei der ersten Runde der Weltbischofssynode im vergangenen Herbst hatten sich die Synodalen ergebnislos vertagt.

Alle können am Leben der Kirche teilnehmen – sagt der Papst

Franziskus betont: Man müsse unterscheiden „zwischen dem, der eine Trennung erlitten, und demjenigen, der sie ausgelöst“ habe. Es sei wichtig, dass die Gemeinschaft diese Menschen aufnehme und ihnen nicht weitere Lasten zufüge. „Alle können auf die eine oder andere Weise am kirchlichen Leben teilnehmen, alle können zur Gemeinschaft gehören.“

Der Papst verweist auf den Grundsatz der Barmherzigkeit im Umgang mit Gemeindemitgliedern und verweist insbesondere auf die Kinder neuverheirateter Paare. Denn wie solle die Kirche diese Eltern sonst davon überzeugen, ihre Kinder „mit einem Beispiel überzeugten und praktizierten Glaubens“ zu erziehen, „wenn wir sie weit vom Gemeindeleben fernhalten, so als ob sie exkommuniziert sind?“

Gemeindepfarrer sollten es den Kindern wiederverheirateter Paare nicht noch zusätzlich über diese Bürde hinaus schwer machen, die sie in ihrer Situation tragen müssten. „Leider sind die Zahlen dieser Kinder und junger Leute wirklich hoch“, so der Papst.

Paar muss erneute Bindung als Schuld erkennen und beichten

Was die Amtskirche den Betroffenen auferlegt, um wieder am Abendmahl teilnehmen zu dürfen, grenzt fast schon an Masochismus: Das betroffene Paar muss seine erneute Bindung als Schuld erkennen und beichten. Danach muss es „sich verpflichten, in vollständiger Enthaltsamkeit zu leben“, wie es im Katechismus der Kirche heißt. Also quasi wie Bruder und Schwester zusammenleben, Tisch und Bett sind getrennt.

Gar nicht so einfach bei Eheleuten, zu deren Liebe untrennbar die körperliche Zuwendung gehört. Und wer will ihre Enthaltsamkeit kontrollieren?

Seit der Rottenburger Domdekan Alfred Weitmann vor der Vollversammlung der Würzburger Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer (1972–1975) für wiederverheiratet Geschiedene ein „Schlupfloch der Barmherzigkeit“ einforderte, dreht sich in der Pfarrarbeit alles um diese Frage. Viele Betroffene scheren sich nicht um die Ausgrenzung durch die Kirche. Doch es gibt nicht wenige, die darunter leiden und mit ihrer Kirche im Sakrament der Eucharistie versöhnt sein wollen. „Sie leiden darunter, dass sie in der Kirche offiziell keinen Platz haben und von der Kommunion, dem Bußsakrament und den Gemeindeämtern ausgeschlossen sind“, sagt ein Pfarrer.

Der Pfarrer als Sittenwächter und Schlafzimmer-Kontrolleur?

Der offizielle Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen ist zum Inbegriff für das ganze Dilemma der Katholischen Kirche geworden – für Reformstau, Stagnation und Doppelmoral. Nach Aussage von Priestern gibt es Wiederverheiratete zuhauf, die zum Altar gehen, nur öffentlich sagen dürften sie es nicht. Schließlich kann jeder Gottesdienstbesucher die Kommunion empfangen.

Wer soll auch kontrollieren, ob jemand ausgetreten, wiederverheiratetet oder Protestant ist? Der Pfarrer als eine Art Sittenwächter und Schlafzimmer-Kontrolleur?

Hauptsache, dem Verbot wird formell Genüge getan – egal ob der Priester tatsächlich unwissend ist oder Unwissenheit nur vortäuscht und schweigt.

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