Die Regenbogenfarben gelten als Symbol für die Lesben- und Schwulenbewegung. Foto: AP

Die mehrheitlich katholischen Iren haben mit großer Mehrheit für die Zulassung der Homo-Ehe. Der Vatikan sieht das Votum als „Niederlage für die Menscnheit“.

Stuttgart - Die Regenbogenflagge ist das weltweite Symbol von Schwulen und Lesben. Bald wird sie auch in Irland des öfteren wehen. Die Iren haben jüngst in einem Referendum mit großer Mehrheit für die Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen gestimmt. Gut 62 Prozent der Inselbewohner stimmten dafür. Damit ist Irland der erste Staat, der die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern per Volksabstimmung einführt. Bis 1993 waren gleichgeschlechtliche Beziehungen noch strafbar.

Eigentlich ein gutes Zeichen, dass auch urkatholische Länder sich öffnen und wandeln können. Eigentlich! Denn einigen ist das Ja der Iren ein Dorn im Auge. Dem Vatikan zum Beispiel. Was nicht wirklich verwundert. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der zweite Mann im Kirchenstaat, sieht in dem Votum eine „Niederlage für die Menschheit“ und nicht nur für die „christlichen Prinzipien“. Dass würde bedeuten, dass alle Menschen mit dem irischen Ja zur Schwulen-Ehe verloren hätten. Atheisten, Buddhisten, Christen, Hindus, Juden und Muslime genauso wie Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder. Einfach alle.

Alles nur Lippenbekenntnisse?

Man darf davon ausgehen, dass Kirchenfunktionär Parolin diese Äußerung als Sprachrohr von Papst Franziskus gemacht hat. Da stellt sich die Frage, wie ernst es dem Papst mit der Reform der Kirche tatsächlich ist. Alles nur Lippenbekenntnisse? Die Kirche wolle nun „ihre Verpflichtung zur Evangelisierung“ stärken, verkündet der Kardinal. Damit meint er offenbar, die Menschen noch stärker als bisher davon zu überzeugen, dass Homosexualität Sünde sei.

Homosexuelle, heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche, „verstoßen gegen das natürliche Gesetz“. Homosexuelle Handlungen seien „in keinem Fall zu billigen“. Sie seien in sich ungeordnet, sündhaft und daher strikt abzulehnen. Wer gleichgeschlecht-liche Neigungen in sich entdecke, sei lebenslang zur „Keuschheit berufen“.

Unzeitgemäße Moral

Diese wirklichkeitsfremde und lebensfeindliche Doktrin ist unter katholischen Bischöfen gängige Meinung. Linientreue und Glaubenseifer sind für ihre Berufung wichtiger als Toleranz und Verständnis für andere Lebensweisen. Hinzu kommt: Mit ihren unzeitgemäßen Verboten und Verurteilungen verprellt die Kirche vollends die Menschen. Schwule gehören genauso zur Gesellschaft wie Heterosexuelle, Keuschheit vor der Ehe genauso wie Sex vor der Ehe. Ginge es nach der Kirchenführung, würde wahrscheinlich alles verboten, was nicht in das enge katholische Moralkorsett passt.

Vatikanische Scheinwelt

Dabei zieht ausgerechnet der Klerikerstand Schwule an. Die Katholische Kirche sei „die größte transnationale Schwulenorganisation“, konstatiert der Jesuit und Pastoralpsychologe Hermann Kügler. Schätzungen zufolge sollen bis zu 20 Prozent des Weltklerus homosexuell sein. Was soll’s! Solange sie nicht heiraten (dürfen) – und schon gar einen Mann – ist in der schönen Scheinwelt des Vatikan alles in Ordnung.

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