Die Katholische Kirche tut sich weiterhin schwer mit der Anerkennung homosexueller Partnerschaften. Foto: Michael Reichel/dpa

Die Katholische Kirche tut sich weiterhin schwer mit der Anerkennung homosexueller Partnerschaften. Es ist Zeit für ein Umdenken.

Stuttgart - Der Fall Stefan Kaufmann hat Wellen geschlagen. Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, hatte dem CDU-Kreisvorsitzenden und seinem Lebensgefährten den kirchlichen Segen für ihre Partnerschaft verweigert. Daran ist eigentlich nichts Bemerkenswertes. Schließlich ist es jedem Priester – ob Papst, Bischof oder Pfarrer – offiziell verboten, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen. Selbst wenn sie es wollten, die strenge kirchliche Morallehre macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Nun werden manche sagen: Von der Katholischen Kirche haben wir nichts anderes erwartet. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Homo-Paar den kirchlichen Segen bekommt. Doch ganz so dogmatisch geht es selbst in der römisch-katholischen Kirche nicht zu. Es gibt Priester – und davon vermutlich nicht wenige –, die lassen niemanden draußen vor der Tür stehen, sondern gewähren jedem Einlass.

Will heißen: Sie verweigern Homo-Paaren genauso wenig den priesterlichen Segen für ihre Beziehung wie sie wiederverheiratet Geschiedenen die Kommunion verweigern.

Und das ist gut so!

Beim Segnen geht es nicht um ein Werk der Barmherzigkeit. Nach christlichem Verständnis ist es Gott, der die Menschen segnet. Der Priester ist nur Mittler. Wie also könnte die Kirche verweigern, was Gott gutheißt und mit seinem Segen begleitet – Freundschaft, Liebe und Vertrauen. Der Segen gilt den Menschen, egal ob sie hetero- oder homosexuell sind, und nicht ihrer sexuellen Orientierung.

Homosexualität, so wird in der katholischen Moraltheologie immer wieder argumentiert, stehe im Widerspruch zur Funktion der Sexualität in der natürlichen Ordnung. Weil Sex untrennbar an die Zeugung von Kindern gebunden ist, dürften nur Mann und Frau eine eheliche Beziehung eingehen. Sowohl Sex vor der Ehe als auch Sex mit einem gleichgeschlechtlichen Partner würden gegen Gottes Gebote verstoßen.

Tatsächlich verstößt hier niemand gegen göttliche Gebote – allenfalls gegen menschliche Gesetze und Moralvorstellungen. Moral ist nichts anderes als die subjektive Neigung, bestimmte Maximen und Normen, die man als richtig erkannt hat, zu befolgen. Auch wenn diese Normen als objektiv oder göttlich offenbarte Wahrheit gelten, sind sie doch nichts anderes als Handlungsmuster und Konventionen, die eine Gesellschaft, Gruppe oder Kultur für sich festgelegt hat. Und damit sind sie menschlichen Ursprungs.

Was aber Menschenwerk ist, kann der Mensch auch wieder ändern. Das gilt für die kirchliche Moral genauso wie für staatliche Gesetze.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: