Geschnitzte und illuminierte Kürbisfratzen sind der Klassiker an Halloween. Foto:  

Seit 2006 veranstaltet die evangelische Kirche die „ChurchNight“, um den Halloween-Auswüchsen Paroli zu bieten. Wie wäre es, das Beste aus beiden Welten zu vereinen?

Stuttgart - Reformationstag, Allerheiligen, Allerseelen. Der Übergang vom Oktober zum November ist die Zeit kirchlicher Gedenktage. All Hallows’ Evening – der Abend vor Allerheiligen – darf da nicht fehlen. Besser bekannt ist die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November als Halloween. Das populäre Brauchtum rund um Jack O'Lantern, den ausgehöhlten Kürbis mit eingeschnitzter Fratze, stammt aus dem erzkatholischen Irland. Mit der Auswandererwelle im 19. Jahrhundert schwappte es in die USA über.

Harmloser Spaß – heidnischer Unfug

Halloween ist ein harmloser Gruselspaß – nicht nur für Kinder. Manche sehen darin allerdings ein Ärgernis und einen heidnischen Unfug. Am 1. November gedenken die katholischen Gläubigen der toten Heiligen. Halloween-Partys, die bis in die frühen Morgenstunden des Feiertages andauern, könnte mancher als unangemessen und unwürdig empfinden.

Und dann ist da noch der protestantische Reformationstag. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt und damit die Kirchenspaltung in Gang gebracht. Ausgerechnet an diesem für Protestanten herausgehobenen Tag ziehen Kinder mit künstlichen Spinnennetzen, Vampirzähnen und schwarzer Maskerade durch die Straßen. Von Nachbarn fordern sie „Süßes oder Saures“. Wer nicht schnell genug Süßigkeiten herausgibt, dem droht „Saures“ – zum Beispiel rohe Eier an der Hauswand. Auch bei Jugendlichen sind Halloween-Partys äußerst beliebt. So sehr, dass die Evangelische Kirche seit geraumer Zeit fürchtet, Halloween könnte dem altehrwürdigen Reformationsfest den Rang ablaufen.

„Reformation neu entdecken“

Um das Feld nicht kampflos der importierten Konkurrenz aus Amerika zu überlassen und um die „Reformation neu zu entdecken“ hat das Evangelische Jugendwerk in Württemberg 2006 die „ChurchNight-Kampagne“ ins Leben gerufen. „Die freche Alternative zu Halloween“, so die Eigenwerbung. „ChurchNight“ übersetze Luthers Reformthesen „hell, wach, evangelisch in die heutige Zeit“. Schließlich habe die Evangelische Kirche die älteren Rechte auf dieses Datum. 2017, dem Reformationsjubiläum, soll sogar jede evangelische Kirchengemeinde in Württemberg an einer „ChurchNight“ beteiligt sein, hat Landesbischof Otfried July angekündigt.

„HalloNight“ – „ChurchWeen“

Seinen Ursprung hat der Kürbis-Kult in der religiösen Vorstellungswelt der Kelten und ihrem Fest Samhain. Der 1. November markierte im irisch-keltischen Kalender den Winteranfang und Beginn eines neuen Jahres. In dieser Nacht betraten die Seelen der Verstorbenen und böse Geister die Menschenwelt. Mit Magie und Schutzritualen versuchte man sie zu vertreiben.

Die Fachgruppe Karneval im Verband der deutschen Spielwarenindustrie hält sich übrigens zugute, Halloween in Deutschland populär gemacht zu haben. Die große Stunde des Gruselfestes in Deutschland schlug, als die Karnevalsumzüge wegen des zweiten Golfkrieges 1991 abgesagt und stattdessen Halloween aus dem Hut gezaubert wurde. Seitdem ist Halloween ein festes Standbein der Süßwarenindustrie und ein süß-saures Vergnügen für Kinder.

Wie wäre es, wenn man das Beste aus Halloween und Reformationsfest zur „HalloNight“ oder „ChurchWeen“ verbindet? Mit gruseligen Konzerten, Erlebniskirchen mit schaurigen Verkleidungen und Jugendgottesdiensten mit interaktiven Elementen aus Luther-Filmen und Horror-Klassikern? Für alle, die beide Events so toll finden, dass sie nicht wissen, wo sie lieber hingehen sollen. Aber da dürfte für manche der Spaß dann doch aufhören und der Horror anfangen.

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