Die Titelseite der ersten deutschen Ausgabe von „Mein Papst“ Foto: Panini-Verlag/Pressefoto

Vom 18. März an kommt eine neue Illustrierte auf den Markt: „Mein Papst“ aus dem Hause Panini. Leider ganz ohne die berühmten Klebe-Bildchen.

Stuttgart - Panini-Alben mit Sammelbildchen sind seit 40 Jahren der Renner unter kleinen und großen Fußball-Fans. Das erste, 1974 zur WM in Deutschlands erschienen, erzielt heute bei Sammlern Höchstpreise von mehreren Tausend Euro. Auch die Sticker-Hefte zu Superhelden des Comic-Verlags sind heiß begehrt.

Batman, Spiderman und Franziskus

Ob es nun ein Privileg ist neben schrägen Typen wie „Batman“, „Spiderman“, „Monster High“ oder „Teenage Mutant Ninja“ am Kiosk auszuliegen, sei mal dahingestellt. Jedenfalls wird vom 18. März an das Panini-Universum um einen weiteren „Helden“ erweitert: „Super-Mario“. Kein weiterer Aspirant für die „Guardians of the Galaxy“, sondern der amtierende Papst Franziskus höchstpersönlich.

„Il mio Papa“ – „Mein Papst“

Bisher war der deutsche Ableger der italienischen Panini-Gruppe mit Sitz in Stuttgart vor allem als Deutschlands größter Comicverlag und Klebebildchen-Riese bekannt. Dass Panini sich nun auch auf dem publizistisch schwierigen „geistlichen“ Terrain bewegt, ist relativ neu. „Mein Papst“ ist ein Import aus „Bella Italia“, der Wahlheimat von Jorge Mario Bergoglio wie Franziskus mit bürgerlichen Namen heißt. Im traditionell katholischen Stiefelstaat wird „Il mio Papa“ laut Verlagsangaben seit einem Jahr aufgelegt. Die Startauflage des Mailänder Verlags Mondadori betrug 500 000 Exemplare.

250 000 Startauflage – WOW!

In Deutschland, Österreich und der Schweiz startet „Mein Papst“ mit einer Auflage von 250 000 Stück. 72 Seiten prall gefüllt mit Herz-Schmerz-Stories über den Mann, der vor zwei Jahren vom Rio de la Plata an den Tiber wechselte. Die Illustrierte wolle Jorge Mario Bergoglio „volksnah, menschlich, seriös“ präsentieren, heißt es in der Pressemitteilung des Verlags. „Die wichtigsten Momente und Botschaften des beliebten katholischen Kirchenoberhaupts“ sollen dem potenziellen Lesern monatlich 1,80 Euro („Copypreis“) wert sein. Als Kernzielgruppe nennt der Verlag Frauen ab 40, weshalb der Titel am Kiosk auch direkt neben Frauenzeitschriften platziert werden soll. Geschickt!

Es gibt weiß Gott viele Dinge, welche die Welt nicht braucht: Schnarchzapfen-Geräte, Messersätze aus Gummibaumholz oder mehrstufige Fusssprudel-Massagebäder mit exotischen Deko, um einige Beispiel zu nennen. Und eine Papst-Illustrierte? Aber nein! auf die hat die deutschsprachige Welt schon lange gewartet. Und hier einige Themen des ersten Heftes im Überblick:

Die Themen der deutschen Erstausgabe

„Der Papst der Herzen. Franziskus ist einer von uns!“

„So wohnt der Heilige Vater. Bescheiden auf 50 Quadratmeter“ – „Kein Palast – Der Papst wohnt lieber Tür an Tür mit den Kollegen!“

„Das Fest der Feste. Ostern in der ewigen Stadt“.

Und dann sind da noch jede Menge Reisetipps, „Leckere Rezepte“, „Deko-Ideen“ und „Rätsel-Extra!“

„Wir gehen mit dem allergrößten Respekt für den Pontifex an die Geschichten heran. Die Themen werden fundiert recherchiert, seriös aufbereitet und mit vorwiegend exklusiven Motiven bebildert“, heißt es seitens des Verlages. Ein lächelnder Papst, der winkt, auf der Titelseite. Ein lächelnder Papst, der winkt auf den folgenden Seiten – mal mit Blumen, Regencape oder Mitra. Ein ernster Papst am Schreibtisch, ein ernster Papst beim Lesen. Und mittendrin Fotos aus Rom, wie man sie schon oft, aber noch nie so schön gesehen hat.

Viele Leser südlich der Alpen

Südlich der Alpen haben Kirchen-Formate dieser Art begeisterte Leser. Die Idee für „Il mio Papa“ wurde nach Angaben ihres Chefredakteurs Aldo Vitali nach der Wahl von Franziskus am 13. März 2013 geboren. Damals habe sich gezeigt, dass durch diesen Papst „eine neue Aufmerksamkeit für ethische, religiöse und moralische Themen entstanden ist“, so Vitali.

„Il mio Papa“ und „Mein Papst“ bleiben angeblich nicht allein. Ende des Monats sollen nach Angaben des Verlags aus dem Hause von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi Ausgaben in Polnisch, Spanisch und Portugiesisch erscheinen. Zielländer seien in Lateinamerika Honduras, El Salvador, Guatemala, Nicaragua, Panama, Brasilien und die Dominikanische Republik.

72 Seiten mit News und Stories zu Franziskus

Die Stuttgarter Redaktion kümmert sich den Informationen zufolge um die Erstellung des Blatts. Sie produzierten in erster Linie Texte, die aus der italienischen Ausgabe übersetzt und übernommen würden. Angst davor, jeden Monat 72 Seiten zu einem Thema füllen zu müssen, hat man offenbar nicht. „Das Magazin funktioniert, solange es Fans gibt“, sagt Martin Klingseisen, bei Panini als Verlagsleiter für Frauen- und Mädchenmagazine zuständig. Klingseisen zeigt sich vor dem Verkaufsstart „sehr optimistisch“, obwohl er gegenüber der „Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) einräumt, dass die Art des Produkts in dieser Form neu sei für den deutschsprachigen Markt. Trotzdem habe Panini „keine Sekunde gezögert, das Produkt zu machen“.

„Das wäre ihr Preis gewesen!“

Und noch was: Anders als bei den legendären Panini-WM-Heften soll es in „Mein Papst“ keine Aufkleber zum Tauschen geben. Schade! Genau darauf hätten sich Papst-Fans so gefreut. Wie sagte schon der große Rudi Carrell (1934-2006): „Das wäre ihr Preis gewesen!“

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