Die Barbarossakirche am Fuße des Hohenstaufen steht leer. Die evangelische Kirche kann sich den Unterhalt des Kulturdenkmals nicht mehr leisten. Foto: Giacinto Carlucci

Die mehr als 500 Jahre alte Barbarossakirche ist wohl das bedeutendste Zeugnis mit staufischer Geschichte. Was aus ihr wird, ist derzeit völlig offen.

Die baugeschichtliche Bedeutung der Barbarossakirche ist immens. Sie ist das älteste Zeugnis staufischer Geschichte auf dem Hohenstaufen“, sagt Eva Miriam Reich-Schmidt, die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde am Hohenstaufen. Die evangelische Kirchengemeinde hat jedoch ein zweites Gotteshaus am Berg. Die Barbarossakirche war über viele Jahre an die Katholiken vermietet. Die haben den Mietvertrag aber gekündigt. Die evangelische Kirche will sich nun aus finanziellen Erwägungen von dem historisch aufgeladenen Kleinod trennen.

 

Deshalb ist derzeit offen, was aus dem Kulturdenkmal wird. „Die evangelische Kirchengemeinde Hohenstaufen und die Stadtverwaltung befinden sich aktuell in Gesprächen zur zukünftigen Nutzung der Barbarossakirche. Diese Gespräche sind noch nicht abgeschlossen“, sagt die Pfarrerin. „Das gemeinsame Ziel ist es, eine Lösung für die Zukunft der Barbarossakirche zu finden, die ihrer besonderen Bedeutung als Monument der staufischen Geschichte und bedeutendes Baudenkmal Rechnung trägt.“

Reste gotischer Wandmalereien im Innenraum

Walter Ziegler, der frühere Göppinger Kreisarchivar und ausgewiesene Staufer-Experte, kann viel über die Geschichte der Kirche erzählen. Das gilt sowohl für ihre Beziehung zum Berg und zur Burg Hohenstaufen und damit zur staufischen Geschichte als auch für die Bestrebungen des 19. Jahrhunderts, die Kirche zu einem Nationalheiligtum aufzubauen. Die evangelische Kirchengemeinde sehe sich angesichts sinkender Mitgliederzahlen und Einnahmen nicht mehr in der Lage, die Barbarossakirche dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten oder künftige Sanierungen zu schultern, stellt Pfarrerin Reich-Schmidt klar. „Deshalb möchte die Kirchengemeinde das Gebäude gerne abgeben, wünscht sich aber, dass es danach wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist.“ Im Innern finden sich neben farbverglasten Fenstern mit historischen Bezügen die Reste gotischer Wandmalereien. Der bauliche Zustand der Kirche sei derzeit gut, sagt die Pfarrerin, das Gebäude weise keine äußeren Schäden auf.

Das Äußere war zuletzt im Vorfeld des Stauferjahres 1977 saniert worden. Damals wurde auch das Dach neu gedeckt. Trotzdem müsse auch die Barbarossakirche eines Tages renoviert werden. „Längerfristig ist eine voraussichtlich kostspielige Sanierung des Dachgebälks zu erwarten.“ Die dann anfallenden Kosten könne die Kirchengemeinde Hohenstaufen nicht mehr tragen, auch weil Zuschüsse wegfallen werden. Denn die württembergische Landeskirche befindet sich insgesamt im sogenannten Oikos-Prozess, bei dem jedes Gebäude jeder Kirchengemeinde auf den Prüfstand kommt, mit der Frage, ob es von der Kirchengemeinde weiter erhalten werden kann oder nicht.

Wichtige Sehenswürdigkeit der Hohenstaufenstadt

Die Barbarossakirche befindet sich am Fuße des Hohenstaufen. Foto: imago/A. Friedrichs

„Man muss sich um die Kirche kümmern“, das ist für den Staufer-Kenner Walter Ziegler selbstverständlich. Schließlich sei das Kirchlein nicht nur ein herausragendes Kulturdenkmal, sondern im Zusammenspiel mit dem Berg und dem Dokumentationsraum für staufische Geschichte eine wichtige Sehenswürdigkeit der Hohenstaufenstadt.