Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, während einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Konsequenzen aus dem Missbrauchsgutachten des Strafrechtlers Gercke. Foto: Oliver Berg/dpa-Pool/dpa

Was und wann wusste der Kölner Kardinal Woelki von Missbrauchsvorwürfen gegen Geistlichen in dem rheinischen Erzbistum? Laut einem Medienbericht bereits seit 2010 – viel früher, als der Geistliche selbst eingestanden hatte.

Köln - Der wegen Vertuschungsvorwürfen unter Druck stehende Kölner Kardinal Rainer Woelki bistum wusste einem Medienbericht zufolge schon deutlich früher von den Missbrauchsvorwürfen gegen einen Geistlichen aus seinem Bistum als bislang bekannt.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll Woelki bereits im Jahr 2010 von einem Gemeindemitglied darüber informiert worden sein, dass der im Januar 2021 angezeigte Geistliche D. „kein normales Verhältnis zu Messdienern hatte“. Die Zeitung beruft sich auf eine interne Mitteilung des Generalvikariats.

Anzügliche Sprüche über Sauna-Besuche

In der internen Mitteilung ist von ständigen „anzüglichen“ Sprüchen des Geistlichen D. sowie von Sauna-Besuchen mit Messdienern die Rede. Der beschuldigte Geistliche hatte demnach bei einer polizeilichen Vernehmung im Jahr 2001 sexuelle Handlungen mit einem minderjährigen und obdachlosen Prostituierten eingestanden.

Laut Bericht kam im Jahr 2018 der damalige Missbrauchsermittler des Bistums zu dem Schluss, dass aufgrund der Hinweise im Jahr 2010 „weitere Schritte“ hätten eingeleitet werden müssen. Woelki hatte bei einer Pressekonferenz im März erklärt, dass er in seiner Zeit als Weihbischof von 2003 bis 2011 mit keinerlei Missbrauchsfällen konfrontiert worden sei.

Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, forderte den Rücktritt Woelkis. In der Affäre um die Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen im Kölner Erzbistum tue sich „ein Abgrund“ auf, der „wirklich unerträglich“ sei, sagte Becker.

Lesen Sie weiter: Aufklärung der Missbrauchsfälle – Der Fehler des Kardinals Woelki

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