Sabine und Christian Löw haben sich beim gemeinsamen Studium in Tübingen kennengelernt. Foto: Leonie Hemminger

Die Stephanus- und Oswald-Wolfbusch-Gemeinde begrüßen ein Pfarrer-Ehepaar.

Stuttgart-Weilimdorf - Sowohl in der Stephanusgemeinde als auch in der zu Jahresbeginn fusionierten Oswald-Wolfbusch-Gemeinde waren seit geraumer Zeit vakante Pfarrstellen zu besetzen. Dass kommendes Wochenende die Eheleute Sabine und Christian Löw Investitur feiern und künftig jeweils eine Stelle besetzen, ist kein Zufall. Denn auf lange Sicht sollen auch die Gemeinden näher zusammenrücken.

Vorerst sind die Aufgabenbereiche aber noch klar getrennt: Sabine Löw wird sich mit einer 50-Prozent-Stelle um die Oswald-Wolfbusch-Gemeinde kümmern; Christian Löw wird mit einer Vollzeitstelle in der Stephanuskirche tätig sein. Wohnort des Ehepaars und ihrer drei Kinder ist das Pfarrhaus an der Giebeler Straße. Die Jahre zuvor haben sich die Löws eine Pfarrstelle in Unterjesingen geteilt.

„Ich kann nicht vorgeben, wie die Leute zu glauben haben“

Christian Löw, der in der Nähe von Nürnberg aufgewachsen ist, hat sich zum Ziel gesetzt, sich intensiv mit den Gemeindemitgliedern auszutauschen und sie stärker in das Gemeindeleben und die Gottesdienste einzubinden. „Wir leben in einer Zeit, in der Leute nicht mehr bereit sind, in die Kirche zu gehen, um dort die Wahrheit zu hören“, sagt der 40-Jährige. Vielmehr sei es heute normal geworden, dass die Menschen mitreden und ihre Erfahrungen einbringen möchten. Er wolle den Gemeindegliedern nicht von oben herab den Glauben verkünden, sondern gemeinsam mit ihnen darüber sprechen. „Ich kann nicht vorgeben, wie die Leute zu glauben haben“, sagt Löw, der bis zum Alter von 22 Jahren katholisch war. „Aber ich habe ihnen dank meiner Ausbildung ein gutes Wissen von der christlichen Tradition voraus und kann ihnen eine Interpretation anbieten.“

Die Zukunft der evangelischen Kirche sieht Christian Löw nicht mit Sorge, sondern mit Neugier. „Wie sich Kirche wandelt und verändert, finde ich spannend.“ Dass die Mitgliederzahlen sinken, halte er für einen positiven Reinigungsprozess, der weg wasche, was falsche Fassade gewesen sei. Lange Zeit sei es schlichtweg Konvention gewesen, in der Kirche zu sein – ohne dass eine wirkliche innere Überzeugung da gewesen sei. Andere Länder wie Schottland, wo nur noch rund sieben Prozent der Landeskirche angehörten, hätten diesen Prozess bereits hinter sich. „Ich bin gespannt, wie sich das bei uns entwickeln wird“, sagt Christian Löw.

Ernst nehmen, was von der Gemeinde angestoßen wird

Wie sich seine Vorstellung vom gemeinsamen Kommunizieren und einander Zuhören im Kirchenalltag umsetzen lassen wird, davon hat Löw noch keine konkrete Vorstellung. „Das braucht viel Zeit“, ist er sich sicher. Auch wolle er nicht von heute auf morgen alles umkrempeln, sondern behutsam vorgehen und ernst nehmen, was von der Gemeinde angestoßen wird.

Sabine Löw, die auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen ist, legt bei ihrer Arbeit als Pfarrerin Wert darauf, mit vielen Leuten zusammen die Gemeinde zu gestalten. Daher gefällt ihr auch ihr neuer Arbeitsplatz im Gemeindebüro an der Ludmannstraße besonders gut, wo außer ihr auch Jugendreferenten und Kirchenpfleger arbeiten und der Weltladen untergebracht ist. „Ich möchte nicht als Pfarrerin die Galionsfigur für einen Kirchturm sein“, erklärt die 40-Jährige. „Wir sollten die Kompetenz, die jeder einzelne als Christ mit in die Gemeinde einbringt, ernster nehmen und uns auf Augenhöhe begegnen.“

Die Sterbebegleitung liegt ihr am Herzen

Außer ihrer Affinität zur Jugendkirche liegt der Pfarrerstochter auch die Sterbebegleitung am Herzen. Gottesdienste wird sie nicht nur in der Oswaldkirche, sondern auch in der Altenwohnanlage am Lindenbachsee halten. Dass sich erst kürzlich die Oswald- mit der Wolfbuschgemeinde zusammengetan hat, gefällt Sabine Löw gut. „Ich finde das inspirierend. Das macht meine Arbeit noch bunter.“

Nebenbei wird Sabine Löw auch für die Landessynode, das baden-württembergische Kirchenparlament, kandidieren. Bei den Sitzungen, die dreimal im Jahr stattfinden, geht es ganz allgemein um die Gestaltung und Organisation der Württembergischen Landeskirche. „Ich möchte nicht nur die eigene Gemeinde gestalten, sondern kirchenpolitisch aktiv sein“, erklärt sie ihr Engagement für das Ehrenamt. Lachend ergänzt sie: „Ich will das nicht nur die üblichen Männer machen lassen.“

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