Ulrich Hörrmann ist offiziell in seinen Dienst eingesetzt. Als persönlicher Anker für seine Arbeit sieht er seine Stärken in der seelsorgerischen Fähigkeit und dem Geschick, als Manager die Fäden in der Hand zu halten und dabei im intensiven Austausch mit seinen Mitmenschen zu sein.
Recht unruhig geht es zu in diesen Tagen. Davon bleibt auch das Kirchberger Pfarrhaus in der Zaiselgasse nicht verschont. Dessen Chef, Pfarrer Ulrich Hörrmann, düst dynamisch durch das Haus und schwenkt blitzschnell von den vielen Pflichten und Aufgaben, die ihn beschäftigen, auf das Interview mit unserer Zeitung um.
Trotzdem bleibt der Eindruck: da steckt mächtig Druck im Kessel. Wie sollte es auch anders sein? Der Mann ist gerade mal vier Wochen in jener Gemeinde, in die er sich auf einen Lockruf hin, als Pfarrer beworben hat. Die Wohnung, in der er mit seiner Ehefrau Helga lebt, sieht mittlerweile gemütlich aus. „Das ist der Verdienst meiner Frau“, sagt er. Am vergangenen Sonntag wurde Ulrich Hörrmann erst offiziell in den Dienst für die evangelische Kirchengemeinde Kirchberg eingesetzt, dabei steckt er bereits mitten drin im Alltagswahnsinn. Zu dessen Herausforderungen zählen auch die drei Pflegekinder der Hörrmanns . Denn Celina, Anna-Lena und Samuel hatten alles andere als einen leichten Start ins Leben. Durch ihre biologischen Eltern haben sie zahlreiche Verletzungen, seelische wie körperliche, erfahren. Auch wenn die drei Zöglinge im Alter von 19 bis 22 Jahren inzwischen als erwachsen gelten: Das Kümmern und die Sorgen sind für die beiden Hörrmanns allgegenwärtig. „Wir werden oft ad hoc vor ständig neue Probleme gestellt.“
Drei Pflegekinder
Ein Leben ohne Kinder wäre für das Paar, das keine leiblichen Kinder bekommen konnte, undenkbar gewesen. „Wir beide sind absolute Familienmenschen“, betont Ulrich Hörrmann, der den Schritt, Pflegevater zu sein, nie bereut hat. „Wir erleben Familie als etwas sehr Schönes“, sagt der Pfarrer, der seit August auch eine Enkeltochter hat.
In der Landwirtschaft groß geworden
Helga und Ulrich Hörrmann sind beide an sechster Stelle in der Geschwisterfolge geboren. So etwas prägt. Hörrmann selbst ist in der Landwirtschaft groß geworden. Doch für seine Berufswahl stellte das kein Hindernis dar. „Unser Vater ist sehr weitsichtig gewesen und hat uns Kindern viel Freiheit gelassen“, erklärt Hörrmann, der in Schwäbisch Hall geboren wurde. Außerdem hat der Vater sich im Gemeinderat ebenso wie im Kirchengemeinderat engagiert. „Ich wurde also von klein auf im christlichen Glauben erzogen“, sagt Hörrmann.
Als Zehntklässler habe er bei einem Pfingstmissionstreffen einen „unmissverständlichen Ruf von Gott“ erhalten, erinnert sich der Geistliche. Den Ruf habe er jedoch erst einmal weit von sich geschoben. „Ich sah mich immer als Naturwissenschaftler, wollte gerne Chemie studieren. Ausreden, dass ich für das Pfarramt weniger begabt sei, fand ich zu dieser Zeit viele“, erinnert sich der 58-Jährige, der in Kirchberg vermutlich seine letzte ständige Dienststelle als Pfarrer antritt. Bis zum Beginn seines Theologiestudiums 1987 in Tübingen, machte er noch kleinere Umwege und überwand noch das ein oder andere Hindernis. Heute ist für Ulrich Hörrmann sternenklar: „Ohne Glaube könnte ich nicht leben. Er stellt das tragende Fundament in meinem Leben dar.“
Zweifel in Luft aufgelöst
Er habe erlebt, dass Gott den, den er beruft, auch begabt und auf seinem Weg hilft. Fast beschämt habe er festgestellt, als es ihm sogar zu Examenszeiten leicht fiel, zu lernen, dass er von Gott geführt werde. „Und ich war früher jemand, der diesbezüglich sehr an sich zweifelte.“ Diese Zweifel haben sich bei den meist langjährigen Pfarramts-Tätigkeiten wie in Beilstein-Billensbach, Kaisersbach oder Brackenheim-Botenheim, wo er zu einem Viertel in der Krankenhaus-Seelsorge und zu 75 Prozent als Gemeindepfarrer in Botenheim tätig war, vermutlich rasch in Luft aufgelöst.
Aktuell blickt Hörrmann frohgemut auf seine neue Aufgabe in Kirchberg. „Es ist eine sehr lebendige Gemeinde mit vielen Chören, Gruppen und Kreisen. Es ist eine vitale Vielfalt, die ich begleiten, erhalten und im starken Glauben weiterführen möchte, um zudem möglichst viele Menschen für das Christ sein zu erwecken“, beschreibt er seine Ziele.
Hörrmann, mit dem es leicht fällt über Gott und die Welt zu reden, und der mit Freude und Begeisterungskraft gar leidenschaftlich kommuniziert, sieht sich nicht als Einzelkämpfer. „Ich habe hier gute Leute um mich herum. Ich bin sehr gespannt, wie ich mit allem klar komme.“ Als persönlicher Anker für die Funktion des Pfarrers sieht er seine Stärken in der seelsorgerischen Fähigkeit und dem Geschick, als Manager die Fäden in der Hand zu halten und dabei im intensiven Austausch mit seinen Mitmenschen zu sein. Nicht zu vergessen: Gottes Wort und das Gebet. Das ist dem Geistlichen - auch was die Gemeinschaft anbetrifft - äußerst wichtig.