Es gibt so viel zu erleben, doch es bleibt so wenig Zeit: Lilli Maier (2. v.li.) spielt das unheilbare Kind, hier an der Seite von Filmvater Peter Ketnath. Foto: Petsch

„Soko“-Darsteller Peter Ketnath spielt mit in einem Kinospot für das Kinderhospiz Stuttgart.

Stuttgart - "So viel zu erleben. So wenig Zeit" - die Schrift, die am Ende des 40 Sekunden langen Spots erscheinen soll, wird wehtun. Stuttgarter Filmschaffende drehen mit "Soko"-Kommissar Peter Ketnath Kinowerbung, um Spenden für das geplante Kinderhospiz zu sammeln.

Es könnte alles so schön sein - und in diesem Moment ist alles auch noch so schön. Auf dem Kinderspielplatz lernen sich unter der Spätsommersonne ein Junge (gespielt von Benno Herz) und ein Mädchen (alias Lilli Maier) kennen. Der Junge schlägt vor, Sandburgen zu bauen. Wenig später ist der Kleine mit einer putzigen , windschiefen Burg fertig. Als sich der Junge nach dem Mädchen umschaut, stockt ihm der Atem: Seine Spielgefährtin - ihr Vater wird von TV-Star Peter Ketnath dargestellt - hat ein wahres Wunder aus Sand gebaut: Drei Meter groß ist ihr Schloss Neuschwanstein. Gerade verziert sie noch das letzte Türmchen.

Wilde Loopings um das Schaukelgerüst

So geht das immer weiter. Beim Schaukeln traut sich der ängstliche Junge nicht besonders weit hoch - das Mädchen hingegen dreht wilde Loopings um das Schaukelgerüst herum. Was der Junge nicht weiß: Dem Mädchen bleibt nicht mehr viel Zeit. "Weißt du", sagt die Kleine schließlich, "bald bin ich da." Sie deutet unbestimmt nach oben.

Im Kinospot wird später in diesen wolkenlosen Bilderbuchhimmel die so schmerzhafte Schrift eingebildet: "So viel zu erleben. So wenig Zeit." Noch einmal werden die Zuschauer die Schaukel sehen. Jetzt ist dort niemand mehr. Langsam schwingt die Schaukel aus und steht.

Ausgedacht hat sich die Szene der Stuttgarter Drehbuchautor Simon Rost, der für den deutschen Comedypreis nominiert ist, mit diesem Film aber beweist, dass er nicht nur Witze machen kann.

Auf der Internetseite des vor fast 25 Jahren gegründeten Stuttgarter Hospizes steht ein Spruch von Cicely Saundfers. "Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben."

Wer weiß schon, wie viele Tage uns noch bleiben? Auch bei gesunden Menschen kann dies niemand sagen. Bei Kindern sollte die Gewissheit doch groß sein, dass sie ihr Leben noch vor sich haben. Kaum ein Schicksal wühlt so sehr auf wie der drohende Tod eines Kindes. Für einen Filmemacher ist dies eine enorme Herausforderung. Der Grat zwischen Kitsch, Peinlichkeit und Tränen ist schmal. Bleibt da auch noch Platz für Hoffnung und für Freude am Leben?

Ketnath spielt ohne Gage

Ketnath spielt ohne Gage

"Der Tod ist die einzige sichere, unausweichliche Instanz im Leben", sagt der "Soko"-Darsteller Peter Ketnath und denkt weiter nach: "Das Wissen um den Tod macht das Leben eigentlich noch lebenswerter, und in diesem Bewusstsein kann man das Leben auch leichter nehmen und sich etwa bestimmten Prioritäten widmen."

Als der 37-Jährige vom Projekt des Hospiz-Spots hörte, sagte er sofort zu, ohne Gage mitzuspielen. Durch einen Zufall fing alles an. Kameramann Peter Schöllhorn stand im Stau und sah auf dem Auto seines Vordermanns einen Aufkleber mit der Aufschrift "Kinderhospiz". Das machte ihn neugierig. Der Kameramann hatte eine Idee und überzeugte sofort den Produzenten Moritz Schreiner und den Autor Simon Rost davon. 38 Beteiligte haben den Kinospot an zwei Tagen auf einer Wiese zwischen Stuttgart und Leonberg gedreht. Am 20. November soll er in die Stuttgarter Kinos kommen.

Wird es ein trauriger Werbespot in meist lustigen Kinostunden? "Der fertige Spot wird einige Überraschungen für den Zuschauer parat haben", glaubt Peter Ketnath, "er wird gar nicht traurig oder todesnah wirken, sondern positiv und lebensfroh."

Den Tiefgang erhalte der Spot erst ganz zum Schluss, "sozusagen mit der Pointe". In seiner "sehr filmischen Umsetzung" werde er sich "sehr gut" in das Kinovorprogramm einfügen und auf ein "wichtiges, verdrängtes Thema" hinweisen, sagt der "Soko"-Schauspieler. Das Leben duldet keinen Aufschub und muss gelebt werden. Je früher man damit anfängt, umso besser.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: