Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) im Einsatz Foto: Universum

Luc Besson hat sich an einen Lieblings-Comic seiner Jugend „Valerian und Veronique“ gewagt und ihn als „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ verfilmt. Zündet diese Science Fiction aus den Sechzigern heute noch?

Stuttgart - Ein Planet wird zerstört und die Seele einer Prinzessin sucht einen Retter für die Überlebenden ihres Volkes – so beginnt das Abenteuer des Weltraumagenten Valerian (Dane DeHaan). Mit seiner Kollegin Laureline (Cara Delevingne) versucht er, im Jahr 2740 in einem unübersichtlichen Universum für Ordnung zu sorgen. Aktuell sollen sie einem Gangster das letzte Exemplar einer illustren Tierart entwenden. Wie sich herausstellt, hat selbiges einen Bezug zu besagter Prinzessin – sowie zum seltsamen Gebaren des Commanders (Clive Owen) in der Weltraumstadt Alpha, in der Wesen aus allen Teilen des Universums das Weltwissen miteinander teilen.

Der französische Filmemacher Luc Besson (58, „Léon, der Profi“, „Lucy“) fordert Hollywood heraus, was an sich schon keine Kleinigkeit ist. Und er tut es mit einem französischen Stoff, der es in sich hat. Als Kind, so will es die Legende, hat Besson die Comic-Abenteuer „Valérien et Laureline“ (deutsch: „Valerian und Veronique“) entdeckt, die der Autor Pierre Christin und der Zeichner Jean-Claude Mézières von 1967 an veröffentlichten.

Wer hat da wohl von wem geklaut?

Besson engagierte Mézières schon fürs Design seines Spektakels „Das Fünfte Element“ (1997); 2006 produzierte er eine französisch-japanische Zeichentrickserie mit, die auf den Comics basiert. Die aber gelten als Inspirationsquelle für „Star Wars“ (1977), was George Lucas trotz vieler Indizien nie bestätigt hat. Mézières kommentierte das 1983 mit einer Zeichnung – Prinzessin Leia und Han Solo begegnen in einem Weltraumlokal Valérian und Laureline, welche sagt: „Wir sind hier schon lange Stammgäste.“ Besson muss nun damit leben, dass das Raumschiff seiner Helden, obwohl es zuerst da war, von einer Mehrheit der Zuschauer für einen Abklatsch des Millenium-Falken gehalten wird. Außerdem sind ihm die „Guardians Of The Galaxy“ dazwischengekommen, die zwar aus dem Marvel-Superhelden-Universum stammen, als skurrile Weltraumfreaks aber einen ähnlich humoristischen Tonfall pflegen wie Valerian und Laureline.

An Einfallsreichtum mangelt es Besson nicht, im Gegenteil: Was er an fremden Welten, seltsamen Kreaturen und technischen Gimmicks aufbietet, würde anderen für drei Filme reichen. Der Diebstahl des Tiers, ein Coup im klassischen Stil, findet in einem Vergnügungspark statt, in dem sich physische, virtuelle und augmentierte Realität auf sehr komplexe Art mischen – Valerian hängt für kurze Zeit zwischen den Welten. Hier nach logischen Löchern zu suchen, ginge am Punkt vorbei: Der Kommentar zu Verwirrungen und Verwechslungen des digitalen Zeitalters sitzt.

Popstar Rihanna zeigt Tiefe

Überhaupt hat „Valerian“ seine stärksten Momente, wenn Kreaturen und Ereignisse die Fantasie kitzeln und vom letztlich schlichten Plot ablenken. Herausragend ist eine Sequenz, in der Valerian Laureline aus der Hand barbarischer Trolle retten muss. Dazu braucht er die Hilfe von Bubble, einer Gestaltwandlerin von geradezu magischer Geschmeidigkeit, deren nachvollziehbare Identitätskrise wunderbar ausgespielt wird. Popstar Rihanna zeigt hier eine Darstellung von beeindruckender Tiefe.

Sehen Sie hier den Trailer zum Film:

Der Britin Cara Delevingne(„Suicide Squad“) gelingt es als Laureline, allein durch Körpersprache glaubhaft zu vermitteln, dass attraktive blonde Mädchen nicht nur klug, sondern auch extrem tough sein können. Dane DeHaan tut sich schwerer als tollkühner Lausbub, der Frauen sammelt wie Trophäen: In Action-Sequenzen agiert er leichtfüßig, wenn er Charakter zeigen soll, wird sein Valerian hölzern – ­etwa, wenn ihn seine Partnerin ein weiteres Mal kühl ablaufen lässt.

Clive Owen verleiht dem Commander die Züge eines irren Egomanen, der wirklich glaubt, nicht anders handeln zu können als falsch – was durchaus als Satire auf reale Kommandeure der Gegenwart verstanden werden darf. Ethan Hawke gibt einen überaus einnehmenden Weltraumcowboy und Zuhälter, Jazz-Star Herbie Hancock irrt als Minister durchs Bild und Rutger Hauer – Achtung: „Blade Runner“! – als intergalaktischer Präsident.

Probleme mit dem Comic-Look

Die Tricks sind überwiegend eindrucksvoll, auch bei einer Weltraumschlacht, nur in einem Punkt schwächelt Besson: Der untergehende Südsee-Planet und dessen Bewohner wirken total unecht. In Interviews verweist er auf eine beabsichtigte ­ Comic-Anmutung, an der Wirkung auf die Kinozuschauer ändert das gar nichts.

Nicht nur hier verspielt Besson Kapital, sondern auch in der spannungsreichen Grundanordnung. Wenn eine noble weibliche Alien-Seele Einfluss auf einen menschlichen Macho-Schwerenöter bekommt, muss mehr dabei herausspringen als ein paar Dialogsätze. Auch das Verhältnis von Valerian und Laureline hätte sich weniger pathetisch entwickeln dürfen, gerade im Hinblick auf eine Fortsetzung. Das Drehbuch dazu dürfte Besson schon in der Schublade haben.

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten. Frankreich 2017. Regie: Luc Besson. Mit Cara Delevigne, Dane De Haan, Clive Owen, Ethan Hawke. 138 Minuten. Ab 12 Jahren.

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