Kinokritik zu The Cleaners Putzkolonnen fürs Internet

Von Thomas Klingenmaier 

In den  Armenvierteln etwa von Manila spürt „The Cleaners die Menschen auf, die im Dienst von Google, Facebook und Co. Unerwünschtes aus dem Netz löschen sollen. Foto: Gebrüder Beetz Filmproduktion
In den Armenvierteln etwa von Manila spürt „The Cleaners" die Menschen auf, die im Dienst von Google, Facebook und Co. Unerwünschtes aus dem Netz löschen sollen. Foto: Gebrüder Beetz Filmproduktion

Hetze und Hasspredigten, Kinderpornografie und Gewaltvideos – all das wollen Facebook, Google, Twitter und andere Internetfirmen löschen. Der Dokumentarfilm „The Cleaners“ lässt die Billiglohnkräfte zu Wort kommen, die unter großem Druck diese heikle Aufgabe bewältigen müssen.

Stuttgart - Einen ganzen Tag in den sozialen Netzwerken zuzubringen – für viele mag das wie eine Mischung aus Faulenzerei und Fremdschäm-Rallye klingen. Für manche Menschen aber ist das seelenzermürbende Arbeit. Der deutsche Dokumentarfilm „The Cleaners“ von Hans Block und Moritz Riesewieck erzählt von ihnen – von den Putzkolonnen des Internets, von den Zensoren im Dienst von Twitter, Facebook und Google, die Hass und Hetze, Pornos und Gewaltvideos verschwinden lassen sollen. Bis zu 25 000 Fotos und Videos pro Arbeitstag muss so ein Cleaner prüfen, die Entscheidungen über Löschen oder Belassen fallen meist im Sekundentakt.

Rund um die Welt, sagen die Giganten der Internetkommunikation, hätten sie Spezialisten sitzen, die für Sicherheit im Cyberspace sorgten. Mit der ganzen Welt aber sind vor allem Billiglohnländer gemeint. So wie Giftmüll in die Ferne verschifft wird, werden auch die virtuellen Toxine den Ärmeren aufgebürdet.

Hetze, Kunst und Filterblasen

„The Cleaners“ schafft es, erstaunlich viele Aspekte des Problems kenntlich zu machen, vom hohen Arbeitsdruck und dem Lohndumping über die seelische Erschöpfung bis hin zur Frage der Wertigkeiten. Was ist politische Meinungsäußerung, was Hetze? Was ist Kunst, was Pornografie? Wie sollen Facebook, Google & Co. mit den Lösch- und Blockadeforderungen von autoritären Regimen umgehen? Wann wird aus Entfernung des angeblich Anstößigen das Hartschalen-Tuning für Filterblasen, deren Insassen andere Weltbilder nicht akzeptieren wollen?

In „The Cleaners“ behält das alles eine menschliche Dimension, die der völligen Überforderung. Verantwortliche der Konzerne wollten sich der Kamera nicht stellen, die Cleaner selbst haben natürlich Maulkorbparagrafen in ihren Arbeitsverträgen. Dass sie hier trotzdem sprechen, erscheint wie ein Hilferuf.

The Cleaners. Deutschland 2018. Regie: Hans Block und Moritz Riesewieck. Dokumentarfilm. 88 Minuten. Ab 12 Jahren.

Termin: Am 20. Mai 2018 um 20 Uhr kommen die Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck persönlich zur Vorstellung ins Stuttgarter Kino Delphi.

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