Kinokritik zu Mamma Mia! Here we go again Irrfahrt durch den Abba-Zirkus

Von Sabine Fischer 

Mit „Dancing Queen“, „Waterloo“ und Co. wurde die Musical-Verfilmung „Mamma Mia“ vor 10 Jahren zum Überraschungshit. Jetzt zieht Regisseur Ol Parker nach – und vergeigt seine Chance gewaltig.

Stuttgart - Und schon wieder die Discokugel. Schwungvoll reißt sich Uni-Absolventin Donna (Lily James) die Robe vom Körper. Darunter: Schrille Schlaghosen und Glitzermikrofon. Zwischen schockierten Professorengesichtern trällert sie sich dann durchs spießige Oxford. Die Botschaft: Freiheit statt Elitezirkus. Aber...Moment mal. Hat man das nicht schon mal gehört? Stimmt. Vor genau zehn Jahren wurde Meryl Streep als forsche Donna in Latzhose und Plateau-Boots zum Überraschungshit an der Kinokasse. Damals hielt sich die Musical-Verfilmung „Mamma Mia!“ dank Star-Besetzung und einer ganzen Reihe an Abba-Evergreens über Wochen im Programm.

Mit der Retro-Komödie „Mamma Mia! Here we go again“ will Regisseur Ol Parker an den einstigen Erfolg anknüpfen. Doch Fortsetzungen haben bekanntlich ihre Tücken. So auch diese: Die schwerfällige Produktion verrennt sich zusehends in Plattitüden und serviert statt liebevoller 70er-Nostalgie nur noch ein billig arrangiertes Abba-Wirrwarr.

Statt Abba-Nostalgie nur lieblose Klischees

Inhaltlich hangelt sich der Film dabei an zwei Handlungssträngen entlang: Auf der einen Seite begleitet er die ehrgeizige Sophie (Amanda Seyfried), die nach dem Tod von Hippie-Mama Donna nun deren Lebenstraum erfüllt und ein Hotel auf der griechischen Insel Kalokairi eröffnet. Während Sophie von einer Krise in die nächste stürzt, springt der Film immer wieder in die 70er Jahre und zeigt, wie die junge Donna vor Jahren selbst im heutigen Ferienparadies ankam. Hier beginnt auch das Problem des Films. Denn Parker gibt keiner der beiden Geschichten die Chance, mitreißend zu werden. Stattdessen wird die melancholische Grundstimmung der glattgebügelten Oberfläche einer Produktion geopfert, die um alles in der Welt Nostalgie erzeugen will – und kläglich scheitert.

Zwar gibt es ein Wiedersehen mit den schräg gealterten Figuren aus dem ersten Teil. Doch leider nehmen die nun kaum mehr Raum ein. Stattdessen präsentiert „Mamma Mia! Here we go again“ eine ganze Reihe fragwürdiger Highschool-Musical-Gedächtnis-Performances vor einer gespenstisch cleanen Griechenland-Kulisse, die von der kauzigen Kneipenmutter bis zum weiß-blauen Töpferwarentraum so gut wie jedes Klischee erfüllt. Dazu kommen müde inszenierte Songs, die dank Synthesizer zwar technisch passabel klingen, dank einfallsloser Performances jedoch all ihre Kraft verlieren. Und das trotz Abba.

„La La Land“ zeigt, wie’s besser geht

Dass Musical-Filme heute auch anders aussehen können, beweist zum Beispiel Oscar-Gewinner „La La Land“. Auch hier sind die Songeinlagen zwar genretypisch überdreht und performance-lastig, doch es überwiegt das feine Augenzwinkern. Statt Studioperfektion singen die Darsteller zudem wirklich – auch, wenn sich das manchmal kratzig anhört. Dass dieses Prinzip funktioniert, zeigt auch die Verfilmung von „Les Miserables“, die mit ihren schiefen Tönen authentisch klingt. Parker jedoch zeigt nicht mal einen zuckenden Adamsapfel. Willkommen beim Musical von gestern.

Mamma Mia! Here we go again. USA 2018. Regie: Ol Parker. Mit Amanda Seyfried, Pierce Brosnan, Colin Firth. 116 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.

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