Geld für Namen und neuere Autos war bei dem kleinen Budget nicht übrig: Die Figuren heißen einfach „die Alte“ (links) und „der Alte“, der Ford Escort ist Baujahr 1972. Foto: NFP

Der finnische Film „Kaffee mit Milch und Stress“ hat einen tollen Kern: Einen grantelnden alten Herrn, der seiner Mitwelt auf die Nerven geht. Aber an ähnliche Werke wie „About Schmidt“ oder „Ein Mann namens Ove“ kommt er nicht heran.

Stuttgart - Die Jugend von heute ist verweichlicht, Frauen gehören in die Küche und früher war alles besser. Auf diese Floskeln lässt sich das Weltbild des namenlosen, greisen Protagonisten in Dome Karukoskis als Komödie etikettiertem Generationendrama „Kaffee mit Milch und Stress“ herunterbrechen. Ähnlich grimmigen Kauzen konnte man schon in Filmen wie „About Schmidt“ (2002) oder „Ein Mann namens Ove“ (2016) dabei zusehen, wie sie mit dem Leben, dem Alter und jüngeren Mitmenschen haderten.

Karukoski fügt dem durchaus facettenreichen Themenkomplex nichts Neues hinzu. Dennoch könnte es lustig werden, weil der Alte (Antti Litja) einen Grantler wie aus dem Bilderbuch gibt. Lebenslang hat er mit seiner Frau, die er nur als „die Alte“ (Petra Frey) bezeichnet, in einem eigenhändig gezimmerten Holzhaus auf dem Land gelebt. Inzwischen vegetiert die Frau im Pflegeheim, die Jungs sind lange erwachsen. Als der Alte zuhause schwer stürzt, soll er zu seinem Sohn und dessen Familie in die Stadt ziehen.

Der eigene Sohn als Warmduscher

Die Probleme sind vorprogrammiert: Mit der Frau seines Sohnes, die der Alte halsstarrig nicht mit Namen rufen will, gibt es Zank über Ehe- und Berufskonzepte. Den eigenen Sohn stempelt der Vater zum Warmduscher, die an Computer gewöhnten Enkelkinder zu Technikfreaks.

Sehen Sie hier den Trailer zum Film:

Zwar wird der alte Mann in komische Situationen verwickelt, in denen seine abstrus anachronistische Weltsicht mit modernen Auffassungen gewaltig kollidiert, zum Schmunzeln ist das überraschenderweise aber nur selten. Dome Karukoski positioniert die Vergangenheit in weichgezeichneten Rückblenden als Alternative zur hektischen Gegenwart und untermalt die Szenen mit traurig bebender Musik. Der Grimm des Alten wirkt eher tragisch als skurril und in Anbetracht der Zickenlaune seiner Schwiegertochter sogar angebracht. Dass sich am Ende alle wieder lieb haben und in tolerantem Verhalten üben, ist zwar schön, nur leider viel zu einfach gedacht.

Kaffee mit Milch und Stress. Finnland 2014. Regie: Dome Karukoski. Mit Antti Litja, Petra Frey, Mari Perankoski, Iikka Forss. 104 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.

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