Kinokritik zu BlacKkKlansman Schwarzer Cop gegen weiße Rassisten

Von Kathrin Horster 

Spike Lee schildert eine unglaubliche wahre Geschichte: Ein afroamerikanischer Polizist unterwandert in den Siebzigern den Ku-Klux-Klan. Der Ton ist zwar oft humorvoll. Aber der Regisseur stellt ernste Bezüge zu den USA von heute her.

Stuttgart - Es klingt wie ein geschmackloser Witz: Ein Afroamerikaner und ein Jude melden sich beim Ku-Klux-Klan an – und werden als Mitglieder akzeptiert. Ein unglaublicher Vorgang, doch – so versichert es der Filmemacher Spike Lee mit einer Einblendung zu Beginn seines satirischen Dramas „BlacKkKlansman“ – „dieser Shit ist wirklich passiert“.

Zu Beginn der Siebziger gibt es in vielen US-Bundesstaaten nur wenige Cops mit dunkler Haut, Ron Stallworth (John David Washington) will einer von ihnen sein. Als er bei der örtlichen Dienststelle vorspricht, wird er zwar prompt eingestellt, zunächst aber im Aktenarchiv versteckt. Später soll er als Undercover-Spitzel ausgerechnet das Gewaltpotenzial bei Kundgebungen der Black-Power-Bewegung beurteilen.

Folgenreicher Anruf

Beeindruckt von einer flammenden Rede des Bürgerrechtlers Stokely Carmichael und von den starken Grundsätzen der Studentenführerin Patrice Dumas (Laura Harrier) beginnt sich der bis dahin eher unpolitische Ron mit dem Problem des Rassismus auseinanderzusetzen. Aus einer spontanen Eingebung heraus ruft er beim Ku-Klux-Klan an und gibt sich als überzeugter Schwarzenhasser aus. Zu seiner Überraschung wird er zum Kennenlernen geladen. Nun muss er seinen weißen, allerdings jüdischen Kollegen Flip Zimmerman (Adam Driver) ins Boot holen.

Als Arbeitsgrundlage dienten Lee die Memoiren des echten Ron Stallworth. Der infiltrierte erfolgreich den extrem aggressiven Klan und deckte mit seinem Kollegen ein Attentatskomplott auf. Angesichts der jüngsten rassistischen Ausschreitungen in den USA wie etwa in Charlottesville 2017 ist der Tonfall des Films jedoch erstaunlich humorvoll.

Gruppenbild der Neonazis

Wie riskant der Einsatz für Stallworth und Zimmerman damals war, unterschlägt Lee dennoch in keiner Sekunde. Besonders eindringlich gelingt die Charakterisierung der verschiedenen sozialen Gruppen. Zwischen dem weißen, teils erzkonservativen Polizeikollegium, der Gruppe afroamerikanischer Bürgerrechtler und der Clique der Neonazis, die sich in gefährlich smarte Anführer, fanatische Glaubenskrieger und tumb-versoffene Hinterwäldler gliedert, liegen Welten. Ron überwindet in seiner Ermittlungsarbeit sämtliche Grenzen und stellt sogar telefonisch Kontakt her zu David Duke (Topher Grace), dem Mastermind des Klans.

So unangenehm diese Gespräche auch sind; in Lees Darstellung wirken sie grimmig komisch. Einmal behauptet Duke während eines Telefonats mit Ron, er könne allein am Tonfall erkennen, ob er es mit einem Weißen oder einem Schwarzen zu tun habe. Doch es gibt auch dunkle Momente, etwa wenn ein greiser Bürgerrechtsaktivist (Harry Belafonte) die Folterung und Ermordung eines schwarzen, geistig behinderten Jungen schildert, dem man 1916 vorgeworfen hatte, eine weiße Frau vergewaltigt zu haben.

Ein giftiger Film

Immer wieder verweist Lee auf die historische Linie des Rassismus, thematisiert etwa die Begeisterung der Klan-Mitglieder für D. W. Griffith’ martialischen Stummfilmklassiker „Birth of a Nation“ von 1915. Der propagiert offen ein rassistisches Menschenbild. Griffith verherrlichte auch den damals nur noch unbedeutenden Ku-Klux-Klan und verschaffte ihm so neue Aufmerksamkeit.

Im Gegensatz dazu diskutiert Ron mit Freundin Patrice über die in den Siebzigern erfolgreichen Blaxploitation-Filme, die damals das afroamerikanische Zielpublikum spalteten. Während Ron Werke wie den Detektiv-Streifen „Shaft“ schätzt, schmäht Patrice sie als Märchen ohne Anbindung an die Realität schwarzer Bürgerinnen und Bürger.

Ein Bogen in die Gegenwart

Spike Lee stellt klar, dass sich an der Zweiteilung der Lebenswelten von weißen und schwarzen US-Bürgern bis heute nicht viel geändert hat. Er schlägt einen finalen Bogen bis in unsere Gegenwart, mit Dokumentaraufnahmen von den Neo-Nazi-Aufmärschen in Charlottesville und vom Anschlag auf eine Demo, bei der ein Neonazi mit seinem Wagen in die Menge fuhr. Dass Spike Lee seinen Film der dabei getöteten Weißen Heather Heyer widmet, ist ein starkes, auf Verbrüderung zielendes Statement – pure Subversion in Zeiten von Donald Trump.

BlacKkKlansman. USA 2018. Regie: Spike Lee. Mit John David Washington, Laura Harrier, Adam Driver, Topher Grace. 136 Minuten. Ab 12 Jahren.

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