Farbenfrohe Samenpracht: unterschiedliche Maiskolben Foto: Verleih

Der Dokumentarfilm plädiert für Saatgutvielfalt, zeigt die Bedrohungen und macht trotz allem Hoffnung.

Stuttgart - Die US-Dokumentarfilmer Taggart Siegel und Jonathan Betzler gehen nicht in die Depressionsfalle: ­Zunächst zeigen sie leinwandfüllend, wie bunt und vielgestaltig Pflanzensamen sind, dann ­Samensammler, Bürgerrechtler, Bio-Professoren und Ökoaktivisten, die sich weltweit für Saatgutvielfalt und verträgliche Landwirtschaft einsetzen – und gegen die Gier von Konzernen, gegen die Bedrohung durch Hybridsaatgut und Pestizide.

Die Faktenlage ist erdrückend, und die Filmemacher bemühen sich gar nicht erst um Neutralität. Sie zeigen die Brutalität von Firmen wie Monsanto, die Herbizide wie Glyphosat herstellen, vor allem aber gentechnisch verändertes Saatgut, das immer nachgekauft werden muss und Bauern in Abhängigkeit bringt. Taggart und Siegel reisen nach Indien, wo sich 2700 Bauern nach schlechten Ernten das Leben nahmen, weil sie ruiniert waren, und auf die Hawaii-Insel Kauai, wo Konzerne frühere Zuckerrohrplantagen zu Testfeldern für Hybridsaatgut und Pestizide gemacht haben und die Krebsrate stark anstieg. US-Weizenfarmer klagen, benachbarte Hy­bridfelder hätten ihr natürliches Saatgut verunreinigt. Eine „Atombombe der Landwirtschaft“ nennt eine Forscherin Hybridsaatgut, der Film zeigt Verstrickungen von Konzernen und Politik.

Der Esprit der Bewahrer wirkt ansteckend

Geschickt setzen die Regisseure ihre Schauplätze, darunter auch Peru und Mexiko, als natürlich blühende Landschaften ins Bild. Denn letztlich geht es ihnen vor allem um Hoffnung, um die vielen Menschen weltweit, die Samen sammeln, bewahren und weitergeben. Siegel und Betzler bieten als Kronzeugen starke, mutige Charaktere auf, deren Esprit anstecken wirkt, darunter einige amerikanische Ureinwohner.

Die Anishinabe in Minnesota etwa haben erfolgreich erstritten, dass Monsanto ihren wilden Reis nicht patentieren durfte. Und ein Hopi zeigt stolz den blauen Mais, der seit Jahrhunderten prächtig gedeiht in der Wüste von Arizona – ganz ohne biologische und chemische Eingriffe und völlig unbeleckt von der zerstörerischen Gier nach kurzfristiger Rendite.

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