Martina Gedeck (links), Ulrich Tukur und Angelika Thomas in „Und wer nimmt den Hund?“ Foto: Degeto Film/Relevant Film/Boris Laewen

In dieser deutschen Komödie legt ein Paar seine 25 Ehejahre bei der Psychologin auf die Couch.

Stuttgart - Rainer Kaufmann kennt sich aus mit Beziehungskisten. Mitte der 90er brachte er das deutsche Komödienkino in Schwung, mal mit dem amourös-verstrickten „Stadtgespräch“ (1995), mal mit der mordlüsternen Ingrid-Noll-Verfilmung „Die Apothekerin“ (1997). Danach verlegte er sich aufs Fernsehen, im Kino war er zuletzt mit der köstlichen Adaption von Martin Walsers Novelle „Ein fliehendes Pferd“ (2007) mit Ulrich Tukur. Der steht auch in Kaufmanns neuer Komödie im Zentrum, nicht neben dessen Stammschauspielerin Katja Riemann, sondern neben Martina Gedeck. Die beiden mimen ein unglückliches Paar, das nach 25 Jahren die Ehe nicht abrupt enden lässt, sondern begleitet von einer Therapeutin (Angelika Thomas). Die Gründe sind so banal wie die meisten Beziehungen: Er, ein Meeresbiologe, verliebt sich in seine jüngere Assistentin (Lucie Heinze), sie, Mutter, Hausfrau und Minijobberin, fühlt sich nicht wertgeschätzt.

Was ein wortwitziger Schlagabtausch der Geschlechter hätte werden können, gerät schnell zur einschläfernden Wortlast. Obwohl keine literarische Vorlage zugrunde liegt, erinnern Martin Rauhaus’ Drehbuch und Kaufmanns Umsetzung an Theater. Gespräch folgt Gespräch, häufig in Räumen, die an eine Bühne erinnern. Die Dialoge sind durchaus gut geschrieben, doch zünden nur wenige Pointen. Und die Verrücktheiten, zu denen sich die beiden Spießbürger erst in ihrer Midlife-Crisis aufschwingen – sie fackelt ein Auto ab und klaut ein Kunstwerk im Museum, er schlitzt einem Konkurrenten die Reifen auf – wirken furchtbar aufgesetzt.

Nur die lateinamerikanische Musik bringt etwas Schwung, sonst herrscht Stillstand in einem Film, der von der ersten Minute nicht recht vom Fleck kommt.

Und wer nimmt den Hund? Deutschland 2019. Regie: Rainer Kaufmann. Mit Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Lucie Heinze, Angelika Thomas. 89 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.

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