Neugierig betrachten die Yetis den menschlichen Ankömmling Percy. Foto: Verleih

Das Animationsabenteuer gibt Einblicke in die skurrile Welt der Yetis, die unbehelligt im Himalaya leben – bis eines Tages ein Mensch bei ihnen auftaucht.

Stuttgart - Unbemerkt von den Menschen existiert hoch oben im Himalaja ein Dorf voller Yetis – und der Protagonist Migo trällert eine Lobeshymne auf seine raue Welt, in der alles seine Ordnung hat und jeder eine Aufgabe. Mit seinem Vater Dorgle gewährleistet Migo, dass „die große Himmelsschnecke über den Berg kriecht“ – indem er den behelmten Papa jeden Morgen gegen einen Gong katapultiert. Ob die Sonne auch ohne Ritual aufginge? Solche Fragen stellen die zotteligen Bergbewohner nicht, ihnen genügt das in Stein gemeißelte Gesetz und dessen Hüter. Meechee aber, die Tochter des Chefs, möchte beweisen, dass es „Smallfoots“ gibt, wie die Yetis die Menschen nennen. Und als Migo in ­Ungnade fällt, schickt sie ihn auf Spurensuche ins Tal. Er kommt mit dem abgehalfterten menschlichen Tierfilmer Percy zurück, der wiederum den großen Coup wittert.

Kirkpatrick kennt sich mit animierten Parallelgesellschaften aus, er schrieb an „Chicken Run“ (2000) mit und führte selbst Regie bei „Ab durch die Hecke“ (2006). Doch während Tiere und Menschen in jenen Filmen voneinander wussten, gilt die Existenz der jeweils anderen Spezies in „Smallfoot“ als Mythos. Das ist ein cleverer Dreh, der viel Gelächter auslöst, wenn gestandene Yetis beim ersten Aufeinandertreffen mit dem titelgebenden Kleinfüßler panisch das Weite suchen.

Es fehtl eine gemeinsame Sprache

Der Rest ist eine exzellent animierte, von tollem Slapstick durchsetzte Variation des „Fish out of water“-Motivs. Wie ein Fisch auf dem Trockenen findet sich Migo in der neuen Welt nicht zurecht, benutzt Gegenstände falsch, missinterpretiert Dinge, weil eine gemeinsame Sprache fehlt. Für Menschenohren brüllen und knurren Yetis, während die Winzlinge in der Wahrnehmung der behaarten Hünen lustig quietschen. Offenheit und Unvoreingenommenheit weichen die vereisten Fronten auf.

Hier die alten Männer, die sich davor fürchten, dass mit ihrem Glauben auch ihre Lebensleistung infrage gestellt wird – dort die nassforsche Jugend, die ihren Horizont erweitern, alte Vorstellungen nicht zerstören, aber neue finden will, und die davon spricht, zu lange in Angst gelebt zu haben. Für einen Kinderfilm ist diese aufklärerische Botschaft ganz schön groß. Unangenehme Fragen nach dem Kinobesuch sind nicht ausgeschlossen – und der Film zeigt: Sie zu stellen ist richtig und wichtig.

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