Die Katze Chloe bereitet ihrer Besitzerin viel Freude in „Pets 2“ Foto: Verleih

Die Fortsetzung des erfolgreichen Animationspaßes „Pets“ von 2016 setzt auf die gleichen Zutaten wie der Vorgänger. Flotte Gags amüsieren kurzweilig – und kaschieren den überraschend halbherzigen Storyaufbau.

Stuttgart - Kaum schauen erste Sonnenstrahlen über den Horizont, die Metropole ist noch nicht erwacht, da springt die knuffige Katze Chloe aufs Bett ihrer schlafenden Besitzerin. Weckversuche mittels schriller Miau-Töne oder Kralleneinsatz schlagen hinreißend komisch fehl. Katzenhalter ahnen, was folgt. Wie viele Animationsfilm-Fortsetzungen trägt „Pets 2“ das Kreuz, die Zuschauer mit einer Mischung aus Bewährtem und Neuem zurück ins Lichtspielhaus locken zu wollen. Der Humor funktioniert: Regisseur Chris Renaud und Drehbuchautor Brian Lynch durften sich kreativ austoben und ziehen altbekannte Situationen von Haustierbesitzern ins absurd Komische.

Anders als der überbordende „Lego Movie 2“ überfordert der Film sein Publikum nicht mit hektischen Sequenzen und vermittelt auf der Metaebene: Haustiere sind die besseren Menschen. Wenn etwa der Zweibeiner seinen Sprössling auf dem Gehweg nahezu blind allerlei Gefahren aussetzt, etwa einem heiß dampfenden Gullydeckel, erkennt der Vierbeiner die Gefahr und bewahrt das Kleinkind in letzter Sekunde davor.

Da wird das Kaninchen in der Pfanne verrückt

Die Schwäche des neuen Werks von ­Illumination­ Entertainment liegt im Storyaufbau: Einen sauber durchgearbeiteten Plot sucht man vergeblich, stattdessen entsteht der Eindruck, als wären hier drei Kurzfilme miteinander kombiniert worden. Für sich betrachtet, sind die schlichten Handlungen unterhaltsam, ohne vollends zu fesseln. Wobei der Ausflug der Hauptfiguren Duke (deutsche Stimme: Dietmar Bär) und Max (Jan Josef Liefers) auf einen typischen Bauernhof mehr Klischees abarbeitet, als Sacha Baron Cohen in einer Figur zusammenfassen kann. Natürlich verwehrt ihnen der kauzige Bauer den warmen Schlafplatz im Haus, und bald treffen sie auf den älteren Hofhund Rooster (Wolfgang Pampel) und machen sich gemeinsam auf die Suche nach verschwundenen Tieren.

In der Großstadt braucht ein Zirkus­tiger Hilfe, und Max’ Lieblingsspielzeug, das er seiner Freundin Gidget (Jella Haase) anvertraut hat, kommt abhanden. Es muss zurückerbeutet werden – aus einer Wohnung voller Katzen. Für Amüsement­ sorgt hier leider nur das abgedrehte Kaninchen Snowball, meis­terhaft gesprochen von „Jerks“-Hauptdarsteller Fahri Yardim. Über die 86 Minuten Laufzeit springt der Animationsfilm munter durch alle drei Geschichten, ohne dem Publikum viele emotionale Momente­ zu bieten – der Fokus­ liegt auf dem schnellen Gag. Dieser zündet meist, verpufft­ aber manches Mal auch im Hintergrund. Alle Geschehnisse­ gipfeln in einem vorausschaubaren Finale, das eher mäßig die Handlungsfäden des notdürftig­ gezimmerten Grundgerüsts zusammenführt­.­

Am Schluss zählt Gefühl

Was die Animation angeht, behauptet sich die in Frankreich gegründete Animationsschmiede Illumination Entertainment („Ich – Einfach unverbesserlich“) in ihrem zehnten abendfüllenden Spielfilm voller technischer Finessen in der starken Konkurrenz mit Dreamworks und Co. Allerdings­ agieren die visuellen Gestalter nicht ganz so detailverliebt wie die Meister von Pixar, die jedes einzelne Standbild mit einem Feuerwerk an Ideen zum Gemälde gestalten. Der 3-D-Version mangelt es an entsprechenden Effekten, so dass sich der Aufpreis kaum lohnt.

Einige der schönsten Momente verdankt „Pets 2“ dem oscarprämierten Komponisten Alexandre Desplat („Shape of Water): Gerade noch erklingt klassisch verspielt ein Orchester, da rappt schon das Kaninchen Snowball zum harten Beat über ­Karotten­. Auch die Schlussszene mit Max und dem angehenden Vorschulkind Liam untermalt Desplat gefühlvoll; davon hätte es mehr geben dürfen.

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