Eines Tages entgleist die Situation und Duval (François Cluzet) gerät zwischen die Fronten Foto: Verleih

Ein beinharter Thriller in bester französische Tradition zeigt das fragwürdige Treiben von Geheimdiensten in einer Gegenwart, die hinter der demokratischen Kulisse durch und durch korrupt ist: Operation Duval – Das Geheimnisprotokoll.

Stuttgart - Der Originaltitel trifft exakt, worum es in diesem Film geht, der mitunter den Atem Stocken lässt: um „La mécanique de l’ombre“, die „Mechanik des Schattens“ – dubiose Machenschaften konkurrierender Dienste, die unkontrolliert miteinander ringen in einer Art Parallelwelt, auch gewaltsam, ohne dass ersichtlich würde, welchen Sinn ihr Treiben hat.

Zwischen die Fronten gerät der gescheiterte Kleinbürger Duval, ein trockener Alkoholiker auf Jobsuche. Bald bekommt er einen, doch wie er da in einer leeren Wohnung der Gegenwart sitzt und mit Mitteln der Vergangenheit – elektrische Schreibmaschine, Tonbandkassetten – Gespräche transkribiert, ist mit Händen zu greifen, dass etwas überhaupt nicht stimmt. Bald gerät er in ein böses Verwirrspiel um Leben und Tod. Mit melancholischer Eindringlichkeit verleiht François Cluzet („Ziemlich beste Freunde“) diesem Mann Konturen: Man glaubt ihm, dass Duval ein anständiger Kerl ist – und auch deswegen erfolglos in einer Welt skrupelloser Strippenzieher. Rührend kümmert er sich um eine Leidensgenossin in der Alkoholiker-Gruppe (Alba Rohrwacher), doch als die Situation entgleist, erweist er sich nicht minder überzeugend als findiger Krisenmanager.

Thomas Kruithof ist ein beinharter Thriller in guter französischer Tradition gelungen. Wendungsreich zeichnet er das Bild einer Gegenwart, die hinter der demokratischen Ordnungskulisse von durch und durch korrupten Gestalten dominiert wird; man glaubt das leichter, als einem lieb sein kann, weil sich unweigerlich aktuelle Manipulation aufdrängen, die Enteignung der Kleinsparer durch Nullzinsen etwa, selbstverfasste Studien von Insektenvernichtern oder die Paradise Papers.

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