Benedict Cumberbatch als Louis Wain mit dessen bevorzugtem Motiv Foto: Studiocanal

Benedict Cumberbatch spielt gerne besondere Typen – im Kino-Drama „Die wundersame Welt des Louis Wain“ einen Illustrator, der das Katzenbild als Gattung etabliert hat.

So groß ist die Liebe, dass der Illustrator Louis Wain in den 1880ern auf die Regeln des viktorianischen Zeitalters pfeift und Emily Richardson ehelicht, die Gouvernante seiner jüngeren Schwestern. Emily ist nicht standesgemäß und auch noch zehn Jahr älter als er. Doch Wain, ein von Komplexen und Neurosen geplagter Sonderling, der seine Hasenscharte mit einem Schnauzbart kaschiert, entscheidet sich gegen gesellschaftliche Konventionen und für das Glück.

 

Benedict Cumberbatch hat ein Faible für spezielle, doppelbödige Typen. Zuletzt war er in Jane Campions mit dem Regie-Oscar prämiertem Film „The Power of the Dog“ zu sehen als seltsamer Cowboy-Macho. Als Louis Wain wirkt er einerseits schrullig und ungelenk, andererseits auch liebenswert: eine reine Seele in einer unbarmherzigen Welt, die ums Überleben kämpft – nach dem Tod des Vaters soll der geschäftsuntüchtige Louis als einziger männlicher Nachkomme für die ganze Familie sorgen.

Emily nimmt Louis, wie er ist

Claire Foy hat für ihre Darstellung der jungen Königin Elizabeth II. in der Serie „The Crown“ einen Golden Globe und einen Emmy bekommen. Aus Emily Richardson macht sie eine unerschrockene Frau mit Esprit, die sich in den ungemütlichen Verhältnissen der damaligen Zeit einrichtet, so gut es geht. Sie verfügt über viel Empathie, begeistert die Kinder und kann überhaupt gut mit Menschen umgehen. Vor allem hat sie die seltene Gabe, völlig vorurteilsfrei auf die Welt zu schauen. Sie nimmt Louis mit seinen Eigenheiten, wie er ist – und zeigt ihm, dass eine sensible Ader eine Qualität sein kann.

Emily beschert ihm auch die Idee, für die er bis heute bekannt ist: Sie entdeckt im Garten ein Kätzchen, das den Namen Peter bekommt und fortan als Schmusetier im Haus wohnen darf. Das war damals keineswegs üblich, für die meisten Menschen waren Katzen vor allem nützliche Mäusefänger. Bald beginnt Louis, Katzen zu zeichnen. Er findet Abnehmer für seine Bilder und sorgt dafür, das sich der Blick auf die Tiere verändert.

Eine wundersame Liebe

Der Regisseur und Autor Will Sharpe („Landscapers“) inszeniert die wundersame Liebesbeziehung zwischen Emily und Louis als traumhaft überzeichnete Sequenz. Wie die beiden achtsam umeinander kreisen, ist höchst sehenswert. Und auch wenn das Glück nicht lange währt, weil Emily schwer erkrankt und stirbt, müsste es doch das unangefochtene Herzstück des Films bleiben in Erinnerungen und Rückblenden.

Sharpe aber lässt die Zweisamkeit zur Episode gerinnen, die vor allem in Louis’ Trauer und Verstörung nachwirkt. Die Handlung zerfasert, Geldprobleme und schwesterliches Gekeife begleiten aufwendig ins Bild gesetzte Horrorvisionen, während Louis in krude Theorien über Elektrizität abgleitet und glaubt, die Sprache der Katzen zu verstehen. Die Vierbeiner sind nurmehr Dekoration, Stichwortgeber für den Wahnsinn.

Einen kleinen, entscheidenden Moment der Besinnung immerhin gönnt Sharpe seinem Protagonisten noch – und findet im letzten Moment zurück zum eigentlichen Fokus seines Films.

Die wundersame Welt des Louis Wain. GB 2021. Regie: Will Sharpe. Mit Benedict Cumberbatch, Claire Foy. 111 Minuten. Ab 12.